Das jähe Ende eines alten Ahorn-Freundes

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15. November 2013, 00:33 Uhr

Über Eckernförde fegte der gewaltige Sturm „Christian“ und entwurzelte Bäume, hob Ziegel und Dächer ab. Dann am 28. Oktober um 14.20 Uhr ein unheimliches Knirschen, Knacken, ein lauter Schlag. Meine Mittagspause von 14 bis 15 Uhr wurde jäh unterbrochen, als unsere liebe Conny aufgeschreckt ins Schlafzimmer stürmt‘, auf mein Bett sprang und mich eindringlich aufforderte aufzustehen. Aufgeregt schaute sie auf mich und das Fenster, immer wieder. Schnell sprang ich auf und sah entsetzt die Katastrophe; einer der drei Stämme unseres großen, alten Ahorns – meines lieben Freundes mit seiner mächtigen Krone – war in drei Meter Höhe abgespalten und auf den öffentlichen Weg und die gegenüber liegende Eiche gefallen. Conny saß wieder auf ihrem „Hochsitz“, der Lehne unseres Sofas, und beobachtete neugierig die fliegenden Blätter. Äste und den peitschenden Regen.

Als der Sturm ein wenig abgeflaut war. ging ich hinaus. Das Baumgesicht war noch da, jedoch fehlte ein Auge. Ein Durchkommen vom Parkplatz zu den Häusern Feldstedt 7-13 und 30 war nicht möglich. Feuerwehr, Polizei und THW waren telefonisch nicht zu erreichen. In Eigeninitiative einiger Eigentümer und der Hilfe eines jungen Nachbarn wurde mit einer Kettensäge und Muskelkraft in gut zwei Stunden der Weg vom Stamm und den Ästen befreit. Danach konnte ich den Rest zusammenfegen und in einem großen Sack verstauen. Der Weg zu den anderen Häusern, zum Blumenviertel und zur Straße auf der Höhe war wieder begehbar. Zwei weitere Bäume in unserem „Wäldchen“ waren vom Sturm ebenfalls geknickt.

Der Ahorn war nicht mehr zu retten. Am Dienstag kamen unsere Gärtner mit einem Hubwagen, um den Baum zum Fällen vorzubereiten. Am Mittwoch wurde der Baum von der verbliebenen Krone her sicher Stück für Stück zersägt. Jetzt sind nur noch die mächtige Baumwurzel und der Stamm mit einer Länge von 80 Zentimeter zu sehen. Traurig schaue ich aus dem Fenster, mein Freund, er fühlt mir sehr, aber glücklicherweise hat er niemanden verletzt, als er fiel.

Eine Nachbarin hat mir bereits eine Felsenbirne, die sie selbst groß gezogen hat, überlassen. Für den Ahorn werden wir einen würdigen Nachfolger pflanzen.

Dann ist das Leben wieder schön.


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