Sparclub „An de Waterkant“ : Das abrupte Ende eines finanzstarken Sparclubs

Helmut Kruse und der Rest-Vorstand haben den Sparclub „An de Waterkant“ bis zuletzt geführt. Weil zuwenig Verantwortung im Vorstand übernehmen wollen, wird der Sparclub aufgelöst.
Helmut Kruse und der Rest-Vorstand haben den Sparclub „An de Waterkant“ bis zuletzt geführt. Weil zuwenig Verantwortung im Vorstand übernehmen wollen, wird der Sparclub aufgelöst.

Nicht genügend Vorstandsmitglieder und Kassierer: Der 1927 gegründete Sparclub „An de Waterkant“ wird aufgelöst. Die zeitweise über 1000 Mitglieder haben teilweise pro Jahr über 400000 DM gespart - der Gedtransport zur Auszahlung am 1. Advent erfolgte mit Polizeischutz.

von
27. Januar 2015, 06:10 Uhr

Jetzt hat es auch den Sparclub „An der Waterkant“ erwischt. Weil sich nicht genügend Mitglieder und Sparer bereit erklärt hatten, im Vorstand Verantwortung zu übernehmen, haben die 57 anwesenden Mitglieder am 24. Januar in der Generalversammlung im EMTV-Heim mit großer Mehrheit entschieden, den Sparclub mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Zuletzt wurden die Geschäfte nach dem Tod des 1. Vorsitzenden Willi Maibaum vom langjährigen 2. Vorsitzenden Helmut Kruse geführt. Der 75-Jährige hätte aus Altersgründen gerne einen Nachfolger präsentiert, doch das Werben war letztlich erfolglos. Und so endet eine Eckernförder Spar-Geschichte, die am 16. Januar 1927 ihren Anfang nahm und mit einer Unterbrechung von 19 Jahren – 1931 bis zur „Neubelebung“ 1950 – bis heute heute anhielt.

Eine meist unspektakuläre, aber stetige Geschichte, im Wechsel zwischen Spitzenzinsen und Mini-Zinsen, in der nicht Gewinnmaximierung im Mittelpunkt stand, sondern eine solide Geldanlage mit menschlicher Note. Denn die 14-tägigen oder monatlichen Sparsummen wurden noch persönlich von drei Kassierern in Eckernförde Süd, Mitte und Borby persönlich eingesammelt und in einem Heft verbucht. Mal 50 oder fünf Euro, manchmal auch gar nichts, Strafzinsen gab es nicht. „Ich bin immer hineingebeten worden, und wir haben miteinander geredet, das war eine schöne Sache“, erzählt Helmut Kruse, der seit 1980 auch als Unterkassierer unterwegs war.

Mit dieser Tradition ist es nun vorbei. Die zum Zeitpunkt der Auflösung noch 250 Mitglieder – in Spitzenzeiten waren es deutlich über 1000 – werden nun anderweitige Sparpläne mit den Kreditinstituten abschließen, ihr Geld in Wertpapieren oder Immobilien anlegen, es bunkern oder einfach ausgeben, weil die Sparzinsen ohnehin keinen Ertrag mehr bringen. Die Zeiten, in denen regelmäßig der Kassierer zum kleinen Schnack vorbeikommt, das Geld mitnimmt, verbucht und bei der Sparkasse einzahlt, sind vorbei. Jedenfalls vorerst, denn zumindest bei Helmut Kruse glimmt noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sich eventuell doch noch engagierte Sparer finden, die in die Bresche springen.

So wie 1950, der Wiedergeburt des 1927 gegründeten Sparclubs „An de Waterkant“. 19 Jahre lang war der Club in der Versenkung verschwunden. Den Grund kann einem beim Sparclub niemand nennen. Möglicherweise hängt der Niedergang mit der ab 1929 grassierenden Weltwirtschaftskrise zusammen, die auch einer der Gründe für das Erstarken und die Machtübernahme durch die Nazis am 30. Januar 1933 war.

Der Sparclub nahm jedenfalls am 5. Februar 1950 unter der Leitung von zehn Mitgliedern seine Tätigkeit mit einer jährlichen Sparleistung von 29  649 DM wieder auf und verzeichnete einen gewaltigen Zulauf: 1957 verzeichnet das Protokollbuch bereits 1123 Mitglieder, die in einem Jahr immerhin 151  601 DM zusammensparten. Eine Summe, die immer nur eine Richtung kannte – nach oben. 1990 wurden 328    054 DM gespart und von der Kreis- und Stadtsparkasse mit 8,5 Prozent verzinst. Das lohnte sich und brachte 9075 Euro Zinsen, die wie immer am 1. Advent an die Sparer ausgezahlt wurden. 2001 wurde eine Sparsumme von 412  316 DM protokolliert, nach der Euro-Umstellung waren es 2003 noch 194    572 Euro.

Die Eckernförder Sparer haben also sehr viel Geld umgesetzt. Die alljährliche Auszahlung wurde so natürlich zu einem besonderen Ereignis – die Scheine kamen auf den Tisch. Der Sparclub beauftragte „Eintüter“, die für jeden Sparer das abgezählte Geld in Scheinen bereitlegten. Und so kamen in den Vereinslokalen Dehns Gasthof, Gewerkschaftshaus, Lindenhof und zuletzt im EMTV-Heim sehr hohe Beträge auf den Tisch. 2006 zum Beispiel 203  773 Euro, für die es nur noch 1851 Euro Zinsen gab. Und da so viel Geld Begehrlichkeiten weckt, hat der Sparclub für den Geldtransport von der Sparkasse in den Lindenhof Polizeischutz beantragt und bekommen. Wie übrigens in all den Jahren. Im Lokal selbst galt der Polizeischutz dann aber nicht mehr. Von einem Überfall ist der Sparclub in all den Jahren verschont geblieben. Und so war der schwanzwedelnde Schäferhund von Wirt Karl Wiese, der die Scheine vom Tisch fegte, die einzige, mit Humor genommene, Störung von Sparers Freuden.

Die verbliebenen Spar-Reste in Höhe von etwa 500 Euro möchte der Sparclub „An de Waterkant“ dem Förderverein für krebskranke Kinder und Jugendliche zur Verfügung stellen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen