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Das Ende einer Dienstfahrt oder: Flucht vor dem Terror

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Begegnungen mit syrischen Kriegsflüchtlingen in Eckernförde und Erinnerungen an Kriegs-Deutschland

Er fuhr den Firmenwagen einer Telefongesellschaft, bei der er beschäftigt war. Links und rechts parkten aufgereiht Autos an den beiden Straßenrändern. Die Lücke dazwischen, der noch befahrbare Teil der Straße, wurde zunehmend enger, bis sein Fahrzeug nicht mehr hindurch passte. Er hielt an und setzte zurück.

Es knallte. Von sechs Kugeln wurde er getroffen. Eine durchdrang sein linkes Handgelenk, zwei seinen rechten Unterarm, drei Projektile trafen Unterbauch und Brust. Doch das alles nahm er nicht mehr wahr, er erwachte im Krankenhaus. Damaskus, Syrien.

Yaser, 43, jetzt ist er hier in Eckernförde angekommen, nach einer Odyssee durch Westeuropa, mit fünf anderen Kriegsflüchtlingen. 41 von ihnen werden erwartet, mehr als 80 werden es werden. Obwohl angekündigt, sind wir wenig vorbereitet. Wir versuchen, uns einzubringen, es gelingt nicht immer, allen (allem) sind Grenzen gesetzt.

Differenzen der Flüchtlinge untereinander, unterschiedliche Sprachen arabisch und kurdisch, gleicher Glauben, different praktiziert, Schiiten und Sunniten. Bei uns ist ihr Glaubenskrieg zu Ende, sollte hier zu Ende sein.

Freiwilligkeit von uns ist gefordert. Denn es fehlt ihnen einfach alles. Problem bleibt die Sprache, ob bei der Übersetzung von notwendigen Formularen, bei Krankheitsbeschreibungen und Arztbesuchen, bei Behördengängen oder beim Einkauf. Mobilität und Selbständigkeit sind notwendig, sie brauchen uns, die zuständige Stadt ist überfordert, ihr sind Grenzen gesetzt. Wir haben uns arrangiert, Krankentransporte bis nach Hamburg, begleitete Behördengänge, Annäherung an Glaubensbrüder in Rendsburg (Moschee), Einkäufe außerhalb Eckernfördes, weil der Bedarf in hier nicht gedeckt werden kann, Hilfe bei Erlernung unserer Sprache. Materialspenden, Fahrräder, Fernseher, Geschirr, Bekleidung (Kleiderkammer des DRK), Bettwäsche, Verpflegung durch Eckernförder Tafel kommen ihnen zu Gute.

Sie überwinden ihr Heimweh aus Not. Sie kommen zu uns, nicht ohne Grund! Wir möchten die ersten dazu bringen, Stützen derer zu sein, die ihnen folgen werden, um uns zu entlasten.

Ich kann dieses alles nachvollziehen, bin zwar kein Flüchtling, aber Kriegskind gewesen!



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erstellt am 07.Aug.2014 | 17:39 Uhr

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