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Flüchtlingshilfe : Dank „von der Erde bis zum Himmel“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sieben Männer aus Eritrea leben gemeinsam in einer WG und warten zurzeit auf ihre Anhörung. Kirsten Swane vom Flüchtlingsbeirat unterstützt sie.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 05:59 Uhr

Gettorf | Gebrauchte Sofas und Sessel, davor ein brauner Holztisch, zwei rote Bilder mit schwarzen Wandtattoos, gegenüber auf einem Regal ein alter Fernseher: Das Wohnzimmer ist einfach ausgestattet. Eine Männer-WG. Tesfu verschwindet in der Küche und bringt kurz darauf Tee. Im April sind er, Kidane, Ghebremichael, Ambesaiur, Ahmed, Habtom und Dejen vom Amtshaus in Schinklerhütten in die Wohnung im Ringweg nach Gettorf gezogen. Ghebremichael ist mit 22 Jahren der Jüngste, Ambesaiur mit 33 Jahren der Älteste in der Wohngemeinschaft. Sie kommen alle aus Eritrea im Nordosten Afrikas. Sie sind vor dem politischen System dort geflohen, wo Menschen willkürlich verhaftet, gefoltert und getötet werden oder einfach verschwinden. Es gibt weder Meinungs-, Religions- noch Versammlungsfreiheit.

Habtom ist seit 13 Monaten und damit am längsten hier. Er spricht schon gut Deutsch. So gehe es ihnen ganz gut, sagt er. Aber sie hätten bisher noch keine einzige Anhörung zur Anerkennung ihres Asylantrags gehabt. Das zermürbt. „Wir wissen unseren Status nicht“, sagt er. „Das ist das Schlimmste.“

Kirsten Swane vom Flüchtlingsbeirat, die die Männer-WG gemeinsam mit Regine Heuer betreut, will sehen, was sie machen kann. Sie schreibt sich die Nummern ihrer Aufenthaltserlaubnispapiere auf, um bei den Behörden nachzufragen. Ein Mal in der Woche schaut sie in der WG vorbei oder telefoniert mit den Männern, wenn Fragen sind. Vier von ihnen besuchen das Berufsbildungszentrum (BBZ) Eckernförde, drei den BSI Campus in Eckernförde und einer die Zentrale Beratungs- und Bildungsstelle für Migranten (ZBBS) in Kiel, um Deutsch zu lernen und sich auf einen deutschen Schulabschluss oder ein Studium vorzubereiten. Jetzt in den Ferien aber fehlt ihnen die Beschäftigung.

Auch das WG-Leben fordert. Zum Schlafen gibt es zwei Einzelzimmer, ein Dreibett- und ein Zweibettzimmer. „Wir sind sieben Leute, alles Jungs mit viel Energie“, sagt Habtom. „Wenn einer schlafen möchte, sind andere laut.“ Sie müssen sich für die beiden Toiletten absprechen, den monatlichen Putzplan einzuhalten, funktioniert auch nicht immer. Für die Küche fühlt sich Tesfu verantwortlich. Er kocht gern Eier, Hühnchen mit Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Chili und Knoblauch mit Reis, Spagetti oder Couscous und backt Fladen-brot. Manchmal guckt er Kochsendungen im Fernsehen, erzählt er. In Deutschland hat er gelernt, Käse im Brot zu machen und grünen Salat mit einem Dressing aus Joghurt, Zitrone und Zu-cker.

Dass sie den Fitnessraum im GTV-Vereinsheim nutzen und beim GSC Fußball spielen dürfen, tut ihnen gut. Gerne würden sie öfter in die Schwimmhalle fahren nach Eckernförde, Rends-burg oder Schilksee. Aber dafür fehlt das Geld. „Wir hatten viele Pläne als wir herkamen“, gesteht Habtom. „Schneller Deutsch zu lernen, zu studieren, zu arbeiten.“ Er selbst würde gern studieren, die anderen mit Holz, als Friseur, Lkw-Fahrer, Auto-Mechaniker, mit Landmaschinen oder im Supermarkt arbeiten. Aber dafür müssen sie erst besser Deutsch lernen. Kidane sei zudem am 12. April in Hamburg-Harburg nachts nach einer Veranstaltung in der Kirche von Albanern scheinbar grundlos schlimm zusammengeschlagen worden, erzählt Kirsten Swane. Er lag zwei Tage im Krankenhaus, hat den Arm gebrochen und Zähne verloren. Neue Zähne hat der Weiße Ring, die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, bezahlt. Sie hoffen, er bekommt Schmerzensgeld.

Kirsten Swane, die ihnen so viel hilft, nennen die Männer Mama Afrika. „Unser Dank reicht von der Erde bis zum Himmel“, so formuliert es Tesfu. „Sie hilft bei allem. Wenn das Sozialamt nein sagt, sagt sie ja.“ Und Habtom fügt hinzu: „Sie ist wie unsere Mutter.“ Kirsten Swane lacht. „Ich bin froh“, meint sie. Das sei doch besser als Mama Deutschland. „Sie freuen sich so, wenn ich etwas für sie organisieren kann“, sagt sie. So, wie kürzlich einige Laptops. Drei Lap-tops könnten sie jedoch noch gut gebrauchen. Die nutzen sie hauptsächlich, um Deutsch zu lernen. Aber auch ein größerer Kühlschrank, der richtig schließt, eine Mikrowelle, Töpfe und Besteck, vor allem Messer, fehlen in der WG. Kirsten Swane: „Wenn da jemand helfen kann, das wäre total toll“.

>Wer helfen kann, meldet sich bei den Verantwortlichen im Flüchtlingsbeirat, Sabine Axmann-Bruckmüller unter Tel. 04346/93  93  56 oder Christian Albrecht Schnarke unter Tel. 0431/31  18  26.




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