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besuch aus dem reich der mitte : Chinesen lieben Schubyer Milch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine 24-köpfige Delegation aus Tianjin informiert sich auf dem Hof von Jens Joost über die Milchproduktion und Stallhaltung. Chinesische Mütter bevorzugen ausländische Babynahrung.

Schuby | Auf den Schwansener Höfen kommt es nicht oft vor, dass die chinesische Nationalflagge gehisst wird. Dass sie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Jens und Silke Joost (Hof Joost) in Schuby in der Gemeinde Dörphof oberhalb der deutschen, der schleswig-holsteinischen und der europäischen Flagge aufgezogen war, lag daran, dass der Hof am Sonntag Besuch aus dem Reich der Mitte erhielt. 24 Unternehmensberater und Investoren aus der nördlichen Provinz Tianjin kamen auf Empfehlung der Firma Kappelner „Cremilk“, die für China ein wichtiger Lieferant für hochwertige Säuglingsnahrung ist. Seit 90 Jahren ist der Betrieb auf die Sprühtrocknung hochwertiger Lebensmittel wie Säuglingsnahrung, diabetische Lebensmittel und Creamer auf der Basis von Milch spezialisiert. Die Milch stammt ausschließlich von nahegelegenen Höfen der Nord- und Ostseeregion. Dadurch wird eine hohe Regionalität und höchste Milchqualität gewährleistet.

„Chinesische Mütter kaufen kaum Babynahrung aus eigener, heimischer Produktion, weil sie an der Qualität zweifeln“, erklärte Joost. Daher sind ausländische Lieferanten gefragt. Und da kommt die „Cremilk“ als Partner ins Spiel. Sie ist für China ein wichtiger Handelspartner in Sachen Säuglings- und Babynahrung. Der Hof Joost wiederum ist einer der Zulieferbetriebe für die Cremilk – das schon seit 25 Jahren. Er liefert mit seinen 160 Milchkühen 1,5 Millionen Liter Milch pro Jahr. Daraus werden durch Sprühtrocknung 20    000 Tonnen Milchpulver für Babynahrung. Das sind rund drei Prozent der Jahresproduktion der „Cremilk“.

Vermutlich auch deshalb hat die Firmenleitung den Hof Joost ausgewählt, als sich die Delegation aus China in Kappeln zu Besuch angesagt hatte. Es ist bereits der zweite Besuch einer chinesischen Abordnung. 2014 waren knapp 50 Gäste aus China zur Hofbesichtigung gekommen. In diesem Jahr hatten die chinesischen Gäste ein Filmteam mitgebracht, das einen Film über „Milchproduktion in Deutschland“ drehen möchte. Begrüßt wurden die Gäste von Jens Joost und seiner Familie direkt unter ihrer Heimatflagge. Danach ging es in den Stall.

120 der 160 Milchkühe des Hofes werden vollautomatisch von zwei Lely-Robotern gemolken, die restlichen 40 am Melkstand. Dies ist die Arbeit von Silke Joost. Der Melkstand war dann auch die erste Station. Hier erfuhren die Gäste, dass die heutigen Kühe rund 9500 Liter Milch pro Jahr liefern, das entspricht 34 Litern am Tag.

Im Anschluss wurde der Lely-Roboter in Aktion gezeigt. Die Besucher staunten, dass die Kühe ganz ohne menschliches Zutun alleine zum Melken erschienen. Euter säubern, anschließend Melken, all das erledigte der Melkroboter ganz allein. „Bis zu vier Mal am Tag“, wie Jens Joost bei der Führung erklärte.

Auch über die Zusammensetzung des Futters wurden die Gäste informiert. Die Kühe in der Melkphase (zehn Monate im Jahr) erhalten eine Mischung aus je 5o Prozent Gras- und Maissilage, angereichert mit Rapsschrot und einem Zusatz von Milchleistungsfutter.

Die Tiere in der Trockenphase, die zwei Monate nicht gemolken werden, erhalten die gleiche Mischung mit einem Zusatz von Stroh, damit die Verdauung angeregt wird. Jungtiere werden ausschließlich mit Gras- und Maissilage gefüttert. Für die Versorgung ist der Senior-Chef Jürgen Joost als Futtermeister für die gesamte Rinderherde zuständig. Das jeweilige Futterrezept allerdings mischt der Betriebs-PC.

Für die Besucher aus China war ein deutscher Bauernhof offensichtlich Neuland. Sie fotografierten alles und jeden, ließen sich alles genau erklären und stellten viele Fragen. So wurde die auf eine Stunde angesetzte Betriebsführung mit fast vier Stunden deutlich verlängert. Dennoch fand Jens Joost noch genügend Zeit, seinen Gästen die zum Hof gehörige Photovoltaik- und Biogasanlage vorzustellen. Die Biogasanlage kann bis zu 1000 Haushalte mit Strom versorgen.

Nicht nur die Chinesen staunten darüber, dass die gesamte anstehende Arbeit von Silke und Jens Joost (staatl. geprüfter Landwirt) als Betriebsleiter, den vier mithelfenden Söhnen im Alter von 20, 18, 16 und neun Jahren, Seniorchef Jürgen Joost, zwei Aushilfen und bis zu zwei Azubis geleistet wird. Das wiederum ist nur mit weitgehender Automatisierung der Betriebsabläufe zu schaffen. Die Besucher aus dem Reich der Mitte waren mehr als beeindruckt.




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