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Das Geld hängt am Bändsel oder die Crux mit dem Pfand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Begegnungen und Beobachtungen an einem Pfandflaschenautomaten

von
erstellt am 26.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Bei uns wird viel getrunken. Der Abwechslung wegen immer querbeet. Alles, was an alkoholfreien Getränken und Säften angeboten wird, ausprobiert. Doch da alle diese Flüssigkeiten zu viel Zucker enthalten, immer verdünnt mit Selter, Medium.

Das eigentliche Problem dabei sind die entleerten Plastikflaschen. Die muss man wieder zurückbringen. Früher wurden die in die Tonnen getreten. Zum Glück ist der, der das angezettelt hat, inzwischen auf dem Gürtel des „tapferen Schneiderlein“ (der Kanzlerin) gelandet.

Alle 14 Tage schleppe ich mich mit zwei Mülltüten voller leerer Flaschen zum Großmarkt, um mit einem Scanner dort die Rechtmäßikeit überprüfen zu lassen und die Plastikflaschen zu zerschreddern.

Das eigentliche Dilemma beginnt dann am Automaten, der die Legalität der Plastikflaschen überprüft: Ist die Flasche verbeult, in einem anderen Geschäft gekauft oder gar das Etikett entfernt, weigert sich der Automat die Flasche anzunehmen. Aus diesem Grund habe ich immer einen alten Gehstock meines Opas dabei, um damit der Flasche über die Schwelle zu helfen. Kommt sie zurück, wird sie durch die Öffnung wieder hinein gestochert. Fertig, denn ich will die Dinger ja nicht wieder mit nach Hause nehmen. Und, was weg ist, ist weg!

Freitag stehe ich wieder an besagtem Automaten. Quäle mich mit zwei Säcken voller leerer Flaschen und meinem Krückstock über die Runden, als mir jemand von draußen, also außerhalb des Flaschenrückgeberraumes, zusieht. Ich wundere mich, dass er nicht herein kommt, denn neben mir ist noch ein Rückgabeautomat frei. Vielleicht steht er ja gerne in einer Warteschlange, wie auch ich (beim Einkaufen suche ich mir zum Anstellen immer die längste Schlange aus, oder aber die hübscheste Kassiererin, die Zeit muss sein. )

Als ich dann meine Flaschen entsorgt, den Gutschein gezogen und den Raum verlassen habe, betritt der Wartende die Abgabestelle. Ich bin auch erstaunt, dass der wegen einer Flasche, die er unter den Arm geklemmt hat, auf mich wartet.

Ich bringe meine leeren Müllsäcke und den Krückmann zum Auto, nehme mir den Chip für den Einkaufswagen aus der Ablage. Als ich wieder an der Flaschenabgabe vorbei komme, sehe ich, dass der, der hinter mir war, Probleme mit seiner Flasche hat. Dem kann geholfen werden. Ich zurück zum Auto, den Gehstock geholt, zu ihm, dem Ein-Flaschen-Abgeber rein. Doch seine Probleme sind anderer Art, ihm fehlt die Fingerfertigkeit. Denn die Flasche dreht sich zu schnell in dem Scanner, dass er mit dem „Enttörnen“ der Schnur, die er an deren Hals befestigt hat, nicht nach kommen kann (als Seemann hätte ich dort einen Wirbelschäkel montiert). Das Band wirft lauter Schleifen, die er nicht in den Griff bekommt.

Wenn die Plastikflasche gescannt ist und zum Schreddern transportiert wird, zieht er sie wieder in den Scannerbereich, lässt sie wieder und wieder registrieren.

Als ich jetzt mit meinem Stock in der Hand kam, muss das bedrohlich auf ihn gewirkt haben, denn er unterbrach entsetzt seine Tätigkeit und lief davon. Ich bereinigte die Situation, indem ich auf den Kopf „Spende“ drückte (Spenden lohnt sich).

Die Geschäftsleitung dieses Großmarktes wird das Lob wohlwollend verkraften, in der Zeitung groß heraus kommen, wenn das Flaschenpfandspendengeld der Eckernförder Tafel zugute kommt.

Das Geld liegt nicht auf der Straße, das Geld hängt am Bändsel.


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