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Interview : Chefvisite: Der Nachwuchs stellt Fragen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bürgermeisterrunde zum zehnjährigen KiNa-Geburtstag im Rathaus: Ecktown City-Bürgermeister Ilvy Engel und Felix Höneise interviewen Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel.

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erstellt am 07.Apr.2017 | 06:17 Uhr

Eckernförde | Ilvy Engel (11) und Felix Höneise (12) wissen, wie es ist, Bürgermeister zu sein. Ilvy war 2015 Bürgermeisterin der Kinderstadt „Ecktown City“, Felix 2016. Es ging dort sehr turbulent zu, ihre Handschrift war aber deutlich zu erkennen. Ilvy und Felix, die beide die Klasse 6a der Peter-Ustinov-Schule besuchen, haben am vergangenen Dienstag eine knappe halbe Stunde mit ihrem „Amtskollegen“, Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel, sprechen können und ihm anlässlich des zehnjährigen Geburtstages der „Kindernachrichten“ (KiNa) zehn Fragen gestellt.

Was war Ihr erster Gedanke zur Kinderstadt Ecktown City, und wie finden Sie es jetzt?

Jörg Sibbel: Ich war von Anfang an von der Idee begeistert und überzeugt, dass es ein Erfolg werden würde. Ich finde, es ist ein ganz toller Ansatz, den Kindern und Jugendlichen näher zu bringen und praktisch zu vermitteln, wie eine Stadt funktioniert. Dort gibt es nicht nur einen Bürgermeister, man benötigt auch eine Währung, Kreditinstitute und Einkaufsmöglichkeiten. Es ist nicht nur ein besonderes Angebot in den Sommerferien, sondern es ist auch ein toller Ansatz, den Kindern zu vermitteln, welche Strukturen und Aufgaben eine Stadt hat.

Haben Sie sich schon immer für Politik und das Bürgermeisteramt interessiert?

Ja, ich war schon immer ein politischer Mensch, auch in der Jugend. Ich war vielseitig interessiert, habe Zeitungen gelesen und die Nachrichten auf Landes-, Bundes- und auch europäischer Ebene verfolgt. Ich habe damals das Gymnasium besucht, ein Leistungskurs von mir war Geschichte. Auch die deutsche Geschichte mit den Ost-Verträgen, Willy Brandt als Bundeskanzler, das alles hat mich sehr interessiert.

Wie finden Sie eigentlich Eckernförde?

Eckernförde ist eine schöne und attraktive Stadt, die liebens- und lebenswert ist. Sie zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Bürger gerne und auch bewusst hier leben und sich stark mit der Stadt identifizieren. Es ist nicht nur die schöne Lage am Wasser, die Eckernförder Bucht und das Windebyer Noor, sondern ich finde auch die persönlichen Strukturen in der Stadt sehr schön. Ebenso das ausgeprägte Kunst- und Kulturangebot, Green Screen und viele andere Dinge machen Eckernförde aus. Deswegen ist Eckernförde für mich eine sehr reizvolle, aber auch aufstrebende Stadt, weil wir in den vergangenen Jahren sehr viel zur Attraktivitätssteigerung unserer Stadt beitragen konnten.

Wollen Sie Eckernförde für Kinder und Jugendliche noch attraktiver machen?

Ja, das ist sicher ein Punkt, an dem man immer noch besser werden kann. Ein großes Thema für mich ist bezahlbarer Wohnraum für alle Generationen und alle Geldbeutel. Weil wir so attraktiv geworden sind, werden die Wohnungen immer teurer, und nicht jeder kann es sich erlauben, in Eckernförde zu leben. Seien es alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern oder ältere Menschen mit geringen Renten. Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen mehr sozial geförderten Wohnraum in Eckernförde schaffen. Das Thema Kinder und Jugendliche hängt damit zusammen, weil es durch die hohen Immobilienpreise gerade für junge Familien schwerer wird, in Eckernförde zu wohnen oder ein Haus zu bauen. Das führt dazu, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung geringer geworden ist. Das ist ein Teufelskreis, weil dann auch die Angebote für Kinder und Jugendliche eher weniger werden. Da müssen wir was machen. Wir haben zwar schon gute Angebote, aber wir können auf jeden Fall noch besser werden. Das Sportangebot ist gut und vielfältig, aber bei den anderen Freizeitmöglichkeiten müssen wir besser werden, dazu zählt auch ein kommerzielles Kino.

Welche Lösungen für das Kino fanden Sie denn am besten?

Wir sollten zeitnah und in der Innenstadt ein kommerzielles Kino schaffen. Vor einiger Zeit haben wir nach umfangreicher Standortsuche den Bau eines Kinos mit Einzelhandel im Skaterpark am Schulweg vorgeschlagen. Das wären fünf Kinosäle mit 700 Plätzen gewesen, dazu ein Verbrauchermarkt, 50 Arbeitsplätze wären entstanden, Investitionsvolumen acht Millionen Euro. Wir hätten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ein kommerzielles Kino für Kinder und Jugendliche, aber auch für unsere Bürger und Gäste und ein besseres Nahversorgungsangebot für unsere Innenstadt, nachdem Markant und Aldi ihre Märkte hier geschlossen haben.

Sind Sie eher für neue Technik oder eher der Meinung, dass früher war alles besser war?

Ich bin für neue Techniken aufgeschlossen. Ich mache fast alle neuen technischen Entwicklungen mit. Ich bin zwar nicht auf Facebook unterwegs, aber weiß schon mit Smartphone und Tablet umzugehen. Auch zuhause bin ich mit dem Rathaus digital vernetzt, so dass ich rund um die Uhr Dinge bearbeiten kann.

Was war früher als Kind ihr Traumberuf?

Ich wollte immer gerne Polizist werden. Auch noch mit 13, 14 Jahren. Vielleicht wäre ich auch zur Polizei gegangen. Es ist aber daran gescheitert, weil ich als Kind kurzsichtig war und schon mit 12 Jahren eine Brille getragen habe. Die Aufnahmekriterien bei der Polizei waren streng und Kurzsichtigkeit war damals ein Ausschlusskriterium, deswegen habe ich das auch nicht weiter verfolgt.

Durften Sie die Polizei denn schon mal besuchen?

Ja, ich habe viele Freunde und Bekannte bei der Polizei. Wir haben einen engen Draht zur Polizei in Eckernförde. Einer meiner besten Freunde ist auch Polizist, von daher bekomme ich da viel mit.

Wären Sie als Kind gerne auch in so einer Stadt gewesen wie Ecktown City?

Ja, wenn es das damals gegeben hätte, wäre ich sicherlich dabei gewesen. Ich finde es absolut super. Die Stimmung in der Stadt ist klasse. Ein großes Dankeschön an alle ehrenamtlichen Akteure, die das jedes Jahr ermöglichen.

Wie stehen Sie zum Thema Naturschutz?

Naturschutz ist sehr wichtig. Wir sind eine der ersten Städte unserer Größenordnung gewesen, die einen hauptamtlichen Naturschutzbeauftragten eingestellt haben, Herrn Packschies. Wir sind Bundesumwelthauptstadt geworden und werden seit Jahren permanent bundesweit ausgezeichnet. Wir haben damals unsere Stadtplanung verändert, um die Natur zu schützen. Damals wollte man Borby im Norden mit neuen Wohngebieten stark bebauen. Dann hat man die ganzen Flächen hinsichtlich des Naturschutzes bewertet und festgestellt, dass im Norden, also in Borby, die ökologisch höherwertigen Flächen liegen, die nicht zerstört werden sollten, während im Süden eher ökologisch geringwertigere Ackerflächen lagen. Deswegen hat man die Stadtplanung komplett umgekrempelt, um die Natur im Norden zu schützen. Wir haben in Eckernförde immer gezeigt, dass Ökologie und Ökonomie gut miteinander verknüpft werden können. Eine Herausforderung ist für uns der Hochwasserschutz, weil der Meeresspiegel durch den Klimawandel ansteigt. Wir müssen die Innenstadt und Altstadt noch besser schützen als bisher.

Vielen Dank für das Gespräch sagen Ilvy und Felix

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