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Landtagswahl 2017 in SH : Daniel Günther gegen Serpil Midyatli: Der hart umkämpfte Wahlkreis Eckernförde

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CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther muss seinen Wahlkreis gegen SPD-Fraktionsvize Serpil Midyatli verteidigen. Im schlimmsten Fall fliegt er aus dem Landtag.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 16:15 Uhr

Gettorf | Norbert Koch schwört beim Plakatieren auf Kleister und Ponal. „Die Mischung hält so gut - wenn der Laternenpfahl umfällt, hängt das Plakat immer noch“, sagt der Ortsvorsitzende in der Gemeinde Gettorf bei Kiel. Der Sozialdemokrat macht klassischen Straßen-Wahlkampf in einem der voraussichtlich besonders umkämpften Wahlkreise der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai. Dort tritt für die SPD Fraktionsvize Serpil Midyatli an. Im zweiten Anlauf will sie CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther das Mandat entreißen.

Daniel Günther ist Herausforderer von dem amtierenden Ministerpräsidenten Torsten Albig. Laut neuester Umfrage holt die CDU auf. Im eigenen Wahlkreis könnte es für Günther eine Schlappe geben.

Günther könnte schlimmstenfalls ganz aus dem Parlament an der Förde fliegen, falls die Landesliste seiner Partei wie 2012 wieder nicht zieht - so erging es dem damaligen CDU-Spitzenkandidaten Jost de Jager.  Die Auszählung in der von Eckernförde bis an Kiel heranreichenden Region verspricht spannend zu werden. Vor fünf Jahren hatte Günther dort nur gut 1300 Stimmen mehr als Midyatli erhalten. „Dieses Mal wird er aber klarer gewinnen, denn er ist noch bekannter geworden“, ist der 19-jährige Felix Siegmon überzeugt. Der Ortschef der Jungen Union sieht „sehr gute Chancen“ für einen Regierungswechsel im Land.

Der ehemalige Chef der Schüler Union im Land hat über Themen wie Unterrichtsausfall den Weg in die Politik gefunden. „14 bis 20 Stunden pro Woche nimmt der Wahlkampf in Anspruch“, sagt Siegmon. Den „Trump-Effekt“, der nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten den Parteien hierzulande mehr Zulauf beschert, spürt auch er: „Man merkt, dass die Gesellschaft wieder politischer wird.“ Zwar sei das Feedback überwiegend positiv, „CDU ist doof“ hat der Bundesfreiwilligendienstleistende aber auch schon zu hören bekommen.

Während Siegmon das erste Mal Wahlkampf mitmacht, hat SPD-Mann Koch bereits reichlich Erfahrung. „Die Rückmeldungen sind deutlich positiver, bei der Europawahl war das längst nicht so gut“, sagt der 50-Jährige. Da habe es noch reichlich Kritik gegeben, jetzt gebe es auf der Straße Zuspruch. Koch spricht von einem „gewissen Ruck“ an der Basis, will das aber nicht nur am neuen Parteichef festmachen.

Denn: „Man spricht gar nicht so sehr über Martin Schulz in Gettorf.“ Mehr als fünf Stunden lang war Koch gemeinsam mit einem Parteifreund unterwegs, um zwei Dutzend Plakate aufzuhängen. „Wir haben nicht so dolle plakatiert wie die anderen“, sagt der Zollbeamte. Plakate seien später schließlich auch nur Müll. „Und ich bin nicht sicher, ob 100 Plakate wirklich mehr bringen als 20.“ Am Samstag (22. April) steht er wieder mit einem Stand in Gettorfs Fußgängerzone, damit Midyatli den Wahlkreis gewinnt und die SPD auch die nächste Regierung führt.

Auf den Wahlzetteln steht mit FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki aber noch ein weiterer prominenter Direktkandidat. „Das Problem, das wir hier im Wahlkreis haben, ist der Kubicki-Effekt“, sagt Siegmon von der Jungen Union. „Dadurch ist es hier relativ knapp.“

Und wie sehen beiden Kontrahenten ihre Chancen? „Ich habe meinen Wahlkreis bereits zwei mal gewonnen“, betont Günther. Die SPD werde dort immer nur vor Wahlen aktiv. „Der SPD-Vorsitzende Ralf Stegner hat das ja vor kurzem in seltener Offenheit zugegeben. Deshalb bin ich sicher, dass ich wiedergewählt werde.“

Midyatli verweist auf die ihrer Meinung nach gute Bilanz der seit 2012 regierenden Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW). „Und ich war immer - nicht nur in Wahlkampfzeiten - vor Ort für die Menschen da.“ Sie kenne die Sorgen der Menschen. Aber selbst, wenn sie Günther erneut unterliegen sollte: Ihr Landtagsmandat ist mit Listenplatz zwei ohnehin sicher.

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