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15 Monate Auszeit : Das große Abenteuer hat begonnen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jule und Jan Lürkens sind gestern in Eckernförde zur großen Atlantiktour aufgebrochen. Die 15-monatige Reise führt die jungen Eckernförder auch in die Karibik .

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erstellt am 18.Mai.2016 | 06:29 Uhr

Eckernförde | Andere träumen vielleicht davon, finden dann aber meist genügend Gründe, es doch nicht zu machen. Auch Jule und Jan Lürkens mögen irgendwann vielleicht einmal leise Zweifel gekommen sein, aber die Steuerberaterin (29) und der Schiffsbauingenieur (27) aus Eckernförde leben ihren Traum. Beruflich haben sie sich eine Auszeit genommen, gestern machten sie im Yachthafen des Segelclubs Eckernförde die Leinen los, um von Eckernförde aus über die Nordseeküste, die Biscaya zu den Kanaren, den Kap Verden, von dort in die Karibik, zu den Bermudas und über die Azoren auf der Nordatlantikroute zurück über Großbritannien und Dänemark nach Eckernförde zu segeln. Wenn sie wiederkommen, dürfte die nächste Bundestagswahl bereits Geschichte sein – ihre Auszeit auf See und in teilweise exotischen Gefilden wird 15 Monate dauern, irgendwann im September 2017 werden sie mit ihrer „Sturmschwalbe 53“ wieder in ihren Heimathafen einlaufen. Das 9,45 Meter lange Stahlschiff des Typs Wibo 945 hat zwar schon fast 40 Jahre auf dem Buckel, ist aber nach der Entkernung, dem Neuaufbau des gesamten Innenlebens sowie dem Einbau einer neuen Ruderanlage und neuer Elektronik absolut hochseetauglich und für das Abenteuer bestens gerüstet.

Jule und Jan Lürkens haben lange auf den gestrigen Tag hingearbeitet, sich akribisch vorbereitet und knapp 20  000 Euro angespart. Beruflich hat das junge Paar mit seinen Arbeitgebern alles geregelt: Steuerberaterin Jule hat Fachliteratur dabei und hat sich Apps zum Selbststudium heruntergeladen („Das Wissen verändert sich ständig“), Schiffsbauingenieur Jan hat seine Kenntnisse bei der Grundsanierung der Yacht eingebracht und wird sich nach seiner Rückkehr um einen neuen Vertrag kümmern, bei Nobiskrug oder anderswo. Ihre Wohnung haben die Lürkens zu Ende April gekündigt und leben seitdem auf ihrer „Sturmschwalbe“. „Wir haben uns durchimpfen lassen und haben Ersatzteile, Werkzeuge, Farbe, Medikamente, Lebensmittel, Bücher und Filme an Bord“, sagt Jan Lürkens. Bananen, Paprika und Zucchini lagern im Netz über der Bank mit den selbstgenähten, neuen Polstern und auch alle Vorratsschränke sind gut gefüllt, doch in jedem Hafen wird wieder neu gebunkert, so dass bei der Bevorratung kein Stress aufkommt.

Überhaupt wirken Jule und Jan Lürkens äußerst gelassen und ruhig, was nur eines bedeuten kann: Sie sind mit Wind und Wellen dermaßen vertraut, dass ihnen selbst die Aussicht auf meterhohe Wellen auf dem Atlantik und wochenlange Törns keine Segler-Albträume bescheren kann. „Auf dem Atlantik sind die Wellen lang und nicht so kurz wie in der Ostsee“, sagt Jan Lürkens, „zwei Meter hohe Wellen in der Ostsee sind 25 Meter lang, fünf Meter hohe Wellen im Atlantik 200 Meter“ – und das macht den Unterschied, damit können er, seine Frau und das alte holländische Stahlschiff gut umgehen. Die „Sturmschwalbe 53“ ist mit allem gut ausgerüstet. Es gibt Satellitentelefon, einen Weltempfänger, große Lenzrohre, stabile Scheiben zum Abdichten der Kajüte, eine Selbststeueranlage und einen Windgenerator, der Strom erzeugt. „Wir sind autark“, sagt der Skipper. Eine Angel gehört ebenfalls zur Grundausstattung wie ein schwankungsfrei installierter, zweiflammiger Petroleumkocher. Die Reisezeiten und Törns wurde auf die jeweils herrschenden Strömungen, Stürme und optimalen Jahreszeiten in den jeweiligen Gewässern abgestimmt – mehr Vorbereitung geht nicht. Und wenn der Sturm auf der dreieinhalbwöchigen Atlantik-Passage von den Cap Verden in die Karibik tatsächlich einmal mit Urgewalt losbrechen sollte – zumindest die Hurricane-Saison ist nach den Berechnungen und Recherchen des Seglerpaares vorbei – muss an Bord eben härter gearbeitet und die Segelfläche verkleinert werden, sagt Jan Lürkens. Mit der entsprechenden Erfahrung und den Vorkehrungen, wie nachts nie allein die Segel zu wechseln und immer eine Hand an der Takelage zu haben, soll das Schlimmste verhindert werden: Mann über Bord. Das werden die beiden jungen Eckernförder, die seit acht Jahren ein Paar sind, zu verhindern wissen.

Eckernförde, Holtenau, Nord-Ostsee-Kanal, dann über Helgoland in die Niederland, nach Belgien, Frankreich und Portugal nach Madeira - so sieht der Reiseplan für die nächsten Wochen aus. Auf der portugiesische Insel ist dann im September ein Familientreffen geplant, bevor es weiter über die Kanaren zu den Cap Verden geht, dort steht im Dezember die Atlantik-Passage – der längste Seeabschnitt über dreieinhalb Wochen – in die Karibik an. Und dort wollen Jule und Jan Lürkens dann so richtig die Seele baumeln lassen: Für ihren Karibik-Traum nehmen sie sich fünf Monate Zeit.

Viel gemeinsame Zeit haben, vieles entdecken in den Ländern und auf den Inseln, fünf Monate Karibik und natürlich die Herausforderung, in bislang weitgehend unbekannten Gewässern zu segeln – das sind die Dinge, auf die Jule und Jan Lürkens sich am meisten freuen. Viele gute Tipps für ihre Atlantikrunde dürften sie von Ulli und Alice Zenneck erhalten haben, die diese anspruchsvolle wie schöne und außergewöhnliche Reise in ähnlicher Form auf ihrer „Beagle“ bereits hinter sich haben.

Wie dem auch sei: Jule und Jan Lürkens gehen mit einer großen Portion Freude und Gelassenheit an den bisherigen Törn ihres Lebens heran. Sie wollen die gemeinsame Zeit auf See und an Land genießen und sind offen für alles Neue. Wie sagte Jule kurz vor dem Ablegen so schön: „Erst schauen wir mal, dann sehen wir schon.“ Gute Reise.

>Wer möchte, kann die Reise im Blog verfolgen: www.sturmschwalbe53.wordpress.com

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