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Sturm in Eckernförde : Das große Wundenlecken am Tag danach

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach dem Orkan „Christian“ heißt es aufräumen. In der ganzen Stadt waren zahlreiche Helfer unterwegs. Die Feuerwehr, THW und Co. ziehen erste Bilanz.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 05:24 Uhr

Dieser Baum schlug im wahrsten Sinne ein wie eine Bombe: Achim Kunze saß am Montagnachmittag im Wohnzimmer, als es plötzlich einen gewaltigen Knall gab. „Das ganze Haus bebte“, sagt er. „Es hörte sich an wie ein Bombeneinschlag.“ Sofort schoss der 69-Jährige hoch, blickte aus dem Fenster in den Garten, doch es war nichts zu sehen. Erst als er aus der Haustür trat, sah er, dass die 90 Jahre alte doppelstämmige Birke vor seinem Haus vom Sturm entwurzelt worden war. Sie zerschmetterte die Garage und schlug ein großes Loch in den Dachstuhl. In diesem Moment blieb Achim Kunze ganz ruhig. „Die Anspannung kam erst am Tag danach“, sagte er.

Ärgerlich für ihn: Schon vor Jahren hatte er einen Antrag bei der Stadt gestellt, den Baum aus Sicherheitsgründen fällen zu dürfen. Weil die Birke aber gesund war, wurde dies abgelehnt. „Dieser Sturm war ein außergewöhnliches Ereignis“, sagt Michael Packschies, Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt. „Viele gute und gesunde Bäume sind von den Orkanböen beschädigt worden, weil sie noch im vollen Laub standen und dem Wind eine größere Angriffsfläche boten.“

Achim Kunze hatte Glück. Zum einen, weil ihm nichts geschah, zum anderen weil gleich am nächsten Tag die Dachdecker kamen und sich um das Loch im Giebel kümmerten. Sie hatten so viel zu tun wie selten. Allein telefonisch zu einem Dachdeckerbetrieb durchzudringen, grenzte schon an ein Wunder. Auch die Versicherungen verzeichneten „ohne Ende“ Anfragen von Geschädigten, wie Uwe Wintjen von der Allianz auf Anfrage der Eckernförder Zeitung sagte.

Seit Montag, 14 Uhr, zählte die Feuerwehr 90 Einsätze, von denen einige das Technische Hilfswerk und die Stadtgärtnerei übernahmen. Insgesamt 18 Stunden waren die Kameraden Montag und Dienstag auf den Beinen. „So viele umgestürzte Bäume in so kurzer Zeit habe ich noch nie gesehen“, sagt Wehrführer Meint Behrmann. Und auch die Polizei zählte in der Stadt rund 20 Einsätze allein am Montag. In der Imland-Klinik war „sehr viel mehr Action als üblich“. Kopfverletzungen durch herabfallende Äste und Brüche durch Stürze waren die häufigsten Verletzungen.

Das Ordnungsamt hat den Noorwanderweg sowie die Grünanlagen Osterrade, Gosseewiesen und Sandkruggelände gesperrt. Zu viele abgebrochene Äste hängen noch in den Baumkronen, weshalb die Stadtgärtnerei mit einem Hubsteiger die Bäume überprüfen muss. „Wir wollen versuchen, die Arbeiten bis nächste Woche zu schaffen“, so Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke. Er weist darauf hin, dass Eltern ihre Kinder nicht auf Spielplätze mit Baumbestand lassen sollten, bis die Stadtverwaltung Entwarnung gibt.

Derweil sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange: Die Stadtgärtnerei kämpfte gestern im gesamten Stadtgebiet mit umgestürzten Bäumen. In der St.-Nicolai-Kirche waren Dachdecker seit den frühen Morgenstunden beschäftigt: Sieben Löcher klafften in ihrem Dach. „Mindestens zehn Quadratmeter wurden auf der Nordseite abgedeckt“, bilanzierte Küster Fritjof Behrens. Dazu kamen etliche lose Ziegel. Zwei aufgerissene Stellen am First können erst in den nächsten Tagen repariert werden. „Der Schaden ist in fast 30 Meter Höhe. Dafür braucht es einen Hubsteiger.“ Die Turmspitze der Nicolai-Kirche sei zudem unterhalb des Wetterhahns um einen halben Meter nach Osten gebogen. „Hier muss geprüft werden, ob die Stabilität noch gegeben ist“, so Behrens.

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