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Ernteumzug : Dankbarkeit in Zeiten des Überflusses

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Ernteumzug des Kreisbauernverbandes führt rund 40 bunt geschmückte Trecker durch die Innenstadt.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 06:30 Uhr

Eckernförde | Der Ernteumzug der Pommerschen Landsmannschaft war stets ein großes Ereignis. Die Menschen blieben stehen, bewunderten die geschmückten Trecker und trachtenbeschürzten Teilnehmer, begleiteten das Spektakel bis zur Übergabe der Erntekrone an den Bürgermeister.

Auch heute ist der Umzug noch ein Spektakel – das einzige seiner Art in Schleswig-Holstein, das mittlerweile vom Kreisbauernverband organisiert wird. Einmal quer durch die Innenstadt führte am Sonnabend der mittlerweile 42. Zug aus Trecker-Veteranen und neuzeitlichen High-Tech-Zugmaschinen. Die bunt geschmückten Themenwagen zeigten den Wandel der Technik: Was früher per Hand erledigt wurde, wird heute von Maschinen übernommen. Doch am Anfang der Nahrungskette stehen immer noch arbeitende Menschen, die mit vollem körperlichen und finanziellen Einsatz Lebensmittel in großer Menge, guter Qualität und günstigen Preisen erzeugen.

Darauf ging auch Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, bei seiner Rede an der Hafenspitze ein. Zwar hätten die Bauern heute große Maschinen, seien jedoch noch immer vom Wetter abhängig, was stets ein Unsicherheitsfaktor ist. Als zweites Standbein hätten deshalb viele Bauern Ferienappartements. Sie profitierten also auch davon, wenn Eckernförde für Urlauber immer attraktiver werde – und umgekehrt. Urlauber können aufs Umland ausweichen, wenn in Eckernförde alles ausgebucht sei. Lucht beklagte den Verlust von Respekt und eine Verrohung der Sprache nicht nur in sozialen Netzwerken. „Wir wollen nicht an den Rand der Gesellschaft gestellt werden“, sagte er.

Die erste Stadträtin Katharina Heldt nahm in Stellvertretung des Bürgermeisters die Erntekrone entgegen. Sie nannte den Umzug eine Gelegenheit, bei der Stadt und Land aufeinandertreffen. „Viele Städter verstehen das Landleben nicht mehr, weil die romantischen Vorstellungen heute nicht mehr zutreffen. Industrialisierung und Digitalisierung sind in der Landwirtschaft angekommen.“ Gleichzeitig scheint die Gläubigkeit an das Mindesthaltbarkeitsdatum viele Menschen dazu zu treiben, noch gute Nahrungsmittel wegzuwerfen. „Man sollte mehr seiner eigenen Nase und seinem eigenen Geschmack vertrauen, als einem Datum auf einer Verpackung.“

Das Erntefest hatte noch mehr für die Gäste parat: So trat die Volkstanzgruppe „Dansdeel Owschlag“ auf, ebenso die Jagdhornbläser, „Drums & Pipes“ und die Posaunenchöre der Kirchengemeinden St. Nicolai und Borby. Weil die Stadt die Erntekrone aus Brandschutzgründen nicht mehr im Rathaus aufhängen darf, erhielt sie der neue Kronenbauer Philipp Hoff aus Waabs.

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