30. Geburtstag : Das Geheimnis des Fegens

Beim Quiz gibt es für eine falsche Antwort Kartoffelsuppe und Dosenravioli über den Kopf – Dominik Karpewski nimmt es gelassen.
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Beim Quiz gibt es für eine falsche Antwort Kartoffelsuppe und Dosenravioli über den Kopf – Dominik Karpewski nimmt es gelassen.

Dominik Karpewski musste als 30-jähriger Junggeselle die Ratshaustreppe fegen – der Brauch kommt aus Bremen.

shz.de von
12. Februar 2018, 05:32 Uhr

Eckernförde | Als Dominik Karpewski, gefolgt von einer großen Menschentraube, auf den Rathausmarkt kommt, ist schon alles vorbereitet. Vor den Stufen des Alten Rathauses erwartet den Eckernförder bereits ein großes Banner mit der Aufschrift „30!“ sowie ein Stuhl im Gummiboot. Darüber hinaus glänzen auf den Stufen viele Kronkorken, die nur darauf warten, weggefegt zu werden. Dominik Karpewski ist 30 Jahre alt geworden und immer noch Junggeselle, und das wollen ihn seine Freunde heute mit dem „Treppenfegen“ ganz besonders spüren lassen.

Der Brauch des Treppenfegens stammt eigentlich aus der Hansestadt Bremen. Dort muss ein Mann, der zum Zeitpunkt seines 30. Geburtstags noch immer ledig ist, die Treppe des Rathauses so lange fegen, bis dieser vom Kuss einer Jungfrau erlöst wird. Der Brauch soll auf den Volksglauben zurückgehen, dass Menschen, die sich zu Lebzeiten nicht fortgepflanzt haben, nach ihrem Tod im Jenseits überflüssige Arbeiten verrichten müssen.

Geplant wird das Ereignis meist von engen Freunden, die für die nötige Ausrüstung, Musik und vor allem Getränke sorgen. Dabei ist es irrelevant, ob dieser zu diesem Zeitpunkt eine feste Partnerin hat. Selbst eine Verlobung schützt den 30-Jährigen nicht. Ein vollständig absolvierter Junggesellenabschied hingegen schon.

Seit den 1950er-Jahren verbreitete sich der Brauch und ist heute in ganz Norddeutschland zu finden. Auch vor Frauen macht er nicht halt. Diese müssen, sofern ledig und 30, statt der Treppe die Türklinke des Rathauses putzen. Damit auch weiter entfernte Bekannte und Freunde dem Ereignis beiwohnen können, schalten die Freunde des Geburtstagskindes manchmal auch eine Zeitungsanzeige.

Der führende Kopf bei der Planung von Dominik Karpewskis „Treppenfegen“ war sein bester Freund Henrik Marten. Die beiden Männer kennen sich seit dem siebten Lebensjahr und haben sich bis heute nicht aus den Augen verloren. Darüber hinaus kommt die Idee für Dominik Karpewskis „Treppenfegen“ nicht von ungefähr. Bereits im letzten Juni hatte dieser für seinen Freund Henrik ein Fegen der besonderen Art veranstaltet: „Ich musste mir meine Besen zuerst in einem Gummiboot sitzend aus dem Hafenbecken fischen“, erzählt Henrik Marten. Und auch für Dominik hat er sich zusammen mit einigen Freunden etwas Besonderes ausgedacht.

So musste auch Dominik vor seinem Einsatz auf dem Rathausmarkt mit einem Gummiboot im Hafenbecken treibend Kurze trinken. Am Rathausmarkt angekommen und auf dem vorbereiteten Stuhl sitzend ging es mit einem Frage-Quiz weiter. Während es für jede richtige Antwort ein Getränk für den Ledigen und alle Zuschauer gab, drohte ihm bei einer falschen Antwort eine Dusche aus Kartoffelsuppe und Dosenravioli.

Nach 14 Fragen mit mehr oder weniger richtigen Antworten musste sich Dominik Karpewski seiner eigentlichen Aufgabe stellen: Mit verschiedenen Besen, die alle nicht besonders gut für Reinigungszwecke zu gebrauchen waren, machte er sich daran, die Treppe von den unzähligen Kronkorken zu befreien. Besonders ein Besen mit einem Rohrisolierer als Stiel macht es dem Junggesellen schwer.

Erst als dieser die unterste Stufe erreicht hatte, erbarmte sich eine kleine Jungfrau des bereits schwer erschöpften Fegers. Nach kurzer Verhandlung und dem Versprechen für einen Gutschein von „Spielzeug Carstensen“ erlöste sie ihn mit einem Kuss auf die Wange. Trotz der Strapazen ist Dominik Karpweski begeistert von seinem 30. Geburtstag. „Ich hatte Spaß, und meine Freunde habe ich auch immer noch lieb“, sagt der Junggeselle zum Abschied.

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