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Katastrophenhilfe : „Das Kinderheim ist ein Dauerprojekt“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Elf Jahre nach der Tsunami-Katastrophe wird nach wie vor Geld für den Wiederaufbau benötigt. Kinderheimgebäude von Grund auf saniert.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 00:03 Uhr

Altenholz | Es wird gehämmert und geschliffen, gespachtelt und gemalt. In einem Kinderheim, sechs Kilometer östlich des Touristenortes Hikkaduwa, wird eines der Gebäude komplett saniert. An einigen Wänden leuchtet bereits die neue freundliche orange Farbe. Irgendetwas ist in dem Heim, in dem derzeit 110 Jungen und Mädchen in mehreren Häusern untergebracht sind, immer zu tun. „In Sri Lanka herrscht zwölf Monate im Jahr Waschküchenklima. Bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit geht vieles schnell kaputt“, erklärt Erich Funck. Seit elf Jahren engagiert sich seine Frau Angila Gallage für Tsunami-Opfer in ihrer Heimat Sri Lanka (wir berichteten). Die schlimmste Tsunami-Welle der Menschheitsgeschichte kostete am 26. Dezember 2004 in Südostasien mehr als 230  000 Menschen das Leben. Weitere 1,7 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. Angila Gallage, die seit mehr als 35 Jahren in Deutschland lebt und die Katastrophe am Fernseher verfolgte, rief sofort, gemeinsam mit ihrer Schwester, ihrem Mann Erich Funck und ihrer Tochter Svenja, zahlreiche Spendenaktionen für die notleidenden Menschen in Hikkaduwa ins Leben.

Auch heute, wo der Tourismus wieder boomt, wird an vielen Stellen noch immer dringend Hilfe benötigt. Denn der Tsunami zerstörte nicht nur Existenzen und Häuser, auch das soziale Netz war aus den Fugen geraten. Ohne ihre Familien waren vor allem die älteren und hilfsbedürftigen Menschen auf sich allein gestellt. Mit den, über die zehn Jahre gesammelten Spendengeldern, unterstützte Angila Gallage den Wiederaufbau und die Reparatur von Häusern, sie richteten Toilettenanlagen und Tanks mit Trinkwasser ein und halfen einem Fischer, der seine Existenzgrundlage verloren hatte, durch den Bau eines Ladens. Besondere Schwerpunkte legten sie auf die Unterstützung eines Altenheims, in dem aktuell 18 Männer gemeinsam in einem großen Raum schlafen. Neben der Sanierung sorgten Angila Gallage und ihre Familie für die Installation einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung.

Ein weiteres großes Projekt ist das Kinderheim. Hier wird inzwischen das vierte Gebäude instandgesetzt. Das Dach musste erneuert werden, die Fenster und Türen waren durch die hohe Luftfeuchtigkeit angegriffen, die Fassaden bröckelten. Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits im August starten. Aber durch den starken Monsunregen – die Regenzeit dauert von Mitte April bis Ende Oktober an – hat sich der Beginn der Bauarbeiten bis in den Oktober verzögert. „Wir sanieren nach und nach und hoffen, irgendwann fertig zu werden“, erklärt Erich Funck. In dem Haus, das derzeit dran ist, schlafen die Kinder. Andere Häuser dienen dem Unterricht oder als Essraum. Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen leben hier zusammen, alle sind sie Halbwaisen oder Waisen. „Es ist eine kunterbunte Mischung zwischen fünf und 18 Jahren“, berichtet Angila Gallage. Sie gehen zur Schule und lernen in dem Heim Handarbeiten. Wenn sie 18 Jahre alt sind, müssen sie sich eine Arbeit zu suchen. Bis sie etwas gefunden haben, dürfen sie bleiben.

Einmal im Jahr fahren sie und ihr Mann nach Sri Lanka und besuchen außer ihrer Familie auch die beiden Heime. Im Kinderheim verteilen sie ihr Mitbringsel und ernten leuchtende Augen. „Die Augen der Kinder, wie die einen anstrahlen – allein dafür lohnt sich schon alles“, weiß Erich Funck. Eigentlich wollten die Altenholzer gern auch für neue Bettwäsche und Bekleidung sorgen, aber diesmal ist das Geld komplett in die Sanierung geflossen. Richtig gut sieht das Heim inzwischen aus. „Da sind wir auch stolz drauf. Die Lebensqualität der Kinder steigt erheblich durch das, was wir hier tun“, so Erich Funck.

„Das Kinderheim ist ein Dauerprojekt“, ergänzt er. Aber auch das Altersheim wird regelmäßig saniert und die Bewohner mit Bettwäsche, Kleidung und Medikamenten versorgt. Nun wollen Angila Gallage und ihre Familie einer Nähwerkstatt auf die Beine helfen. Auch hier muss am Haus gearbeitet werden, aber es fehlt auch an Nähmaschinen und Material. Wenn das erledigt ist, soll sich die Werkstatt aber nach Möglichkeit selbst tragen. Etwa 20 Näherinnen würden dort einen Arbeitsplatz finden.

Es gibt noch viel zu tun, auch wenn die Katastrophe bereits elf Jahre zurück liegt. Angila Gallage wurde 2014 für den Deutschen Engagementpreis und 2015 als „Mensch des Jahres“ von der Eckernförder Zeitung nominiert. Wer sie unterstützen will, spendet auf das Konto bei der Gemeinde Altenholz: ,,Spenden für Flutopfer“, Kennwort: Hikkaduwa. IBAN: DE50 2105 0170 0002 1226 87.

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