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baupfusch – JETZT NORMALITÄT : Das lange Warten auf die Taucherhalle

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach Baupfusch kann die Taucherhalle wegen langen gerichtlichen Prozesses sowie Ausschreibungs- und Vergabeverfahren nicht genutzt werden. Das hat Auswirkungen auf Schwimmausbildung bei Marine sowie Vereinen und der DLRG.

Eckernförde | Die Taucherübungshalle am Marinestützpunkt ist seit nunmehr sechs Jahren geschlossen. „Mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2019 zu rechnen“, bestätigte eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen auf Anfrage der Eckernförder Zeitung.

Das Schwimmbecken und die Schwimmbadtechnik wurden in den Jahren 2011 und 2012 für rund fünf Millionen Euro saniert und umgebaut. Allerdings wurden bei einer Probebefüllung des Schwimmbeckens undichte Stellen festgestellt, die mit ein paar Eimern Mörtel nicht zu beheben waren. Wer war für den Schaden verantwortlich? Es kam zu einem gerichtlichen Verfahren, das sich lange hinzog und währenddessen die Halle nicht nutzbar war. Mittlerweile ist das Verfahren abgeschlossen, der Auftrag für die Sanierung erneut öffentlich ausgeschrieben. Ein Planungsbüro erstellt derzeit ein neues Sanierungskonzept und soll eine Entscheidung finden, ob die Halle ein weiteres Mal saniert oder doch neu gebaut werden soll. Laut Marine ist im April damit zu rechnen.

Dieser langwierige Prozess hat deutliche Auswirkungen. So müssen Minentaucher und Kampfschwimmer seit sechs Jahren in Übungshallen nach Neustadt in Holstein und Flensburg ausweichen. Die Ausbildungskompanien nehmen lange Fahrtstrecken und wochenlange Abwesenheiten vom Dienstort auf sich, um ihre Anwärter ausbilden zu können. Zwar liegt die Ostsee direkt vor der Tür, doch müssen die Soldaten ihre Erstausbildung unter Aufsicht in der Halle absolvieren, bevor im Freiwasser trainiert werden darf.

Auch für die ortsansässigen Vereine hat die fehlende Halle Folgen: Der Wettkampfverein „Wasserfreunde Eckernförde“ ist seit Jahren auf die „Schwimmhalle Ellenberg“ in Kappeln ausgewichen. „Diese haben wir nun auch verloren. Uns bleibt jetzt nur noch das Wellenbad“, sagt Schwimmwart Achim Rossat. „Wir können weniger Ausbildung betreiben und müssen besonders bei Wettkämpfen selektieren. Die Leidtragenden sind die Kinder.“ Ob DLRG oder Eckernförder MTV: „So wie uns geht es auch allen anderen Vereinen.“ Die Wasserfreunde sind dankbar für die durch das Wellenbad bereitgestellten zwei Bahnen an zwei Tagen in der Woche. Sie haben laut Rossat das „Überleben“ des Vereines gesichert, wenn auch ohne den früheren Luxus: „Die Taucherübungshalle hatten wir für uns. Wir konnten Aufnahmen machen und auswerten und vor allem von der Öffentlichkeit ausgeschlossen für Wettkämpfe mit unseren Methoden trainieren.“ Derzeit seien etwa 150 Kinder auf der Warteliste. „Wir werden uns durchboxen und es auch weiter schaffen, aber die Politik muss sich bewegen. Wir brauchen eine nutzbare repräsentative Wettkampfhalle in der Stadt.“

Der DLRG Eckernförde fehlen ebenfalls die Schwimmhallenzeiten, erklärt der Vorsitzende Björn Fischer. Die Mitglieder trainieren derzeit auf zwei Bahnen im Wellenbad, können hier aber nur die Erstausbildung und die Abnahme der Schwimmabzeichen durchführen. Es werde dringend mehr Wasserfläche und regelmäßige Trainingzeiten benötigt. Fischer: „Wir können derzeit weniger Rettungsschwimmer ausbilden.“ Hinzu komme der hohe Zeit- und Kostenaufwand, in andere Hallen fahren zu müssen. „Die Nachfrage ist riesig, das Angebot leider gering. Die umliegenden Schwimmbäder sind ausgebucht.“

Das ist Politik und Verwaltung längst bekannt. Schon 2014 bemängelte das von Prof. Dr. Robin Kähler erstellte Gutachten zur „Sportentwicklungsplanung für die Stadt Eckernförde“ die zu geringen Kapazitäten der Schwimmhalle. Es wurde ein Schwimmbad für rein „sportliches“ Schwimmen am Schulzentrum vorgeschlagen. Doch die finanzielle Lage der Stadt lässt eine Umsetzung nicht zu.

Die Hoffnungen ruhen also auf dem Neubau oder der Sanierung der Taucherübungshalle. Der Bau ruht nun schon seit rund viereinhalb Jahren. Der „Notfallplan“, der nur für die Sanierungsdauer von ein bis zwei Jahren angewendet werden sollte, ist mittlerweile Normalität.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 05:25 Uhr

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