Das schwere Los der Drillinge

Die Müllerin, die Amme und die Welfen.  Zeichnung: Zimmermann
Die Müllerin, die Amme und die Welfen. Zeichnung: Zimmermann

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20. März 2014, 18:50 Uhr

Etwa um das Jahr 1000 herum lebte Graf Azzo von Este auf einer Burg in Italien. Er war Graf, Fürst (Kaiserwähler, aktives und passives Wahlrecht) und auch Herzog (also Heerführer). War papsttreu und dem Weltlichen abgeneigt.

Als Herzog, also Heerführer, zog dieser nun in den Krieg. Während seiner Abwesenheit gebar ihm seine Frau Kinder, Drillinge. Das war zu der Zeit medizinisch nicht erklärbar. Man (Frau) konnte von einem Mann nur ein Kind bekommen. Also mussten in diesem Fall zwei weitere Männer im Spiel sein, was ja nicht der Fall war.

Die Gräfin von Este sah keine andere Möglichkeit sich von einer Schuld, die nicht zutraf, zu befreien, als die Drillinge zu beseitigen. Sie beauftragte ihre Magd damit, die drei Kinder im Mühlteich zu ertränken. Die Magd legte die drei Säuglinge in einen Korb, bedeckte sie mit einem Tuch und verbrachte sie Richtung Mühlteich, um sie dort zu ertränken, ihren Auftrag auszuführen.

Doch gerade, als sie auf dem Weg ins Tal war, kam ihr der Graf Azzo von Este entgegen, der mit seinem Gefolge vom Feldzug zurückkehrte. Er erkannte die Magd seiner Frau und erfragte deren Handeln, was sie im Sinne hätte. Diese erwähnte, dass sie beauftragt wäre, einen Wurf Welpen im Weiher an der Mühle zu ertränken. Doch der Graf lüftete das Tuch, sah drei kleine Kinder, die Magd offenbarte sich ihm. Sie wusste sich nicht zu helfen, auf der einen Seite den Befehl ihrer Herrin, dessen Verweigerung mit Strafe verbunden war, auf der anderen Seite jetzt den Mitwisser, den Vater der Kinder.

Azzo von Este nahm sich der Sache an. Er kam auf die Idee, die drei Kinder bei der Müllerin zu lassen, die selbst vor kurzem Drillinge gleichen Geschlechts zur Welt gebracht hatte, ein leichtes Leben führte, gleichzeitig Amme war. Der Müllerin – Müller war ein unehrenhafter Beruf –, kam die Patenschaft für die drei Kinder gerade recht, weil der Graf dafür gut bezahlte.

Azzos Ehe blieb kinderlos, auch aus Angst und Sorge seitens der Frau, weil es erneut zu einer Mehrgeburt hätte kommen können. Als die Magd nach zwölf Jahren starb, lüftete der Graf sein Geheimnis, offenbarte sich gegenüber seiner Frau und holte die gemeinsamen drei Kinder wieder an den Hof. Seine Frau war überglücklich. Auf Grund des Vorfalles mit der Magd am Weiher nannte er das Adelshaus um in Welfen, abgeleitet von Welpen.

Die ganze Geschichte hat aber einen kleinen Haken: Da die Müllerin ja nun auch drei eigene Kinder hatte, die gleichen Geschlechts waren, wird sie in weiser Voraussicht um ihnen ein besseres Leben zu gewähren, ihre eigenen Kinder statt die des Azzos in dessen Obhut abgegeben haben. So ist es damals schon zu einer Verwechslung gekommen, weil die Kinder vertauscht worden sind.

Jetzt kann man auch nachvollziehen, warum sich ein Welfe oft daneben und wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Ob er nun betrunken auf Reporter und Wirte einschlägt oder den Japanern an den Pavillon pinkelt. Dazu passt auch, dass er sich mit Komödianten und Piraten kurzschließt.

Er ist vertauscht worden.


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