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alternative behandlungsmethode : Das Pferd ist der Therapeut

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Reiterhof Tramm bietet jedes Jahr eine dreimonatige Hippotherapie für MS-Patienten der MS-Kontaktgruppe Eckernförde an. Die Organisatorin Gerburg Knorr sucht nach zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit einen Nachfolger.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2015 | 10:00 Uhr

Vor sieben Jahren erhielt Monika Pertsch die Diagnose, dass sie an progredienter Multiple Sklerose (MS) erkrankt sei. Die 57-jährige Flensburgerin, die jetzt in Eckernförde lebt, hat wie viele andere ihrer Leidensgenossen bereits mehrere unterschiedliche Therapien hinter sich. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Gerburg Knorr, Mitglied der MS-Gruppe Eckernförde, durfte sich die ehemalige Krankenschwester über die Teilnahme an einer besonderen Therapieform freuen – der Hippotherapie auf dem Reiterhof Tramm. „Man spürt die Wärme des Pferdes, und das tut dem Körper so gut“, beschreibt Monika Pertsch die Wirkung der 20-minütigen Therapie. „Ich bekomme das Gefühl für die Beine wieder. Hinterher kann ich einfach besser laufen“, ist Pertsch dankbar.

Seit 1991 bietet Maren Tramm auf ihrem Reiterhof die Hippotherapie an. Norwegerwallach Mirko lässt sich mit seinen 24 Jahren auch durch Rollatoren oder Krücken seiner Reiter nicht aus der Ruhe bringen. Maren Tramm ist Physiotherapeutin. Sie hat eine Zusatzausbildung im therapeutischen Reiten absolviert und weiß um dessen Wirkung für die MS-Patienten. „Es ist der Versuch, normale Bewegungen übers Pferd auf neurophysiologischer Basis wieder an den Patienten zu bahnen“, erklärt sie den Effekt. Alle MS-Patienten litten unter einem gestörten Bewegungsbild, das nachhaltig mithilfe der Hippotherapie positiv beeinflusst werden könne. „Die Teilnehmer erhalten das Gefühl für ihre eigene Körpermitte wieder – und das hält monatelang an“, so Tramm.

Jedes Jahr von Mai bis August bietet sie auf ihrem Reiterhof die Hippotherapie an. Vor kurzem fand in dieser Einheit die letzte Stunde für die Teilnehmer statt. Vor 29 Jahren ist bei Thea Liebeherr die Krankheit ausgebrochen. Für sie ist es ebenfalls die erste Hippotherapie. Die 69–Jährige aus Eckernförde hat mittlerweile Zutrauen zu Mirko gefasst: „Man kann den Körper als Ganzes einbringen und das tut gut“, sagt die ehemalige Sekretärin. Sehr gern würde sie im nächsten Jahr wieder teilnehmen.

Verantwortlich für die Organisation ist Gerburg Knorr – und das seit zehn Jahren. Ohne sie und ihren Mann Karl-Heinz Knorr könne die Hippotherapie in der Form nicht angeboten werden, ist Maren Tramm voll des Lobes. So eine Therapie kostet Geld. Um den Eigenanteil der Patienten so gering wie möglich zu halten, hat Gerburg Knorr erneut erfolgreich bei der Elisabeth-Eifert-Stiftung Eckernförde Zuschüsse eingeworben. Dank ihres Engagements hat die Stiftung auch für 2016 eine Förderung zugesagt. Das erleichtert der 74-Jährigen den Abschied von der Gruppe. Denn diese Therapieeinheit sei ihre letzte gewesen, so Knorr. Für 2016 sucht sie jetzt einen Nachfolger.

Vor über 50 Jahren ist Gustav Sczech an MS erkrankt. Der 77-Jährige ist seit der ersten Stunden dabei. „Es bekommt mir gut“, erklärt der ehemalige Mechaniker aus Pommerby. Zwar habe er zwei Mal in der Woche auch Krankengymnastik, aber auf die Hippotherapie möchte er nicht verzichten. „Es ist so angenehm auf dem Pferd für mich“, sagt der Damper. Es sind nur 20 Minuten und das nur einmal in der Woche – und doch hat diese vergleichsweise kurze Zeitspanne aufgrund ihrer Regelmäßigkeit eine große lindernde Wirkung auf die Patienten.

>MS ist eine nicht heilende, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Verlauf erfolgt in Schüben, die zu Ausfällen des Bewegungsapparates, vornehmlich der Beine und Hände, führen. Spastische Verkrampfungen treten auf, nicht selten benutzen die Patienten im Alltag einen Rollator.

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