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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 23:41 Uhr

Hilferuf : Das Kleingartenwesen trocknet aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Verein in Osdorf bietet acht Parzellen an / Obwohl erstes Jahr kostenfrei – keine Resonanz

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ziehen, ernten und genießen, dazu Ruhe und Entspannung in der freien Natur mit netten Nachbarn finden und das alles für unter 50 Euro im Jahr – das klingt doch eigentlich verlockend. Obwohl genau das im Kleingartenverein an der Dänischenhagener Straße zu haben ist, verwildern dort immer mehr Parzellen, weil sich keine Pächter finden. Wenn es nicht bald gelingt, wieder mehr junge Menschen fürs Gärtnern zu begeistern, dann wird es die Anlage in ihrer heutigen Form nicht mehr lange geben, fürchtet der Vorsitzende Max-Theodor Rethwisch.

Das 65-jährige Bestehen des Vereins wurde im Juni 2012 noch von 30 Mitgliedern gefeiert. Das traditionelle Sommerfest wurde in diesem Jahr mangels Beteiligung abgesagt. „Wir haben nur noch 28 Mitglieder“, klagt Rethwisch und denkt wehmütig an die 1980er Jahre zurück, als der Verein noch mehr als 50 Gartenfreunde zählte. „Dann ging es rapide bergab“, sagt der 60-Jährige. Die verbliebenen Mitglieder wurden immer älter, die Pflege der Schollen, um die sich im Gründungsjahr noch 300 Personen bewarben, fällt ihnen immer schwerer. Mancher gab seinen Garten auf – acht von 35 Parzellen sind derzeit ungenutzt. Damit sie nicht im Unkraut untergehen, hat Rethwisch die Reißleine gezogen, sie abgesteckt und Schafe geliehen, die den Bewuchs kurz halten. Der Blick auf einige Grünflächen lässt erahnen, dass dieser Schritt demnächst wohl auch hier ansteht. Kaum vorzustellen, dass die Anlage mehrfach vorderste Plätze beim Kreiswettbewerb holte – nur noch wenige der Gärten erinnern mit ihrer Mischung aus Blütenpracht und Gemüseanbau daran.

Um das 2,4 Hektar große Areal wieder zu beleben, wurden die Statuten gelockert. „Auch wer hier einfach nur relaxen will, ist willkommen“, sagt Rethwisch. Die jeweilige Parzelle könne mit Rasen ausgesät werden, der dann nur zu mähen sei – der geringst mögliche Aufwand für die Pächter. Auch führte der Vorstand das Angebot ein, die Schollen im ersten Jahr kostenfrei zur Verfügung zu stellen, erst danach sollten die 3 Cent pro Quadratmeter fällig werden. Doch nicht mal darauf seien die Leute angesprungen, berichtet Rethwisch mit einem Achselzucken. Er nimmt an, dass die Menschen zwar gern aus der Stadt heraus aufs Dorf zögen, ihren Lebensschwerpunkt mit Arbeit und Hobbies aber doch in Kiel behielten. Außerdem seien heute meist beide Elternteile berufstätig, und die Jugend interessiere sich für Traditionen wie den Kleingartenverein nicht mehr, bedauert Rethwisch, der drei Parzellen hält, auf denen er Gartenbau und Pferdehaltung betreibt. Wenn es bei dem „großen Desinteresse“ bleibe, werde es zum 70-jährigen Bestehen des Kleingartenvereins gerade noch zwei Hände voll Mitglieder geben, schätzt der Vorsitzende. Dann könnte das Gelände, das 1947 als Speisekammer des kleinen Mannes geschätzt wurde, in eine Parkanlage umgewandelt werden, verrät er, welches Szenario er sich schon überlegt hat, von dem er allerdings hofft, das es nie eintreten möge.

In anderen Kleingartenvereinen sehe es mit der Entwicklung ähnlich aus, weiß Rethwisch. Angela Jatow, Vorsitzende des 44 Parzellen zählenden Vereins in Gettorf, kann das bestätigen. Als sie vor rund zehn Jahren den Vorsitz übernahm, gab es mal ein bis zwei freie Gärten. „Zurzeit sind sechs zu vergeben, die zum Teil zwei bis drei Jahre nicht genutzt wurden“, sagt Jatow. Ab und an gebe es Interessenten für einen brach liegenden Garten, der dann wieder zum Schmuckstück gemacht werde. Aber das sei eher die Ausnahme. Jatow: „Die Kleingartennutzung geht zurück, weil immer mehr Leute ihr eigenes Haus mit Garten haben. Und damit haben sie genug zu tun.“

> Wer sich für eine der freien Parzellen, die zwischen 250 und 800 Quadratmeter groß sind und über fließend Wasser verfügen, interessiert, wendet sich an den Vorsitzenden des Kleingartenvereins, Tel. 04346/1855. Auch Bürger aus anderen Gemeinden können das Angebot nutzen.

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