Stadthalle wird zur Jazzwelt : Chris Barber – Die Legende lebt

Der fast 88-jährige Chris Barber (r.) und seine Musiker begeisterten das Publikum mit ihrem Spiel.
Der fast 88-jährige Chris Barber (r.) und seine Musiker begeisterten das Publikum mit ihrem Spiel.

Knapp 500 Besucher wollten am Sonnabendabend Chris Barber und seine Band live erleben. Jazz, Dixieland, Blues – die perfekten Musiker begeisterten mit großer Freude an der Improvisation.

shz.de von
15. Januar 2018, 05:56 Uhr

Eckernförde | Weitere zwölf Konzerte bis Anfang Mai hat Chris Barber auf dem Plan. Eine große Leistung für den Musiker, der am 17. April seinen 88. Geburtstag feiern kann. Ungebrochen, geradezu sensationell ist das Interesse an seiner Musik: Alle Plätze in der Stadthalle waren ausverkauft, es wurden sogar noch Zusatzstühle bereit gestellt, so dass knapp 500 Fans Platz fanden.

Bis kurz vor Konzertbeginn noch am CD-Stand, nun auf der Bühne: Auftrittsapplaus für Chris Barber, den Mann mit der Posaune. Unaufgeregt – wie sollte er das nach so vielen Jahrzehnten Konzerterfahrung auch noch sein – begrüßte er in gewohnt nuscheliger Weise sein Publikum. Daran konnte auch Betty Evans, verantwortlich für den sonst herausragend klaren Musik-Ton in der Stadthalle, nichts ändern. Um zu erkennen, was gemeint war, musste man schon genau hinhören und eigentlich auch wissen, was er sagte: Vorstellung der Band, des Programms und Rückblicke in eine Musik- und Jazzgeschichte mit ihren Wurzeln und Stilen.

Egal, was sie spielten – Bourbon Street Parade bis Jubilee Stomp in voller Zehn-Mann-Besetzung oder im Sextett mit Chris Barbers Gesang (unter anderem Take My Hand, Precious Lord), dem Wild Cat Blues , East St. Louis Toodle-Oo): Hier spielte mit Freude ein perfekt aufeinander eingeschworenes Team. Super-eingespielt, mit edlen Feinheiten. Mit Routine, aber nicht cool routiniert, immer lebendig und gelassen. Geniale Improvisationen, gewachsene Übergänge. Scheinbar mühelos und sicher wechselten sich die Männer in ihren Soli ab. Reichlich „Bravo“ und Beifall gab es dafür vom Kennerpublikum.

Ob fetzig oder sanft gespielt – auf dem Punkt war die kleine Big Band immer. Einfach zum Schwärmen. Bläsersätze von Klarinetten, Saxofonen, Trompeten - wunderbar. Und Rhythmus, der keine Fußspitzen ruhig ließ. Zwischendurch immer wieder Chris Barbers Ansagen. Mit viel Humor führte er durch den Abend.

Chris Barber ist viel mehr als nur ein Name, eine Legende, die ihrem Ruf voll gerecht wurde. Wie der ganze Abend. Nebenbei war es auch ein Wandertag für die Musiker: Wer nichts zu spielen hatte, ging hinter den Vorhang und kam taktgenau zurück zu seinem Einsatz am richtigen Mikrofon! Alles klappte und stimmte bestens. Lob einer Besucherin in der Pause: „Super. Vielen Dank!“ Auch hier waren die Musiker wieder beim CD-Verkauf im Dienst. Bereit für Selfies, Fotos und Gespräche. Es gab viele Begegnungen mit Musikern, die in früheren Jahren mit Chris Barber auf einem seiner ungezählten Auftritte im Land auf der Bühne gestanden hatten. Den zweiten Konzertteil bestimmte „Blues“ in Varianten mit Schwerpunkt auf Duke-Ellington-Werke. Sogar der „All Blues“ von Miles Davis war dabei. Nichts mehr von den Dixieland-Wurzeln zu spüren – obwohl Barbers Mannen auch darin – wie zum Schluss in der Zugabe mit „Ice-Cream“ gezeigt, zuhause sind. Vorher hatte die Barber Big Band mit „Petite Fleur“ (endlich!) und „When The Saints Go Marching In“ noch einmal zu einer Reise durch Jazz-Zeiten und Stile eingeladen. Überzeugend! Begeisternd! Die Legende lebt! Stehender Applaus!




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