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Eckernförder Zeitung

25. November 2017 | 01:10 Uhr

Jakobs-Kreuzkraut : Das Kreuz mit dem Kraut

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stiftung Naturschutz hat einer giftigen Pflanze den Kampf angesagt / Vor der Blüte wird jetzt gemäht / AWR wird die Mahd kompostieren

von
erstellt am 23.Jun.2015 | 06:45 Uhr

Jetzt wird das Kraut einen Kopf kürzer gemacht. Mit ohrenbetäubendem Lärm frisst sich die Maschine auf einer Wiese bei Holzbunge durch das Grün. Zurück bleiben gemähtes Gras und zehn Zentimeter hohen Stengel des Jakobs-Kreuzkrauts. „Wichtig ist, dass vor der Blüte gemäht wird“, sagt Vera Breuer. Die Biologin von der Stiftung Naturschutz deutet auf eine Pflanze. Haben sich erst die gelben Blüten entfaltet, verbreitet sich der Samen des ungeliebten Krauts weiter, laben sich Bienen an dem giftigen Nektar. Beides soll künftig verhindert werden.

Mähen ja – aber auf schonende Weise für Kleinstlebewesen wie Insekten, sagten sich Ewald Hennig aus Neu Duvenstedt und Hans-Detlef Gosch. Ein konventioneller Mähdrescher kam daher nicht in Frage. Dieser hat einen sogenannten Aufbereiter: Er drischt das Material und würde den Samen so großzügig verteilen. Bei Dresden kauften die Landwirte einen „Fortschritt E 311“, so der Name einer ehemaligen DDR-Maschine aus dem Jahre 1978. Der Vorteil: Es wird nur gemäht, Gras und Kraut können abgefahren werden, und Tierchen wie der Grashüpfer werden geschont.

Im vergangenen Jahr waren die Landwirte mit der Wiese bei Holzbunge schon auf diese Weise verfahren. 54 Hektar ist das Gelände groß und wird extensiv bewirtschaftet. Das heißt, es wird nicht mehr drei bis vier Mal im Jahr gemäht, wie bei der intensiven Bewirtschaftung. Auf diese Weise kann das Kraut wachsen und Samen produzieren. „Es hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren stark vermehrt“, erklärt Vera Breuer. Der frühzeitige Schnitt soll dem jetzt entgegen steuern. Allerdings: Das Jakobs-Kreuzkraut gilt als „biologischer Sondermüll“. Wohin damit?

Jetzt kommt die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) ins Spiel. Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt wurde durch einen Imker auf das Problem aufmerksam. „Es ist Biomasse wie jede andere auch“, sagt er gelassen. Kostenfrei können die Pächter von Flächen der Stiftung Naturschutz ihre Mahd in der AWR-Kompostierungsanlage in Eckernförde abliefern. Voraussetzung: Das Kraut wurde vor der Blüte gemäht. Auf offenen Kompost-Mieten wird das Material mit anderer Biomasse aufgeschichtet, es entwickeln sich Temperaturen bis zu 70 Grad – und so wird alles zersetzt. Das gelte beispielsweise auch für den hartnäckigen und ungeliebten Giersch, erklärt der Abfall-Fachmann. Im heimischen Kompost gehört dieser nicht, weil der nicht die hohen Temperaturen entwickelt. Hohenschurz-Schmidt hofft, dass durch dieses Beispiel auch andere Abfallunternehmen die Scheu vor dem Schnittmaterial des Jakobs-Kreuzkrauts verlieren.

Währenddessen sitzt Ewald Hennig wieder auf der Mähmaschine. 54 Hektar gilt es zu bewältigen. Ein bis zwei Hektar schafft er pro Stunde.

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