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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 09:37 Uhr

Damp : Das Pferd ist der Therapeut

vom

Hippotherapie der MS-Kontaktgruppe Eckernförde. Jörg Sibbel und Klaus Buß zu Gast bei der ersten Stunde nach der langen Winterpause.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 07:36 Uhr

damp | Auf den ersten Blick zeigt sich dem Betrachter das Bild einer normalen Reitstunde, vielleicht einer Anfängerstunde. Ein Pferd, das sich im Schritt in einer Halle bewegt, auf seinem Rücken eine erwachsene Reiterin, geführt von Ann-Katrin Zerull vom Reiterhof Tramm. Ursula Mahrt sitzt ganz entspannt auf dem Rücken des Wallachs Mirko und genießt seine Wärme und Bewegungen. Unmerklich, ohne sich anzustrengen, tut die 69-Jährige, die an Multiple Sklerose (MS) erkrankt ist, in diesem Moment viel für eine Linderung ihrer Schmerzen. "Ich kann die Beine wieder bewegen", freut sich die Spastikerin, die aufgrund der MS-Krankheit an einer starken Einschränkung der Beweglichkeit ihrer Beine leidet, "im Alltag geht das gar nicht." Ursula Mahrt ist eine von sechs Mitgliedern der MS-Gruppe Eckernförde, die an der Hippotherapie für MS-Kranke auf dem Reiterhof Tramm in Dorotheental teilnehmen.

Seit 1991 bietet Maren Tramm auf ihrem Reiterhof die Hippotherapie an. Die Physiotherapeutin, die eine Zusatzausbildung im therapeutischen Reiten absolviert hat, weiß um dessen positive Wirkung. "Der Körper des Patienten reagiert intuitiv auf die Bewegungen des Pferdes. Unbemerkt erfolgt eine Wiederbelebung der Muskulatur und die Förderung des Gleichgewichtssinns. So wird eine Beweglichkeit des Körpers gefördert, die der Patient sehr gut in seinen normalen Alltag, wie Aufstehen oder Umdrehen, integrieren kann. Der Patient erwirbt mehr Selbstbewusstsein."

So eine Therapie kostet Geld. Damit die Patienten nur einen geringen Eigenanteil von 5 Euro pro Therapieeinheitzahlen müssen, fördert die Elisabeth-Eifert-Stiftung aus Eckernförde bereits zum zweiten Mal dieses Projekt. Aus diesem Grund freut sich die Vorsitzende der MS-Gruppe Eckernförde, Gerburg Knorr, zur ersten Therapieeinheit nach der langen Winterpause Jörg Sibbel, der in seiner Eigenschaft als EckernförderBürgermeister Vorsitzender der Elisabeth-Eifert-Stiftung ist, und Klaus Buß, Vorsitzender der Stiftungskommission, zu begrüßen.

Elisabeth Eifert war eine vermögende Eckernförderin, die nach ihrem Tod im Jahre 2006 ihr Vermögen in einer Stiftung zur Förderung sozialer, kultureller und sportlicher Belange dem Ostseebad vermachte. Bisher seien aus den Zinserträgen insgesamt 250 000 Euro ausgeschüttet worden, so Klaus Buß. Zwei Mal im Jahr hätten entsprechende Organisationen Eckernförde und Umgebung die Möglichkeit, sich um projektbezogene Förderung ihrer Arbeit zu bewerben, erklärte Jörg Sibbel. Der Kontakt desbezüglich laufe über die Mitarbeiter im Rathaus. "Für uns ist es ein besonderes Anliegen, Projekte wie dieses zu fördern", betonen Sibbel und Buß.

Jeden Mittwoch heißt es nun bis Mitte August für die sechs Mitglieder der MS-Gruppe Eckernförde, für 20 Minuten an der Hippotherapie teilzunehmen. 20 Minuten, die aufgrund ihrer Regelmäßigkeit eine große lindernde Wikung für die Patienten hat. MS ist eine nicht heilende, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Verlauf erfolgt in Schüben, die zu Ausfällen des Bewegungsapparates, vornehmlich der Beine und Hände, führen. Spastische Verkrampfungen treten auf, nicht selten benutzen die Patienten in ihrem Alltag einen Rollator.

Einer von ihnen ist Gustav Sczech. Der 74-Jährige leidet seit 50 Jahren an MS und nimmt seit Beginn der Hippotherapie teil. Seinen Alltag bewältigt er mithilfe eines Rollators, den er auch in die Reithalle mitgebracht hat. Auf diesem sitzt er, während er darauf wartet, dass die Reihe an ihm ist, auf Mirkos Rücken zu entspannen. "Mir war das Reiten ohne Sattel und Decke von Anfang nicht fremd", erklärt er, da er bereits als Junge so die Pferde von der Koppel geholt habe. "Der eigentlich Therapeut ist das Pferd", so Maren Tramm. Und der 18-jährige Mirko bewähre sich bestens in seinem Job, den er bereits seit zwölf Jahren ausübt. Die Patienten hätten großes Vertrauen zu ihm, was wichtig für eine nachhaltige Entspannung sei. Er spüre genau, wer auf seinem Rücken sitze. In diesem Fall Gustav Szech, der auf dem Perderücken seine Krankheit nahezu vergisst.

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