Kino-Projekt : Coop-Häuser unter Denkmalschutz

Der gesamte nördliche Teil der Reeperbahn bis zum Schulweg wird beidseitig unter Denkmalschutz gestellt. Dazu zählen auch die vier Gebäude, die zum Immobilienbestand von Coop gehören.  Fotos: Kühl
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Der gesamte nördliche Teil der Reeperbahn bis zum Schulweg wird beidseitig unter Denkmalschutz gestellt. Dazu zählen auch die vier Gebäude, die zum Immobilienbestand von Coop gehören. Fotos: Kühl

Das Landesdenkmalamt stuft das Gebäudeensemble als „Kulturdenkmal von besonderem Wert“ ein. Coop muss umplanen, hält aber am Sky-Kino-Projekt fest.

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22. März 2017, 06:40 Uhr

Eckernförde | Coop und Rewe müssen umplanen, um ihr Sky-Kino-Projekt in der Gartenstraße zu verwirklichen. Das ist das Ergebnis der Bewertung der umliegenden Gebäude durch das Landesamt für Denkmalpflege, das die gesamte Straßenflucht in der Reeperbahn vom Amtsgericht bis zum Parkplatz Gartenstraße sowie auch der gegenüberliegenden Seite mit dem Schulgebäude als Kulturdenkmal eingestuft hat und die Gebäude somit vor ungenehmigten baulichen Veränderungen oder gar einem Abriss bewahrt hat. Unter Denkmalschutz gestellt ist damit auch das vierteilige Gebäudeensemble, das an den Sky-Markt angrenzt und sich ebenfalls im Besitz der Kieler Handelsgenossenschaft Coop befindet. Im Zuge der Planung für den Neubau einer Sky-Markts mit Kinoetage direkt hinter den vier Gebäuden war vorgesehen, das Haus Reeperbahn Nr. 43 abzureißen, um dort eine neue Zufahrt für den Markt und die Kinos zu bauen. Das dürfte nach der Einstufung als Kulturdenkmal nun nicht mehr möglich sein.

„Wir möchten die Gebäude gerne erhalten“, sagte Landeskonservator Dr. Michael Paarmann gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Er stuft das Coop-Gebäudeensemble als „Kulturdenkmal von besonderem Wert“ ein und hat jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen für deren Schutz geschaffen. „Eine ausgesprochen beeindruckende Reihung hochkarätiger und außergewöhnlich gut gestalteter Gebäude, die den Straßenzug nachhaltig prägen“, lautet seine eindeutig positive Bewertung im Sinne des Denkmalschutzes. Die Reeperbahn insgesamt sei ein „mit prominenten Gebäuden bestückter und gut gestalteter Straßenzug, an dessen Erhalt mir viel gelegen ist“, so Paarmann.

„Wir haben unsere Aufgabe ernst genommen und recht schnell reagiert“, sagt der Landeskonservator, der im Zuge der Neuplanung des Sky-Kino-Projekts die Bewertung der Reeperbahn bei der Begutachtung von ganz Eckernförde vorgezogen hat. „Ein Abriss eines dieser Gebäude wäre ein echter Verlust.“ Gegen das Neubauprojekt habe er aus denkmalpflegerischer Sicht keine Einwände. Nur müsse jetzt eine Umplanung vorgenommen werden, da eine Zufahrt über das Haus Nr. 43 nicht mehr möglich ist. Paarmann ist nach den bisherigen Eindrücken überzeugt, dass es „durchaus Möglichkeiten gibt, Zugangsmöglichkeiten auch ohne Abriss zu schaffen und das Projekt unter Erhalt der Gebäude umzusetzen“.

Davon ist auch der Eckernförder Architekt Stefan Rimpf überzeugt, dem Coop den Planungsauftrag für das Großprojekt erteilt hat. „Wir müssen und werden Lösungen finden“, sagt Rimpf. Coop stehe trotz der erneuten Belastung voll hinter dem Projekt. Man werde jetzt zusammen mit der Verwaltung und der Denkmalpflege nach neuen Anbindungsmöglichkeiten suchen, die nicht zu Lasten der Gebäudesubstanz gehen. Rimpf zeigte sich allerdings überrascht, dass das Landesamt für Denkmalpflege in diesem Fall entgegen der üblichen Praxis so schnell entschieden hat.

Grundsätzlich ist diese Bewertung noch vor Gericht anfechtbar. Gleichwohl hofft Landeskonservator Dr. Paarmann, dass Coop diesen Weg nicht beschreitet. „Ich wünsche mir, dass man diese Bewertung ernst nimmt und gemeinsam nach anderen Lösungen sucht.“ Theoretisch können aber selbst Denkmale legal abgerissen werden, allerdings nur dann, wenn vom Eigentümer „eindeutige Nachweise erbracht werden, dass es unabdingbar ist“, erläutert der Experte.

Das Landesamt für Denkmalschutz bewertet derzeit ganz Eckernförde und darüber hinaus „viele Tausend Gebäude im ganzen Land“, betont Paarmann. Noch bis Juni diesen Jahres erfolgten die nach einer Gesetzesänderung notwendig gewordenen „Nachbewertungen“ von Gebäuden, die zur Eintragung in den Denkmalliste vorgesehen sind.

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