Widerstand : „Das ist kein Grund zum Feiern“

Proteste: Torsten Levsen (l.) sah sich in seiner Begrüßung gestern rund 30 Mitgliedern der Windwahn-Bürgerinitiative gegenüber.
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Proteste: Torsten Levsen (l.) sah sich in seiner Begrüßung gestern rund 30 Mitgliedern der Windwahn-Bürgerinitiative gegenüber.

Offizielle Einweihung des Windparks Holtsee-Altenhof / Gelber Protest der Bürgerinitiative

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04. Juli 2015, 06:51 Uhr

Torsten Levsen, Geschäftsführer der Denker&Wulf AG, hatte gerade das Mikrofon in die Hand genommen, um die Gäste anlässlich der Einweihung des Windparks Holtsee-Altenhof zu begrüßen, da zogen sich auch schon rund 20 Windkraft-Gegner das gelbe Protest-Shirt mit der Aufschrift „Stoppt den Windwahn“ über. Insgesamt waren es gestern knapp 40 Menschen, die auf der Feier mit Hüpfburg, Bratwurst und Eis die Freude des Sehestedter Windparkentwicklers über die Fertigstellung des Projektes nicht teilen wollten. Aus ganz Schleswig-Holstein waren sie angereist – aus Holzdorf, Rieseby, Schmalensee und Kiel-Meimersdorf. Und natürlich waren Holtseer dabei. Schon auf der Fahrt zum Gelände standen Trecker mit Protestplakaten, wie „Nachtabschaltung jetzt“ oder „Stoppt den Windwahn“ und an Hauswänden des Holtseer Ortsteils hingen Schilder mit „Schlaflos in Harfe“.

Torsten Levsen ließ sich von den Protestlern und auch den Zwischenrufen des Riesebyer Frank Dreves nicht aus der Ruhe bringen. Levsen erinnerte an das Genehmigungsverfahren, die Unterstützung durch die beteiligten Gemeinden und das Amt bei der Realisierung des Windparks mit seinen zehn 150 bis 180 Meter hohen Anlagen. „Wir wissen von dem Einfluss der Windkraft auf die Anwohner“, sagte Levsen, die Energiewende gehe eben nicht spurlos an einem vorbei. Das Unternehmen werde aber dafür kämpfen, dass der Hersteller der Anlagen möglichst leise Windräder baue. „Der Windpark Holtsee-Altenhof kann beispielhaft für eine Wertschöpfung vor Ort angeführt werden, von der die Gemeinden, Bürger und Firmen in gleicher Weise profitieren“, betonte Levsen. Der Denker & Wulf AG mit heute rund 90 Mitarbeitern sei damit ein großer Unternehmenserfolg vor der eigenen Haustür geglückt, der einen wichtigen Beitrag dazu leistet, die Arbeitsplätze in Sehestedt langfristig zu sichern.

Ramon Hiemcke vertrat Holtsees Bürgermeister Jens-Peter Frank. Er sei froh, dass man mit Denker & Wulf kein anonymes Unternehmen als Partner habe, sondern jemanden aus der Region. Auch er rechne mit einer Wertschöpfung für das Dorf. „Wir sind auf einem guten Weg zur Stärkung der regenerativen Energien“, so Hiemcke.

Für Altenhofs ehemaligen Gemeindechef Hilmar Marohn seien die Beeinträchtigungen erträglich. Er hoffe aber, dass sobald sich technische Möglichkeiten auftäten, die Anlagen leiser zu konzipieren, diese auch genutzt werden würden.

Auf den Faktor Ökonomie setzte auch Amtsdirektor Andreas Betz. Rund 225  000 Euro würden an Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr durch den Windpark der kommunalen Familie zugute kommen. Allein der Schulverband würde mit rund 17  000 Euro, die Gemeinde Holtsee mit 38  000 Euro profitieren. Er wünschte Denker & Wulf „viel Wind und viel Watt.“

Das tröstet die Anlieger des Windparks nicht. „Es ist schweinelaut“, sagte Dr. Susanne Kirchhoff gegenüber unserer Zeirung über ihre Situation. Das Bild ihrer Tochter ziert einige Protestplakate, auf denen steht „schlaflos“. „Sie kann viele Nächte nicht schlafen“. So laut seien die Anlagen auch nachts. Die Feier sei ein Affront gegen die Anwohner. Sie hoffe jetzt auf ein Gespräch mit der Gemeinde, das für den 30. Juli angesetzt sein soll. Bislang vermisse man die Unterstützung durch die gewählten Vertreter.

Auch Birgit Sass sieht keinen Grund zum Feiern, im Gegenteil: „Der Windpark gefährdet unsere gesundheitliche und wirtschaftliche Existenz“. Die Lärmemissionen machten dem Körper zu schaffen und die Immobilie habe durch den Bau der Mühlen immens an Wert verloren.

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