Heute, Sonnabend, 14. Juli, Vernissage : „Das ist wie Tandemfahren“

Der Künstler und sein Drucker: René J Goffin (l.) aus Kiel sowie Galerist, Künstler und Kupferdrucker Norbert Weber bilden ein Tandem-Team. Heute laden sie um 17 Uhr zur Vernissage ihrer gemeinsamen Arbeit, Monotypien, ein.
1 von 3
Der Künstler und sein Drucker: René J Goffin (l.) aus Kiel sowie Galerist, Künstler und Kupferdrucker Norbert Weber bilden ein Tandem-Team. Heute laden sie um 17 Uhr zur Vernissage ihrer gemeinsamen Arbeit, Monotypien, ein.

Die Galerie Nemo am Jungfernstieg zeigt jüngste Monotypien aus der Zusammenarbeit von René J Goffin und Norbert Weber. Die Vernissage beginnt heute um 17 Uhr.

shz.de von
14. Juli 2018, 06:24 Uhr

Im Zeitalter der technischen Reproduktion stellen Monotypien etwas ganz Unverwechselbares dar – für die auf Büttenpapier „gedruckte Malerei“ gibt es nur einen einzigen Abzug. „Jedes Werk ist ein Unikat“, erklärt der Künstler René J Goffin aus Kiel. Ein Künstler, der Monotypien anfertigen möchte, ist auf die gute Zusammenarbeit mit einem Kunstdrucker angewiesen. Genau das trifft auf das Zusammenspiel von Kupferdrucker und Galerist Norbert Weber und René J Goffin zu. „Als Monotypiedrucker arbeite ich ohne Auftrag. Ich lade Künstler ein, deren Arbeit mich interessiert“, sagt Norbert Weber. Zweifelsohne ist das bei Goffin der Fall, denn bereits 2008 hat es erste gemeinsame Arbeiten gegeben.

Heute um 17 Uhr laden Goffin und Weber zur Vernissage ihrer jüngsten gemeinsamen Schaffensperiode in die Galerie Nemo ein. Zu sehen sind über 20 Werke aus drei Wochen intensiver Zusammenarbeit. „Idealerweise muss ein Monotypiedrucker ein engagierter Kollaborateur sein“, erklärt Weber. „Das ist wie Tandemfahren“, beschreibt er das gemeinsame Wirken, „am Lenker ist der Künstler, der von einem Mitfahrer unterstützt wird, der nach Kräften in die Pedale tritt.“

„Monotypien sind völlig losgelöst von Figürlichkeit und Abbildlichkeit“, sagt René J Goffin. Die Kunst beginnt bereits beim Auftragen der Tiefdruckfarbe (Ölfarbe, der kalt geschlagenes Leinöl zugegeben wird) auf die glatte Oberfläche der PVC-Platte – bereits da entsteht so etwas wie Bildlichkeit. Für das Druckergebnis sind Konsistenz und Viskosität der Farbe entscheidende Momente. Klebt die Farbe oder verläuft sie? „Für mich als Maler ist die Arbeit an Monotypien sehr spannend“, so Goffin. Nach dem Motto „expect the unexpected“ müsse man als Künstler in dem Moment ergebnisoffen sein. Es gebe zwar ästhetische Übereinstimmungen zwischen den einzelnen Werken, aber die entwickelten sich aus dem Schaffensprozess während eines Arbeitszyklus’. Der Künstler stellt dem Betrachter frei, Lichtreflexe oder Schattenlinien zu sehen und in ihnen atmosphärische Stimmungen zu erkennen – seine Absicht ist es nicht. Dazu passt, dass die Werke zwar Nummern, aber keine Titel haben.

Um erfolgreich gemeinsam arbeiten zu können, ist eine Übereinstimmung zwischen Künstler und Drucker in der künstlerischen Auffassung unbedingt vonnöten. „Es liegt im Wesen der Monotypie, dass die Ergebnisse risikoreich sind. Da ist Ehrlichkeit auf beiden Seiten angebracht“, sagt Norbert Weber.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen