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Altes Gaswerk in Eckernförde : Cyanid-Belastung: Problem für die Nooröffnung?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gift im Boden auf dem Stadtwerke-Gelände in der Noorstraße hat jetzt die Grünen auf den Plan gerufen. Sie haben einen Fragenkatalog an den Bürgermeister geschickt und wollen das Thema öffentlich beraten.

Eckernförde | Cyanid – dieses Wort gewinnt bei der Nooröffnung eine besondere Bedeutung, zumindest für die Grünen. Das Gelände der Stadtwerke an der Noorstraße, wo ein neues Parkdeck entstehen soll, ist nämlich mit Cyanid belastet. Der tödliche Giftstoff – ein Salz der Blausäure – ist bis in die 40er-Jahre als Nebenprodukt bei der Herstellung von Stadtgas entstanden und hat den Boden kontaminiert. Jetzt fürchten die Grünen, dass das Gift im Zuge der Nooröffnung in das neue Fließgewässer und damit in die Ostsee gelangen könnte, und wollen das Thema im Umweltausschuss am 11. November behandeln.

So gut wie alle Standorte, an denen ehemals Stadtgas hergestellt wurde, sind mit Cyaniden belastet. „In Eckernförde wurde das Stadtwerkegelände an der Noorstraße im Zuge seiner Neubebauung in den 90er-Jahren entseucht“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens. Dabei ist der Boden ausgehoben und durch Kies ersetzt worden. Eine Gefahr für Menschen bestehe auf keinen Fall. Einmal jährlich wird das Grundwasser an dieser Stelle untersucht.

Zwar ist damit der am stärksten belastete Teil des Erdreichs entsorgt worden, doch Ausschwemmungen haben das Cyanid auch in die tieferen Schichten eingebracht. Und hier ist es bis heute festzustellen. „Cyanide bauen sich langfristig biologisch ab“, weiß Dietmar Steffens. „Aber langfristig baut sich auch ein Panzer ab.“

Eine besondere Form der chemischen Verbindung sind die „leicht freisetzbaren Cyanide“. Sie sind die einzigen, die von Organismen aufgenommen werden können, was sie so gefährlich macht. Ihre Konzentration im Grundwasser ist in diesem Jahr an einer Stelle mit 0,471 mg/l gemessen worden – das ist 94-mal so hoch wie der festgelegte Schwellenwert von 0,005 mg/l. Das Erstaunliche: Die Cyanidwerte schwanken im Verlauf der Jahre, was darauf zurückzuführen ist, dass sich durch chemische Prozesse aus vorhandenen gebundenen Cyaniden wieder leicht freisetzbare bilden können. Das verseuchte Grundwasser ist für Steffens kein Problem: Eine Verbindung zum Trinkwasser-Einflussgebiet habe es nicht.

Die Erkenntnisse, dass das Grundwasser zu hohe Messwerte aufweist, haben die Stadtwerke dazu veranlasst, auf das untere Halbgeschoss des geplanten Parkdecks zu verzichten, um nicht in die wasserführenden Schichten gehen zu müssen. „Wir hätten sonst für die unteren 30 Parkplätze extra eine Betonwanne bauen müssen, um die Etage vor dem Grundwasserdruck zu sichern. Das lohnt sich nicht.“ Somit wird das Parkhaus 180 statt 210 Plätze umfassen.

Die Grünen interessiert jetzt vor allen Dingen, ob das Stadtwerke-Gelände im Einzugsbereich der Wasserfläche der geplanten Nooröffnung liegt und ob daraus gegebenenfalls Risiken und Gefährdungen resultieren. Auch fragen sie nach der Gefährlichkeit der Stoffe für Mensch und Natur und wollen wissen, ob die Gefahr besteht, dass die Konzentration der Cyanide während der Bauarbeiten zur Nooröffnung stark ansteigt. Schließlich: „Wurden im Zuge der Baumaßnahmen und der damit verbundenen Arbeiten im Erdreich auf dem Gelände der Feuerwehr Untersuchungen der Böden durchgeführt und ebenfalls Cyanide nachgewiesen?“

„Es geht uns darum, dass dieses Thema offen diskutiert wird“, sagt Fraktionsvorsitzender Edgar Meyn, der einen Fragenkatalog an Bürgermeister Jörg Sibbel zur Beantwortung im Umweltausschuss am 11. November gesendet hat. „Die verseuchte Stelle liegt fünf Meter über dem Meeresspiegel. Vielleicht sickert das Cyanid über das Erdreich ins Fließgewässer.“ Ihn wundert, dass er als Vorsitzender des Umweltausschusses noch nie etwas von einem Wassermonitoring auf dem Stadtwerke-Gelände unterrichtet wurde. „Wir sollen die Hand heben für die Nooröffnung und für den Bau eines Parkhauses, dann will ich auch über alles informiert sein.“

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erstellt am 29.Okt.2014 | 06:44 Uhr

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