zur Navigation springen

Gute Idee : „Das ist doch noch gut, das kann man noch verwerten“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die gebürtige Eckernförderin Silke Kühl produziert Trockenobst aus Überschüssen von Betrieben. Sie hat damit den dritten Platz beim Nachhaltigkeitspreis des Landes belegt.

Eckernförde | Die Deutschen werfen jedes Jahr mehrere Tonnen Lebensmittel weg – im Jahr 2012 waren es nach einer Studie der Universität Stuttgart 6,7 Millionen Tonnen, fast die Hälfte davon bestand aus Obst und Gemüse – und zwar nicht, weil es verdorben, sondern mit der Zeit unansehnlich geworden ist.

Silke Kühl aus Schwartbuck bei Lütjenburg macht da nicht mit. Im Gegenteil: Die gebürtige Eckernförderin (54) wirkt mit ihrem Unternehmen „hunkelstide“ der Verschwendung entgegen und hat dafür jetzt den dritten Platz beim schleswig-holsteinischen Nachhaltigkeitspreis belegt. „Ich habe gesehen, wieviel Bekannte, die mit ihrem Obst- und Gemüsehandel auf Wochenmärkten standen, täglich wegwerfen mussten, weil der Kunde immer knackiges Obst haben möchte und auch kurz vor Schluss noch aus der gesamten Angebotspalette auswählen möchte.“ Dabei habe sie gedacht: „Das ist doch noch gut, das kann man noch verwerten.“ Als sich ihr Gaumen dann noch in exotische Trockenfrüchte verliebte, wuchs in ihr der Gedanke: „Kann man das nicht auch mit heimischem Obst machen?“ Sie probierte es aus und gründete 2010 hunkelstide.

„Als Gehunkel werden Obstreste und Fallobst im Plattdeutschen bezeichnet“, erklärt sie, „und die Tide, den Wechsel der Gezeiten, kennt jeder“. Sie verarbeitet Überschüsse von ökologischen Anbietern, Obsthöfen und -händlern und machen Dörrfrüchte daraus. Dazu kommen die Früchte als Ringe oder Scheiben in einen Ofen, der sie schonend bei unter 40 Grad Celsius 24 Stunden lang trocknet. Eine bis eineinhalb Tonnen werden so pro Monat verarbeitet – und zwar immer das Obst der Saison, wodurch sich das Sortiment ständig verändert: Von Juni bis August zum Beispiel ist Erdbeerzeit, danach beginnt die Apfelsaison. Hinzu kommen getrocknete Birnen und Pflaumen, Bananenmöpse (nach Rollmopsart aufgerollte Streifen aus Fruchtpüree) und -filets, aber auch Quittenbrot, Zucchini-Pesto mit Nüssen, Rosensirup, Apfeltee sowie – je nach Jahreszeit – Holunderblüten-Sirup oder Rhabarber-Chutney.

Der wirtschaftliche Erfolg hat sich mittlerweile eingestellt und hat auch einen ökologischen Aspekt: Seit es hunkelstide gibt, hat zum Beispiel die Bioland-Hofgemeinschaft Dannau 20 bis 30 Prozent weniger unverkäufliche Überschüsse und kann das in seine Preise einkalkulieren. Immer mehr gewerbliche und private Kunden kommen mit ihren Überschüssen zu hunkelstide, denn sie erkennen inzwischen den Wert dieser vermeintlich minderwertigen Lebensmittel.

Silke Kühl verkauft ihre Ware auch in Eckernförde. Sie kümmert sich noch mit ihrem Bruder Holger um das in Eckernförde ansässige Familienunternehmen, die Carl W. Kühl KG, und ist deshalb nahezu wöchentlich im Ostseebad. Der Spieker am Innenhafen führt ihre Erzeugnisse und auch der Markant-Markt in Borby.

Mit ihrem dritten Platz beim Nachhaltigkeitswettbewerb waren 1500 Euro verbunden. Insgesamt sind 43 Bewerbungen eingegangen. Ausgezeichnet wurden innovative Ideen, Konzepte und Projekte, die die Faktoren „Soziale Gerechtigkeit“, „Wirtschaftlichkeit“ und „Umweltverträglichkeit“ beispielgebend und erfolgreich miteinander verbinden. Den ersten Preis und damit 5000 Euro erhielt das Bella Donna Haus in Bad Oldesloe, wo gezielte unternehmerische und organisatorische Hilfe für Frauen jedweder Herkunft geleistet wird.

>www.hunkelstide.de

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Apr.2015 | 06:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen