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Tag der Marine : Das neue Selbstverständnis der Bundeswehr

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Marine hat sich am Mittwoch als zweitgrößter Stützpunkt in Deutschland am und im Stadthafen präsentiert. Besonders Urlauber haben großes Interesse gezeigt.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 05:52 Uhr

Eckernförde | Das Image der Bundeswehr hat sich gewandelt: Noch vor 20 Jahren verzichtete sie bei öffentlichen Auftritten auf das Zeigen von Waffen – viel zu martialisch. Heute ist das anders: Die Bundeswehr präsentiert sich bei Tagen der offenen Tür mit Gewehr und Gerät, lädt auf ihre Stützpunkte ein und organisiert Truppenbesuche für potenzielle Bewerber. „Wenn man Öffentlichkeitsarbeit macht, muss man auch das Arbeitsgerät zeigen“, bestätigt Projektoffizier Kapitänleutnant Detlef Kroll das neue Selbstverständnis, das sich auch durch die weltweiten Einsätze der Bundeswehr seit den 90er-Jahren verändert hat. „Wenn wir stattdessen Luftballons zeigen würden, wäre das falsch.“ Beim Tag der Marine im und am Stadthafen konnten sich die Besucher gestern selbst einen Eindruck verschaffen.

Besonders die in Eckernförde beheimateten Einheiten, darunter Kampfschwimmer, Minentaucher und Boardingsoldaten, stießen auf großes Interesse der geschätzten 3000 bis 4000 Besucher. Dabei hatte Minentaucher Tim Bethune keinen leichten Job: Er steckte in dem 30 Kilogramm schweren Kampfmittelbeseitigungsanzug und war froh, als ihm sein Kollege frische Batterien in den Helm einsetzte – so funktionierte das dort eingebaute Gebläse auch wieder. Der Standard-Anzug schützt den Menschen bei einer Bombenentschärfung oder Minenräumung im Falle einer Explosion von bis zu einem Kilo Sprengstoff gut. „Aber die Annäherung mit dem Anzug ist das letzte Mittel, vorher kommt das Manipulatorfahrzeug zum Einsatz.“

Das heißt „Teodor“ und besteht in erster Linie aus einem Raupenfahrzeug mit fünf Kameras und einem Greifarm. Bis zu einen Kilometer Reichweite hat die Fernbedienung, mittels derer der kleine Roboter Bilder von dem verdächtigen Gegenstand übermitteln und auch im Weg liegende Gegenstände wegräumen kann. Schließlich kann er mit einem eingebauten Schrotgewehr oder einem Wasserschussgerät den Sprengkörper zur Detonation bringen.

Großen Andrang – meist von männlichen Besuchern – gab es auch am Stand der Boardeinsatzkompanie, wo der Stabsgefreite Sascha Schunk einige von den spezialisierten Kräften verwendete Gewehre und Pistolen erläuterte. Diese waren natürlich gut gesichert und nicht geladen. Das Arbeitsgerät ist dabei die G36K A4: individuell einstellbar, elektronisches Visier, 30-Schuss-Magazin, Kaliber 5,56 x 45 Millimeter.

Ob die Besucher mit einem V-Boot eine Fahrt durch den Stützpunkthafen machten, das Landungsboot „Lachs“ besichtigten oder eine der vielen zivilen Einrichtungen wie das THW oder die Deutsche Luftrettung besuchten – sie zeigten großes Interesse, besonders auch die vielen Urlauber aus ganz Deutschland. Das wiederum war gut für Tanja Mollnau, Leiterin des Karriere-Beratungsbüros in Schleswig, die mit einem Stand vertreten war. Sie wirbt für die Bundeswehr als Arbeitgeber. „Wir haben das Glück, dass die Menschen hier ohnehin sehr bundeswehr-affin sind, aber auch viele Urlauber fragen nach.“ Besonders im technischen Bereich sucht die Bundeswehr noch Leute: Elektriker für Geräte und System oder IT-Systemelektroniker zum Beispiel. Aber auch im Sanitätsbereich, bei der Feuerwehr oder bei den Kampfschwimmern und Minentauchern sind noch Stellen frei. „Viele denken bei der Bundeswehr gleich an Soldaten. Dabei bieten wir auch im zivilen Bereich viele Möglichkeiten“, so Tanja Mollnau. Allerdings macht auch sie keinen Hehl daraus: Wer sich als Soldat bewirbt, wird im Beratungsgespräch auf die Risiken angesprochen: „Man leistet Dienst an der Waffe. Tod und Verwundung sind kein Tabu.“

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