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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 22:07 Uhr

Das Brandenburger Tor mit und ohne Quadriga

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf den Spuren deutsch-deutscher Geschichte in Berlin und Potsdam

von
erstellt am 01.Sep.2014 | 18:28 Uhr

Vor einigen Tagen fuhr ich nach Berlin. Nur für drei Tage, aber schon lange geplant. Natürlich weiß ich, dass die Zeit überhaupt nicht reicht, um all die Reichtümer unserer Hauptstadt zu bestaunen, zumal noch eine Spreefahrt mit dem Raddampfer geplant war und wir Potsdam ebenfalls auf dem Programm hatten – und ich noch eine Verabredung mit meiner Cousine hatte, die ich acht Jahre nicht gesehen habe. Das musste einfach sein.

Im Schnelldurchgang mit einem wahnsinnig schnell sprechenden Reiseleiter haben wir dann doch vieles gesehen – und hatten auch ein bisschen Zeit für uns. Aber ein Wunsch, der mir eigentlich wichtig war, hat sich nicht erfüllt: Ich wollte wieder durch das Brandenburger Tor gehen, denn Anfang der 1990er Jahre bin ich mit meiner Cousine hindurchgegangen – und es war ein tolles Gefühl! Ich spazierte durch unsere deutsch-deutsche Geschichte, einfach so. Diesmal wollte ich obendrein ein Foto von der Quadriga machen, nicht einfach so, ich hatte einen Grund – naja, ich habe dann das Brandenburger Tor vom Bus aus etwa zwei Kilometer entfernt gesehen, die Quadriga eher nicht. Wussten Sie, dass Potsdam auch ein Brandenburger Tor hat? Das habe ich ganz nah fotografiert, leider ohne Quadriga.

Nun will ich den Grund offenbaren, warum mir ein persönliches Foto der Quadriga so wichtig war: Wie viele inzwischen wissen, bin ich nicht wirklich ein Frühaufsteher, und so sitze ich meistens erst gegen 9 Uhr am Frühstückstisch, und mein Frühstück zieht sich hin, denn es ist meine Hauptmahlzeit. Ich höre dabei die Nachrichten, immer sehr gespannt, weil ich abends keine Tagesschau sehe – und dann kommt um fünf nach neun das „Kalenderblatt“ im Deutschlandfunk, immer, auch sonntags.

Zwei Wochen vor meinem Berlin-Trip hörte ich besonders gut hin, denn es ging um den Bildhauer, der aus dem Entwurf eines Streitwagens, vier edler Rösser und der Siegesgöttin die Quadriga erschaffen hatte. Den Namen des Hofbildhauers Friedrich Wilhelms des Zweiten hatte ich nie gehört. Dieser geniale Mann, Johann Gottfried Schadow, wurde vor 250 Jahren als Sohn eines Schneidermeisters in Berlin geboren. Mit 14 Jahren bereits wusste er, dass er Bildhauer werden wollte – und nur, weil sein Vater sein Talent erkannte und ihn fördern ließ, konnte er seinen Weg gehen. Heute würde man sagen, dass er eine Bilderbuch-Karriere hingelegt hat, die später mit vielen Auszeichnungen gepflastert war. Er wurde Hofbildhauer, lehrte an der Akademie der Künste, wurde Vizedirektor derselben, war zwischendurch 1803 Mitbegründer des ersten deutschen Schachclubs in Berlin, Direktor der Bauakademie, gründete den Berlinischen Kunstverein. Mit zwei Frauen hatte er sechs Kinder, von denen die beiden Söhne aus erster Ehe später selbst bekannte Künstler wurden. Ein Traum erfüllte sich für ihn, als er zum Direktor der Königlich Preußischen Akademie der Künste ernannt wurde. Vor seinem Tod suchte König Friedrich Wilhelm IV. Schadow sogar in seiner Wohnung auf, um ihm den Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste persönlich zu überreichen. 1850 starb dieser Ausnahmekünstler, dessen Skulpturen berühmt sind für ihre Natürlichkeit.

Das „Kalenderblatt“ regte mich dazu an, noch weiter in diesem Künstlerleben zu stochern, und ich habe noch Vieles über diesen preußischen Bildhauer erfahren, nach dem eine Straße in Berlin benannt wurde, die ich natürlich auch nicht zu sehen bekam.

Und es wurmt mich immer noch, dass ich keine Möglichkeit hatte, noch einmal durch das Brandenburger Tor zu „schreiten“ und, vor allem, meiner Geschichte ein selbstgemachtes Foto der Quadriga beifügen zu können. Nun hat ein Freund ausgeholfen. Vielleicht sollte ich Berlin doch noch einmal auf meinen Reisezettel setzen.

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