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Landwirtschaftserie : „Das schwerste Jahr als Landwirt“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil zwölf: Im Dezember liegen Holzarbeiten und Reparaturen auf Hof Köhn an / Auf den Äckern herrscht Winterruhe

von
erstellt am 15.Dez.2016 | 06:53 Uhr

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

„Für mich war es das schwerste Jahr als Landwirt“, sagt Reimer Köhn, der 1989 mir Ehefrau Silke den väterlichen Hof in Moorholz übernahm. „Dieses Jahr kam eine ganze Menge zusammen“, sagen die beiden. Angefangen bei eingebrochenen Erlöserpreisen für Mastschweine, über schlechte Erträge bei Weizen und Raps und natürlich die extrem eingebrochenen Milchpreise, die das ganze Jahr über den Betrieb belasteten. Hinzu kamen Extremwetter, vor allem Starkregen, die zu Pflanzenkrankheiten führten.

Die Krönung ist nun noch die Wildgeflügelpest. „Das sorgt für mehr Aufwand und die Kunden kaufen weniger Eier“, wie Richard Köhn ergänzt. Der Senior kümmert sich um die rund 350 Hofhühner. Aber es gibt wieder eine Perspektive, sagt Reimer Köhn. Im November war der Milchpreis auf 32 Cent je Kilogramm gestiegen. Das entlastet den Hof sehr stark, da das Milchgeld im Winter fast die einzige Einnahme ist, um laufende Kosten zu bedienen. „Wir hoffen, dass der Preis jetzt erstmal stabil bleibt, vielleicht noch etwas steigt“, sagen Köhns. „Die nächste Delle kommt aber sicher“.

Im Dezember ruht die Arbeit auf den rund 250 Hektar Land. Aber es sind bereits die Entscheidungen getroffen worden, wie die Flächen im kommenden Jahr bestellt werden. Für rund 90 Prozent der Flächen sind die Würfel schon gefallen, die Fruchtfolge festgelegt. Statt Gerste wird es mehr Raps geben. Da der Maisertrag in diesem Jahr sehr gut war, wird Familie Köhn auch weniger Mais anbauen müssen. Je nach Verbrauch der Futtermaissilage werden Silke und Reimer Köhn im Februar überlegen, ob sie auf gut fünf Hektar erstmals Ackerbohnen oder Braugerste anbauen. Gerade die Ackerbohnen seien sehr eiweißreich und könnten gut dem Rinderfutter beigemischt werden. Jetzt steht noch die Auswahl der Maissorten an. Sie werden wohl ein bis zwei neue Sorten auf einigen Hektar ausprobieren.

Der Dezember ist ein ruhiger Monat. Klar müssen die rund 170 Milchkühe täglich zweimal gemolken werden und alle insgesamt rund 350 Rinder, etwa 500 Mastschweine und die Hühner gefüttert werden, aber es läuft alles ruhiger. Es werden Reparaturen an Maschinen, Anlagen und Gebäuden vorgenommen und Wartungen stehen an.

Genutzt wurde der Dezember auch schon zum Holzmachen. Der Hof wird mit Feuerholz beheizt, dafür werden 30 bis 50 Festmeter im Jahr benötigt. Noch fehlen zehn bis 15, wie Reimer Köhn beim Blick auf die Holzlager schnell sieht. War die Arbeit früher noch mehr Knochenarbeit, als mit Spaltäxten Baumscheiben zerkleinert wurde, so läuft heute der elektrische Spalter. Mitarbeiter Rüdiger Burkowski setzt den Holzblock auf den Spaltertisch, drückt den Startknopf und in wenigen Sekunden ist der Block in Stücke zerkleinert, die in den Ofen passen. Er ist seit 19 Jahren auf dem Hof und kennt sich aus. Besonders in der Vorweihnachtszeit werden viele Arbeiten erledigt, um über die Feiertage den Aufwand möglichst zu reduzieren. Dazu gehört auch, die Ställe der Rinder auszumisten und neu mit Stroh einzustreuen. Ganz lässt sich die Arbeit auf dem Hof aber nicht planen. So werden noch bis Jahresende zwölf Kalbungen erwartet, berichtet Reimer Köhn. Doch das gehört für sie dazu. Das Wohl ihrer Tiere und der verantwortungsvolle Umgang mit Tier und Pflanzen ist ihnen wichtig.

Familie Köhn genießt zurzeit die Ruhe und erholt sich von einem schweren Jahr. Denn ganz unabhängig von den wirtschaftlichen Faktoren und ihrem unternehmerischen Geschick sind sie immer dem Wetter ausgeliefert. Damit der Hof die Familie und seine Angestellten versorgt, müssen Silke und Reimer Köhn jeden Tag aufs Neue Entscheidungen mit Langzeitwirkung treffen. Ob diese Entscheidungen richtig waren, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind, das können sie aber erst nach der nächsten Ernte oder der Auszahlung von Verkaufserlösen beurteilen. Bis dahin haben sie bereits viele weitere Entscheidungen treffen müssen und viel Arbeit hineingesteckt. „Was sollen wir sonst machen?“, fragen sie.

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