„Das hätte so nicht stattfinden dürfen“

Abgeholzt: Entlang des Grabens im geschützten Bruchwald wurde eine gut fünf Meter breite „Räumtrasse“ freigeschlagen.
Abgeholzt: Entlang des Grabens im geschützten Bruchwald wurde eine gut fünf Meter breite „Räumtrasse“ freigeschlagen.

Bürgermeister räumt im Hauptausschuss „fehlerhaftes Verhalten“ ein / Umweltbehörde sieht Gesetzesverstoß

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24. Februar 2018, 06:24 Uhr

Die Komplettrodung des Auwaldes und des Feuchtgebüschs im Biotop am Martin-Krebs-Weg (siehe EZ vom 22. Februar) hat ein Nachspiel. Am Donnerstag begutachtete eine Abordnung der von Anwohnerin Barbara Davy eingeschalteten Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde (UNB) die kahlgeschlagene Bruchwaldfläche und hat in einer ersten Stellungnahme festgestellt: „Der Gehölzbestand wurde auf rund fünf Meter Breite, parallel zu zwei verlandeten Gräben, mit einem Raupenbagger auf den Stock gesetzt und das anfallende Buschwerk im Bruchwald abgelagert. Veranlasst und durchgeführt wurde die Maßnahme durch das Tiefbauamt der Stadt Eckernförde. Das Tiefbauamt macht geltend, dass es sich um ein Verbandsgewässer handelt und ein tiefergelegener Wanderweg sowie ein kleiner Bolzplatz feuchtgefallen wären.

1. Das beseitigte Gehölz ist ein Bruchwald, gesetzlich geschütztes Biotop nach Paragraph 30 Bundesnaturschutzgesetz.

2. Für die Unterhaltung von Verbandsgewässern ist ausschließlich der Wasser- und Bodenverband (WBV) zuständig.

3. Der WBV sieht keine Veranlassung, das Gewässer zu räumen, es funktioniert (fließt).

4. Der Wanderweg wäre mit ein paar Kubikmetern Kies höhergelegt und damit trocken, Standort ist schlicht ungeeignet.

5. Die Beseitigung stellt einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz dar und wird entsprechend geahndet.“

Auch im Hauptausschuss der Stadt Eckernförde spielte der Vorfall eine Rolle. Bürgermeister Jörg Sibbel ging am Donnerstagabend in seinem Verwaltungsbericht darauf ein und sprach von einem „fehlerhaften Vorgehen der Stadtverwaltung“. Handlungsansatz sei gewesen, die seitlichen, stark verlandeten Entwässerungsgräben entlang des Weges zur Borbyer Hufe und des Spielplatzes zu räumen. „Die Stadtgärtnerei hatte keine Bedenken“, sagte Sibbel, der zuständige Experte im Rathaus, Michael Packschies, sei allerdings nicht zu Rate gezogen oder informiert worden. Die Arbeiten seien dann vom Tiefbauamt an eine externe Firma vergeben worden, die Arbeiten hätten Dienstagvormittag begonnen und seien erst nach der Intervention von Anwohnerin Barbara Davy umgehend gestoppt worden, sagte der Bürgermeister, der das aufmerksame Verhalten der Anwohnerin lobte. „Das hätte so nicht stattfinden dürfen“, sagte Sibbel, da es sich um einen geschützten Bruchwald handle. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises hätte nach der Begutachtung von einem „erheblichen, aber nicht nachhaltigen Eingriff“ gesprochen, weil die Bäume und Büsche wieder nachwachsen würden. Jetzt müsse noch das Schnittholz aus dem Gelände geholt werden.

Rainer Beuthel (Die Linke) äußerte sein Unveständnis über den Vorgang. „Was haben denn Entwässerungsmaßnahmen mit Bäumefällen zu tun? Das erschließt sich mir überhaupt nicht“, sagte er. Sibbel gab wieder, was ihm der zuständige Mitarbeiter gesagt hat: „Um an die Gräben heranzukommen, sollte eine Räumtrasse angelegt werden.“

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