Marinestandort : Coole Eckernförder, besorgte Rostocker

Der Marinestützpunkt mit dem Kranzfelder Hafen wurde 1957 in Dienst gestellt und beherbergt neben dem 1. U-Boot-Geschwader auch die Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine (SEKM) , das Ausbildungszentrum U-Boote und andere Einheiten. Foto: Dewanger
Der Marinestützpunkt mit dem Kranzfelder Hafen wurde 1957 in Dienst gestellt und beherbergt neben dem 1. U-Boot-Geschwader auch die Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine (SEKM) , das Ausbildungszentrum U-Boote und andere Einheiten. Foto: Dewanger

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05. Februar 2011, 06:12 Uhr

Eckernförde/Rostock | In allen Marinestandorten hat das Spekulieren von Stadtvertretern über Dienstposten, Einheiten und die künftige Größenordnungen begonnen. Grundlage dafür sind die vermeintlichen Empfehlungen in dem Strukturpapier des Inspekteurs der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, der den Auftrag hat, die Teilstreitmacht zukunftsfähig zu machen. Doch erst im Sommer dürfte es erste offizielle Standortentscheidungen geben. Als zentrale Stützpunkthäfen baut die Marine auf Wilhelmshaven, Kiel und Rostock.

Auch der Marinestützpunkt Eckernförde ist von der Neustrukturierung betroffen: Zum einen soll der Stützpunkt seine Eigenständigkeit verlieren und künftig von Kiel aus geleitet werden, zum anderen könnte Eckernförde neuer Heimathafen des 1. Korvettengeschwaders werden, das derzeit noch in Rostock-Warnemünde festmacht (siehe EZ v. 4. Februar). Ersteres würde vermutlich die Verlagerung einiger Dienstposten nach sich ziehen, ohne aber die Substanz zu gefährden. Letzteres würde für den Marinehafen eine deutliche Aufwertung bedeuten, weil dann nicht nur fünf knapp 90 Meter lange Schiffe in Eckernförde festmachen, sondern auch knapp 300 Besatzungsmitglieder von der Warnow an die Eckernförder Bucht umziehen würden.

In Eckernförde hält sich die Marinespitze erwartungsgemäß zurück mit öffentlichen Stellungnahmen. "Wir werden uns an den Spekulationen nicht beteiligen", sagte gestern Stützpunktkommandeur Fregattenkapitän Heino Lingner auf EZ-Anfrage. Gleichwohl ließ er durchblicken, dass im Falle einer derartigen Entscheidung sich "einige Leute in Eckernförde freuen würden".

Sollte es tatsächlich zu einem Zulauf des 1. Korvettengeschwaders aus Rostock kommen, das derzeit über drei einsatzfähige Korvetten verfügt (zwei weitere sind in Planung), müsste der 1957 in Dienst gestellte Kranzfelder Hafen vermutlich erweitert werden. Fünf Korvetten mit den Ausmaßen 88,8 mal 13,2 Meter dürften in dem vorhandenen Hafenbecken kaum unterzubringen sein, es sei denn, der benachbarte WTD-Hafen könnte mitbenutzt werden. Wie auf dem Luftbild sichtbar, wäre zudem eine östliche Erweiterung des Marinehafens zumindest vorstellbar.

Doch solche Detailfragen sind verfrüht. Zunächst bleibt abzuwarten, wie sich die Admiralität mit dem Bundesverteidigungsminister verständigt und welche Standortentscheidungen bis zum Sommer getroffen werden.

In Rostock hat die Lokalredaktion der "Norddeutsche Neueste Nachrichten" gestern ebenfalls über das neue Marinekonzept berichtet. "Rathaus stemmt sich gegen Marine-Abzug" und "Sorge um den Standort Hohe Düne" sind die beiden Berichte überschrieben, in denen auf einen möglichen kräftigen Aderlass von insgesamt 1600 Dienstposten hingewiesen wird. Nach dem Strukturpapier könnte Rostock zwar "die zentrale Kommandobehörde der Marine" werden, müsste aber gleichzeitig "Einschnitte im Stützpunkt Hohe Düne hinnehmen", berichten die Kollegen. Vom möglichen Abzug des 1. Korvettengeschwaders war dort bis gestern noch keine Rede, wohl aber von der ersatzlosen Ausmusterung der zehn Schnellboote. Mehrere Rostocker Stadtvertreter kommen zu Wort, es wird auf die Bedeutung der Marine als "wichtiger Wirtschaftsfaktor" hingewiesen, die Stadt befürchte einen Verlust an Einwohnern und Wirtschaftskraft. Der Rostocker CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Neßelmann meinte, dass die Stadt sich "gerade jetzt weiter um eine positive Stimmung gegenüber dem Militär bemühen" müsse: "Wir müssen zusehen, dass die Marine das Gefühl hat, hier außerordentlich willkommen zu sein". Der FDP-Fraktionsvorsitzende Ulrich Seidel sagte, über den Standort Hohe Düne sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, schließlich sei Rostock geografisch und strategisch ideal gelegen. Rostocks Oberbürgermeister Roland Mehtling kündigte an, Rostocks Interessen "auf allen Ebenen offensiv" zu vertreten.

Angesichts der nicht unbegründeten Sorgen der Rostocker befinden sich die Eckernförder Marinekollegen in einer deutlich komfortableren Lage und können den Strukturentscheidungen am als gesichert geltenden Standort relativ gelassen entgegensehen.

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