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Neues Angebot : Das Baby ist da – und nichts geht mehr

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Es gibt eine neue Anlaufstelle für junge Familien im Familienzentrum Eckernförde. Ehrenamtliche helfen bei einer Überlastung in den ersten Monaten nach der Geburt.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2016 | 06:20 Uhr

Eckernförde | Die Geburt eines Kindes bedeutet bei aller Freude auch immer eine große Umstellung für die Eltern. Gerade beim ersten Kind befindet sich die Mutter in Dauer-Hab-Acht-Stellung, Momente zum Entspannen oder zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse sind rar gesät. Das Baby schreit, niemand kauft ein, oder das Geschwisterkind ist eifersüchtig und der besorgte Vater hat keinen Urlaub mehr. Wer ein bestehendes Netzwerk hat, kann die Großmutter oder Nachbarn um Hilfe und Unterstützung bitten. Doch was, wenn kein Netzwerk vorhanden ist?

Für diesen Fall gibt es schon in ganz Deutschland Anlaufstellen der Initiative „wellcome“, die Ehrenamtliche zur Unterstützung der jungen Eltern vermittelt. Gestern ist mit der wellcome-Eröffnung im Familienzentrum im Saxtorfer Weg auch der letzte weiße Fleck in Schleswig-Holstein von der Landkarte getilgt worden. Mit dabei: Schirmherrin und Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

Es war ein großer Bahnhof, die Parkplätze alle belegt, der Raum im Familienzentrum voll besetzt, als wellcome-Gründerin Rose Volz-Schmidt ihre eigenen Erfahrungen aus der Zeit nach der Geburt ihres ersten Kindes schilderte: Die Entbindung dauerte drei Tage, zu Hause mit dem Kind angekommen war sie total erschöpft.

Der Mann hatte sich extra keinen Urlaub genommen. „Das ist nicht nötig, dachten wir vorher: zwei Erwachsene und ein schlafendes Baby.“ Doch es kam anders. Schnell fühlte sie sich überfordert, suchte Hilfe. Doch weil Ferien waren, war niemand zu erreichen. Und schnell erfuhr sie: „Das Problem hatten viele andere auch.“

In den 50er- und 60er-Jahren war alles anders: Die meisten Frauen waren nicht berufstätig, die Nachbarschaft funktionierte, oft wohnten die Kinder in der Nähe der Eltern. Und wenn eine junge Mutter mal Hilfe benötigte, sprang die Freundin, die Nachbarin oder die Großmutter ein. Heute sieht das häufig anders aus. Nicht jeder hat ein funktionierendes Netzwerk, die Eltern leben weit entfernt, und wenn man gerade erst umgezogen ist, sind selbst die Nachbarn noch fremd.

Deshalb gründete Rose Volz-Schmidt wellcome. Eine hauptamtliche Kraft betreut mehrere Ehrenamtliche, die bereit sind, Familien ein- bis zweimal pro Woche für durchschnittlich zwei Stunden zu unterstützen. „Es geht dabei darum, der Mutter Ruhe zu geben“, erklärt die wellcome-Koordinatorin für den Kreis Rendsburg-Eckernförde, Gabriele Lüttmer. „Und wenn die ehrenamtliche Kraft das Baby nur mal eine Stunde mit dem Kinderwagen spazierenfährt.“ Dabei wird getrennt zum normalen Babysitter, wie Kristin Alheit deutlich machte: „Jemand auf Augenhöhe gibt einem Rat, den man als Mutter auch annimmt.“ Denn alle Ehrenamtlichen haben entweder selbst Kinder oder durch berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit viel Erfahrung auf dem Gebiet. Allerdings: „Spätestens, wenn die erste Geburtstagskerze brennt, sind wir wieder raus. Dann gibt es Folgeangebote“, so Rose Volz-Schmidt.

Noch steht wellcome in Eckernförde ganz am Anfang, doch eine Ehrenamtliche hat sich schon gefunden: Anja Kroll (53), Mutter von drei Kindern, hat ähnliche Erfahrungen bei der Geburt ihres ersten Kindes erlebt: „Wir sind gerade umgezogen und ich kannte noch niemanden.“ Eine Einrichtung wie wellcome hätte ihr damals sehr geholfen.

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