B 76 / Domstag : Das Ampelfiasko geht weiter

Erst aufgebaut, dann wieder abgedeckt: Die Bedarfsampeln wurden von den Autofahrern nicht genügend wahrgenommen.
Erst aufgebaut, dann wieder abgedeckt: Die Bedarfsampeln wurden von den Autofahrern nicht genügend wahrgenommen.

Kaum war sie installiert, da musste sie auch schon wieder abgedeckt werden: Die neue Bedarfsampel an der Einmündung von Domstag in die B76 wird von den Autofahrern nicht genügend wahrgenommen.

shz.de von
28. Mai 2015, 06:10 Uhr

Eckernförde | Vier Wochen schon dauert das Ampelfiasko an der Einmündung Domstag / B 76 – und es ist noch kein Ende in Sicht. Die Lage in Kurzform: Ein elektronisches Bauteil in der Kombination von Schranken- und Ampelanlage ist defekt und aufgrund der alten Bahn-Technik nur sehr schwer zu ersetzen. Seit vier Wochen funktionieren also die Bahnschranken, aber nicht die Ampel. Gefährlich ist das besonders für Fußgänger und Radfahrer, die die B 76 überqueren wollen. Zwar hat die Stadt umgehend Achtungsschilder aufgestellt und eine Tempo-30-Zone eingerichtet – an die hält sich jedoch kaum jemand. Unvermindert fahren die Autos mit 50 km/h oder mehr weiter. Gestern dann sollte eine Bedarfsampel für Fußgänger in Betrieb genommen werden – doch daraus wurde nichts.

Eigentlich sollte die Bedarfsampel schon vor Pfingsten für die B 76 installiert werden. Zwei provisorische Anlagen zur Überquerung der Bundesstraße wurden auch aufgebaut, aber nicht in Betrieb genommen. Begründung der von der Bahn mit der Betreuung der Anlagen beauftragten Firma: Noch funktioniert zumindest das rote Licht an den Ampeln, wenn ein Zug durchfährt. Das könnte verloren gehen, wenn jemand in den Stromkreislauf der Schrankenanlage eingreift. Aber genau das wäre erforderlich gewesen, um eine Bedarfsampel auf beiden Überwegen über die B 76 zu installieren.

Gestern dann erfolgte der Versuch, nur eine Bedarfsampel zu installieren, was auch gelang. Bei der ersten Inbetriebnahme jedoch mussten die Mitarbeiter der beauftragten Firma feststellen, dass viele Autofahrer anscheinend überwiegend auf die große, ausgefallene Ampelanlage achten und die kleinere Bedarfsampel nicht oder zu spät bemerken. Es kam dabei zu Situationen, in denen die Autos haarscharf an den Technikern vorbeigefahren sind. Hinzu kommt, dass sich kaum jemand an die vorgeschriebenen 30 km/h hält. „Einige haben die rote Bedarfsampel zu spät gesehen und dann plötzlich gebremst“, berichtet Eckernfördes Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke. „Das provoziert natürlich Auffahrunfälle. Insgesamt kam es zu so vielen Rotvergehen, dass es lebensgefährlich war, die Straße zu überqueren.“

Klaus Kaschke, der gesterm am späten Nachmittag vom Landesbetrieb davon in Kenntnis gesetzt wurde, sagte, dass er unter diesen Umständen die Entscheidung nachvollziehen könne, die Ampel nicht in Betrieb zu nehmen. „Bei Ampeln und Zebrastreifen wird der Fußgänger in Sicherheit gewogen und ihm ein Vorfahrtsgedanke signalisiert, auf den er dann auch pocht. Dann ist es sicherer, dem Fußgänger zu signalisieren, dass er selbst auf sich achten muss.“ Bürgermeister Jörg Sibbel habe in der Zwischenzeit einen Brief an die Konzernbevollmächtigte der Bahn für Schleswig-Holstein und Hamburg geschrieben, in dem er noch einmal auf die Problematik hinweist.

Wie es nun kurzfristig weitergeht, steht noch nicht fest. Der Leiter des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr war gestern viel unterwegs und erfuhr erst am späten Nachmittag von den Entwicklungen. Er konnte kaum glauben, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h und eine Ampel von den Autofahrern so wenig beachtet werden. Heute will er sich informieren und eine Alternative entwickeln.

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