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Überlebenskampf : Das langsame Sterben der Kastanien

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bakterien und Motten machen die Bäume krank. Einige mussten schon gefällt werden.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:50 Uhr

Eckernförde | Diesem Patienten geht es nicht gut: Die Kastanienbäume kränkeln schon seit Jahren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bäumen sind ihre Blätter schon seit langem dunkelbraun gefärbt, einige haben ihr Laub schon ganz verloren. Die Befürchtung steht im Raum, dass sie alle in den kommenden Jahren sterben.

Zwei Gründe gibt es, dass es um die Kastanie in Eckernförde so schlecht steht: Der erste ist die Miniermotte, die sich in den vergangenen Jahren ausgebreitet hat. Sie schädigt den Baum, indem sie die Photosyntheseleistung reduziert. Sie schwächt ihn zwar, bringt ihn aber nicht um.

Feind Nummer zwei ist dagegen deutlich gefährlicher: Das Bakterium „Pseudomonas syringae pv. aesculi“ tritt seit einigen Jahren in ganz Europa auf. Es befällt die Rinde und die darin befindlichen Leitungsbahnen, die Nährstoffe transportieren. Eine Infektion lässt die Rinde der Bäume zunächst bluten. „Leckstellen treten auf“, erklärt Sylvia Bent, Leiterin der Stadtgärtnerei. „Und Risse.“ Es sei, als ob die Leitungsbahn wegen einer Verstopfung platzt. Doch solange nur diese beiden Symptome zu sehen sind, ist der Baum noch nicht verloren. Die Wunden in der Rinde sind jedoch sehr anfällig für schädliche Pilze. Sylvia Bent: „Wenn diese Pilze scheibchenweise aus dem Stamm wachsen, ist das schon wie ein Todesurteil.“ Dennoch hält sich die Stadtgärtnerei in solchen Fällen noch zurück. „Wenn der Baum aber im Sommer die Blätter verliert, muss er sofort gefällt werden. Dann ist die Gefahr zu groß, dass morsches Geäst herunterfällt.“ Das habe ein Baumgutachter der Stadtgärtnerei empfohlen.

Schon einige Male musste die Stadtgärtnerei tätig werden: Zwei kleine Kastanien am Exer mussten 2016 dran glauben, auch auf dem Soldatenfriedhof zwischen Exer und Wellenbad kreiste schon die Motorsäge, ebenso am Petersberg und in der Borbyer Parkanlage.

„Im Grunde haben wir die Kastanien schon vor zwei Jahren aufgegeben“, sagt der städtische Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung, Michael Packschies. Doch es erwies sich als richtig, nicht gleich alle Bäume zu fällen. „Sie halten sich, in diesem Jahr sahen sie sogar lange Zeit richtig gut aus.“ Ob das so bleiben wird, oder ob es sich um ein letztes Aufbäumen vor dem Absterben handelt, ist dahingestellt. „Wichtig ist es, das Genmaterial zu halten“, so Packschies, der auf eine ähnliche Krankheit hinweist, die vor 20 Jahren die Ulmen befallen hat. Damals sind in Eckernförde alle Ulmen abgestorben – bis auf zwei, die an der Strandpromenade zwischen Stadthotel und Taverna Kreta stehen. Sie erwiesen sich als resistent – weshalb auch immer. An mehreren Stellen wachsen jetzt junge Ulmen nach. Michael Packschies: „Darauf hoffen wir auch bei den Kastanien.“

Wer die Bäume in ihrem Kampf etwas unterstützen will, kann das herabgefallene Laub aufnehmen und an anderer Stelle entsorgen. Sylvia Bent: „So können wenigstens die Larven der Miniermotte nicht gleich im Frühjahr wieder den Baum heraufklettern.“

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