zur Navigation springen

Heinz Teufel im Museum : „Das Leben braucht den Tod“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der weltweit renommierte Eckernförder Fotograf stellt 40 Bilder von bis zu 1000 Jahre alten Bäumen aus einem Märchenwald aus. Seine Botschaft: Der Mensch muss mehr zur Natur finden.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 06:15 Uhr

Wälder haben die Menschen schon immer fasziniert, besonders wenn sie aus besonders alten und knorrigen Bäumen bestehen. Märchen sind hier entstanden, Sagen und Legenden. Einer dieser „Märchenwälder“ mit bis zu 1000 Jahre alten Bäumen ist der Sabawald in Nordhessen, der seit 1907 unter Naturschutz steht und nicht mehr bewirtschaftet wird. Dort hat sich der Fotograf Heinz Teufel im vergangenen Jahr zwei Tage lang durch die Büsche geschlagen und den knorrigen Weggefährten der Menschen auf die Borke geschaut. Das Ergebnis ist seit gestern im Museum Eckernförde zu sehen. „Waldgeschichten – das Leben verlangt den Tod“ heißt die Ausstellung, die mehr ist als nur bunte Bilder.

Zum einen künstlerisch: Heinz Teufel verwendete einen Art-Filter, eine Software in der Kamera, die Details flächiger darstellt. „Es gibt keine wirkliche räumliche Dimension, Formen und Strukturen werden durch die Vereinfachung verstärkt“, erklärte Kunsthistorikerin Angeline Schube-Focke in ihrer Einführung. Der Fantasie werde freier Lauf gelassen: „In manchen Bildern sieht man Gnome oder Zwerge, in anderen einfach eine bizarre Struktur.“ Der künstlerische Ansatz sei kein Wunder, hat Heinz Teufel doch Bildhauerei, Grafik und Malerei studiert. Er verbinde die freie Kunst mit der Fotografie.

Die zweite Dimension der Ausstellung ist die Aussage der Bilder selbst. „Das Leben braucht den Tod“ steht in der Überschrift. Alte Bäume bieten jungen Nahrung – und nicht nur ihnen, sondern auch vielen Tieren. Doch der Mensch mit seiner Bewirtschaftung der Wälder, mit seinem Abholzen ganzer Kontinente, hat diesen Satz nicht verstanden. Im Gegenteil: Heinz Teufel kritisiert einen anderen Satz, der ebenfalls uralt ist: „Macht euch die Erde untertan, seid fruchtbar und mehret euch, habt keine anderen Götter neben mir.“ Das Wort aus der Bibel führe die Menschheit und die Erde seither in den Untergang. „Im Namen Gottes wurden andere Kulturen, Natur und deren Wälder und Landschaften vernichtet. Niemand, nicht die Kirche, kein Staat, kein Mensch hat sich jemals dafür entschuldigt.“ Die Menschen würden verkennen, dass die Erde ein einziger Organismus sei, der sich durch sich selbst entwickle und erhalte. „Jede individuelle Existenz kann nur durch den Austausch und die Vernetzung mit allem und allen überleben. Begreifen wir, dass das Leben als ganzheitliche Form des Existierenden den Tod des Individuums braucht. Wenn Bäume sterben, ernähren sie den Wald und all seine Bewohner.“

 

> Die Ausstellung ist bis zum 15. März zu sehen, Führungen mit Angeline Schube-Focke am 15. Februar und 8. März jeweils um 15 Uhr, Finnissage mit Führung durch Heinz Teufel am 15. März um 15 Uhr

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen