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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 10:44 Uhr

Dachs und Dachs

vom

Die Natur hält immer wieder Überraschungen für den aufmerksamen Beobachter bereit

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Über vierzig Jahre lang habe ich mit viel Leidenschaft das Weidwerk ausgeübt. Doch mit zunehmendem Alter und den damit verbundenen Schwächen bleibt mir nichts anderes übrig, als mich den Tatsachen anzupassen - was aber nicht bedeutet, dass mich die Jagd, mit allem was dazu gehört, nicht mehr interessiert. Tägliche Reviergänge mit Hund und offenen Augen schenken mir viele interessante Beobachtungen in Wald und Feld.

Auch Erinnerungen an Jagderlebnisse, manchmal auf Fotos festgehalten, kann mir niemand nehmen. Die heutige Geschichte "Dachs und Dachs" möchte ich kurz erklären: Das Foto zeigt zwei "Dachse". Der hübsche, junge Deutsch-Drahthaar-Rüde hat den Namen "Dachs von der hohen Geest". Er war nicht nur schön, sondern auch ein begabter, leicht führiger Rüde, der schon sehr jung die erforderlichen Prüfungen ablegte, die ein Jagdhund braucht, um im Jagdbetrieb arbeiten zu können. Er liegt auf dem Foto, neben einem echten Dachs - "Dachs und Dachs".

Selbst an der Natur interessierte Menschen bekommen nur selten einen Dachs zu sehen, denn er ist überwiegend nachts aktiv. Er gräbt und bewohnt einen Bau mit meist mehreren Kesseln. Oft haust er mit dem Fuchs nebeneinander. Der Dachs gehört zur Familie der Marder und erreicht im Herbst ein Gewicht bis zu 20 Kilogramm. Sein "Kern" ist essbar und geräuchert angeblich ein Leckerbissen. Am Tage steckt er in seinem Bau, den er bei Eintritt der Dunkelheit verlässt. Bevor es hell wird, sucht er ihn wieder auf.

Ich hatte allerdings einige Male das Glück, Dachse beim Ansitz beobachten zu können. Jungdachse sind im Sommer oftmals schon am Spätnachmittag in der Feldmark auf den Läufen. Sie leben von Mäusen, Insekten und Pflanzen. An jenem Spätnachmittag beobachtete ich zwei junge Dachse, wie sie eine Wiese gründlich nach Nahrung absuchten. Sie sind lebhafter und schneller auf den Läufen als die Alten, die doch einige Kilo mehr mit sich herum tragen.

An jenem Nachmittag habe ich eine für mich überraschende Entdeckung gemacht. Schon beim Aufstieg auf den Hochsitz sah ich direkt unter mir in der Erde eine Art Bienennest mit hellen klebrigen Waben. Noch konnte ich mir nicht erklären wie und von wem es hierher kam. Nachdem ich die jungen Dachse lange beobachtet und mich an ihnen erfreut hatte, verließ ich noch bei Tageslicht den Ansitz. Ich suchte die Wiese gründlich ab, besonders die Stellen, die auch von den Dachsen untersucht wurden. Da waren in regelmäßigen Abständen kleine Löcher. Mauselöcher? Vielleicht! Aber tief in diesen Löchern bemerkte ich die gleichen klebrigen Waben wie vorher unter dem Hochsitz. Das war eine Überraschung, denn in keinem der schlauen Bücher über Wildtiere stand geschrieben, dass Dachse auch Süßes mögen und Honig schlecken.

Das sind die schönen Momente, die man als Jäger erleben kann, und über die ich mich königlich freue. Aber nicht nur Jäger erleben solche Geschichten. Jeder aufmerksame Mensch, ob alt oder jung, der Sinn für die Natur hat, kann Überraschungen erleben. Allerdings gibt es auch Jäger, die blind durch die Landschaft gehen, denen das Gespür für die kleinen und kleinsten Dinge fehlt.

Dachs und Dachs lassen grüßen!

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