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Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 10:47 Uhr

Grabpflege : Damit niemand vergisst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mitglieder der Reservistenkameradschaft pflegen seit einigen Tagen die Grabplatten von Gefallenen und Zwangsarbeitern auf dem Friedhof rund um die Borbyer Kirche.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2015 | 06:42 Uhr

Eckernförde | Vier Tage schon knien sie auf dem Friedhof an der Borbyer Kirche und schrubben und malen: Hubert Abts (67) und Karl-Heinz Reißner (71) von der Reservistenkameradschaft Eckernförde im Reservistenverband. Die beiden ehemaligen Zeit- und Berufssoldaten säubern die Grabplatten der Soldatengräber und ziehen mit Filzstiften die Inschriften nach – und sie sind noch lange nicht fertig. „Die Idee kam bei einem Spaziergang über den Friedhof“, erzählt Hubert Abts. „Die Inschriften der Platten waren gar nicht mehr zu lesen.“

Also sprach er mit Pastor Ole Halley und bot seine ehrenamtliche Hilfe an, Karl-Heinz Reißner war sofort mit von der Partie. Mit einem Hochdruckreiniger spritzten sie die 40 Platten ab und säuberten auch die Gedenkplatten am großen Holzkreuz, das über den Gräbern prangt. Auf der zentralen Steinplatte steht: „Ihren im Weltkriege 1914 bis 1918 Gefallenen – Die Kirchengemeinde Borby – Treue den Treuen“.

Aber nicht nur die Gefallenen des 1. Weltkrieges liegen hier, sondern auch einige Söhne der Stadt, die im 2. Weltkrieg ihr Leben ließen. Und auch Frauen und Kinder. Am 26. August 1942 zum Beispiel wurde eine ganze Familie ausgelöscht: Eine Mutter mit ihren sechs, vier und drei Jahre alten Kindern. „Auf einmal sieht man Namen, die man vorher gar nicht wahrgenommen hat“, wird Hubert Abts nachdenklich. „Unweigerlich fragt man sich dann: Wer war das? Und was ist mit ihm passiert?“

Ein anderes Unglück ereignete sich am 1. Mai 1941: Bomben fielen auf die Norderstraße und die Hasenheide, wahrscheinlich ein Notabwurf der alliierten Flieger. Dabei sind insgesamt sechs Personen gestorben, darunter auch Kinder. Auch ihre Grabplatten sind hier hinter der Borbyer Kirche zu sehen.

Nach dem Säubern und Abschleifen der Platten ziehen Hubert Abts und Karl-Heinz Reißner die Inschriften mit Filzstiften wieder nach. Dass das nicht lange halten wird, ist ihnen klar. „Vielleicht gibt es einen Lack, den man darüber sprühen kann“, meint Hubert Abts. Nur bei einem Grab mussten sie nicht aktiv werden. In diesem Fall scheint noch ein Angehöriger zu leben.

Wenn sie ihre Arbeit bei den Ehrengräbern erledigt haben, wollen sie sich auch der Grabsteine der verstorbenen Zwangsarbeiter annehmen: 24 von ihnen stehen in einer Ecke des Friedhofs in der Nähe der Richard-Vosgerau-Schule. Auch dort sind Frauen und Kinder dabei. Die Zwangsarbeiter haben damals nicht nur bei der Torpedo-Versuchsanstalt, sondern auch in Betrieben und in der Landwirtschaft gearbeitet.

Ihre ehrenamtliche Arbeit hat die beiden Mitglieder der Reservistenkameradschaft Demut gelehrt. „Unglaublich, dass es immer noch rechtsradikale Menschen gibt“, sagt Hubert Abts. Er schlägt vor: „Vielleicht sollte man mal in einem Gottesdienst ein Gebet für die Soldaten, die heute noch im Einsatz sind, integrieren und um ihre gesunde Rückkehr bitten.“

 

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