Fischimbiss am Hafen : Das Fischhuus spaltet die Politik

Das Fischhuus am Hafen ist im Oktober 2009 abgebrannt. Der Pächter  Fischerverein drängt auf einen zügigen Wiederaufbau. Foto: Kleinfeld
Das Fischhuus am Hafen ist im Oktober 2009 abgebrannt. Der Pächter Fischerverein drängt auf einen zügigen Wiederaufbau. Foto: Kleinfeld

Im Oktober 2009 brannte das Fischhuus am Eckernförder Hafen ab. An einem Wiederaufbau schien es keinen Zweifel zu geben - doch jetzt klingen andere Töne aus der Lokalpolitik.

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31. März 2011, 07:46 Uhr

eckernförde | Das Fischhuus entwickelt sich zum Politikum. Noch vor einem Jahr schien es an einem Wiederaufbau des beliebten Fischimbisses am Hafen keinen Zweifel zu geben. Mittlerweile klingen auch ganz andere Töne aus der Lokalpolitik. Im Oktober 2009 brannte der Gastronomiebetrieb ab. Das Gebäude gehörte der Stadt, die es an den Fischerverein verpachtet hatte. Der wiederum hatte es an den Betreiber Herbert Schremer weiterverpachtet. Das Gebäude war zwar versichert, doch deckt der Versicherungsbetrag nicht die Kosten für einen Neubau. Die Deckungslücke beträgt rund 100.000 Euro. "Unter anderem sind die rechtlichen Anforderungen an die Haustechnik für einen Neubau gestiegen", sagt Bürgermeister Jörg Sibbel.
Nun gebe es drei Alternativen, so Sibbel: einen vollumfänglichen Wiederaufbau, einen kompletten Verzicht auf einen Wiederaufbau mit eventueller Rückzahlung von Fördergeldern und einen Aufbau in reduzierter Form entsprechend der Leistung der Versicherung. Er versprach, dass es vor einer Entscheidung auf Vorschlag des Fischervereins einen Runden Tisch mit allen Beteiligten geben werde: Fischer, politische Fraktionen, Verwaltung, Touristik und Stadtwerke sollen sich zusammensetzen und eine Lösung finden.
Die SPD hat eine eindeutige Tendenz: Wiederaufbau

Für die Fischer steht fest: Sie wollen so schnell wie möglich einen Wiederaufbau, und zwar so, wie er ursprünglich geplant gewesen sei: mit einem ganzjährigen Frischfisch-Verkauf und Imbiss. Immerhin sei das Fischhuus vor zehn Jahren in der Absicht entstanden, den Eckernförder Fischern eine bessere Vermarktungsmöglichkeit für ihre Produkte zu schaffen, erklärt Fischermeister Lorenz Marckwardt. Unterstützt wurde der Bau deshalb auch durch EU-Fördermittel. Marckwardt stellte der Politik unlängst die Frage, ob die Entscheidung absichtlich verzögert werde, und äußerte die Vermutung, dass auf diesem Wege Vorteile für bestimmte Geschäftsleute in Eckernförde geschaffen werden sollen. Wer das Fischhuus bei einem Wiederaufbau betreibt, steht noch nicht fest: Herbert Schremer und der Fischerverein befinden sich in einem Rechtsstreit, drei andere Bewerbungen liegen dem Verein vor - auch aus den eigenen Reihen.
Die Politik ist in der Sache Fischhuus unterschiedlicher Meinung. Die SPD hat eine eindeutige Tendenz, wie der Fraktionsvorsitzende Martin Klimach-Dreger mitteilt. "Wir wollen das Fischhuus wieder aufbauen und zurück zu den Ursprüngen mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Direktvermarktung von Fisch." Dabei könne es ruhig etwas "hemdsärmliger" zugehen. "Ob am Ende wieder 100 Stühle um das Gebäude herumstehen müssen, ist eine andere Geschichte." Es gehe darum, die wenigen Fischer in Eckernförde zu stützen und zu zeigen, dass Eckernförde eine Fischereistadt sei. Auch an ihrem Stand am Hafen, an dem die SPD am Sonnabend zu dem Thema öffentlich informiert hat, seien die Menschen der Meinung gewesen, dass der Standort unbedingt wieder mit einer entsprechenden Gastronomie belebt werden müsse.
Grüne: "Die große Lösung ist nicht unser Favorit"
Anders als die SPD hält sich die CDU noch bedeckt: Auf einer Klausurtagung am kommenden Sonnabend wolle man sich auf eine Stoßrichtung einigen, erklärte Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt. Noch gebe es unterschiedliche Meinungen innerhalb der Fraktion.
Ganz anders die Grünen. "Die große Lösung ist nicht unser Favorit", sagt Edgar Meyn, der bei der Entwicklung des Hafens "weitsichtiger arbeiten" möchte. "Es geht darum, den ganzen Hafen zu entwickeln und nicht nur einzelne Punkte." Die Hafenspitze entwickele sich - dort werden Gastronomien entstehen - das Luzifer habe sich entwickelt, und auch bei der Nooröffnung werde sich viel ergeben. "Wenn überhaupt, können wir uns nur eine ganz kleine Lösung vorstellen." Zudem frage er sich, ob das Geschäftsmodell, nach dem die Stadt ein Gebäude stelle, mit dem der Fischerverein durch die Verpachtung Einnahmen generiert, eine städtische Aufgabe sei.
Der SSW favorisiert eine kleine Lösung
Die FDP hat sich noch nicht festgelegt. Noch kommen für die Liberalen laut Oliver Fink alle drei Varianten in Betracht. Allerdings sei man ein wenig ungehalten angesichts der Tatsache, dass die Fischer der Politik vorwerfen, sie würde eine Entscheidung verzögern. "Immerhin hatten die Fischer einer Verlängerung des Vertrages mit dem bisherigen Pächter nicht zugestimmt, als sich durchaus eine Mehrheit für die Wiedererrichtung abzeichnete", so Fink. "Dadurch kam eine Entscheidung schon vor Monaten nicht zustande. Die aktuelle Eilbedürftigkeit erschließt sich uns deshalb nicht." Bevor man sich jedoch festlege, wolle man das Gespräch mit den Fischern abwarten.
Der SSW favorisiert eine kleine Lösung, erklärt Hartmut Steins. Voraussetzung sei, dass keine EU-Fördermittel zurückgezahlt werden müssen. Die Linken haben noch keine abschließende Meinung: Rainer Beuthel möchte zunächst genaue Angaben über die Kosten der einzelnen Varianten erhalten.
(ape, shz)

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