Meeresleuchten : Das Feuerwerk im Meer

Die Discokugel unter den Quallen: Die amerikanische Rippenqualle leuchtet in den verschiedensten Farben.
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Die Discokugel unter den Quallen: Die amerikanische Rippenqualle leuchtet in den verschiedensten Farben.

Meeresleuchten wird durch Plankton ausgelöst – auch in der Eckernförder Bucht.

shz.de von
16. August 2018, 06:02 Uhr

Eckernförde | Wer in diesen Tagen am späten Abend oder nachts in die Ostsee steigt, kann ein Phänomen erleben, das viele nur aus südlichen Ländern kennen: Meeresleuchten. Dabei ist das für die Ostsee nicht ungewöhnlich. Immer wieder leuchtet das Wasser in der Eckernförder Bucht im Sommer und Herbst grünlich-blau, wenn man es in Bewegung versetzt.

Verantwortlich dafür sind Einzeller aus der Gruppe der Dinoflagellaten: Plankton, das sowohl tierischer als auch pflanzlicher Natur ist und auf mechanische Reize reagiert. „Zum einen gibt es Noctiluca, was man etwa mit ’leuchtet bei Nacht’ übersetzen kann“, erklärt Dr. Michael Meyerhöfer, Biologe am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Dabei handelt es sich um Zooplankton, also kleine Tiere, die die chemische Reaktion zwischen Luciferin und Luciferase verwenden, um das Leuchten zu erzeugen.“ Biolumineszenz wird es in der Fachsprache genannt, wenn Pflanzen oder Tiere von selbst oder durch Symbionten Leuchtstoffe erzeugen können. Die Noctiluca sind etwa ein Fünftel bis zwei Millimeter groß und sind als einzelne große Punkte im bewegten Wasser zu sehen. Viele kleine Leuchtpunkte deuten dagegen auf Ceratium Fusus hin, einzellige Pflanzen, die die gleiche chemische Reaktion wie Noctiluca verwenden.

Als dritter Verursacher kommt die amerikanische Rippenqualle in Frage, die erst vor etwa 12 Jahren die Ostsee eroberte und bis zu 12 Zentimeter groß werden kann. Acht Strahlen, die Rippen, laufen von der Körperoberseite zur -unterseite. Sie leuchten wie die Werbeplakate am Times Square in den verschiedensten Farben. „Von ihnen sind zurzeit Millionen in der Eckernförder Bucht“, sagt Thorsten Peuster, Inhaber der Tauchschule „Tauchen & Meer“ im Jungfernstieg.

Ungewöhnlich ist Meeresleuchten für ihn nicht „Das haben wir jedes Jahr – mal mehr, mal weniger – und meistens im Spätsommer.“ Warum die Meeresbewohner leuchten, kann auch Michael Meyerhöfer nicht beantworten. „Es kann ein Mechanismus zur Abwehr von Fressfeinden sein, aber genau weiß man es nicht.“ Der Zeitpunkt ihres Auftretens hängt mit den Umweltbedingungen zusammen. „Es muss Nahrung vorhanden sein, und die gibt es immer dann, wenn genügend Sonnenlicht und Nährstoffe für die Photosynthese und damit für die Produktivität des Phytoplanktons vorhanden sind“, so Meyerhöfer. Die Temperatur der Ostsee sei dagegen nur sekundär von Bedeutung.

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