Lange Nacht : Bunte Musik, kämpfende Instrumente

Das Wellenbad war in blaues Licht getaucht, die Musik hallte von Wänden und Wasseroberfläche wider.
1 von 2
Das Wellenbad war in blaues Licht getaucht, die Musik hallte von Wänden und Wasseroberfläche wider.

Die Lange Nacht der Musik bot noch nie in Eckernförde Dagewesenes: eine überwältigende Verbindung von Licht und Musik im Wellenbad und frische Töne und gewagte Kombinationen in der Galerie 66.

Avatar_shz von
26. November 2013, 05:48 Uhr

Soviel musikalisch Neues, sogar bei freiem Eintritt, erlebt man nur bei der „Langen Nacht“: Am Sonnabend fand die vierte und letzte lange Nacht statt. Diesmal stand sie ganz im Zeichen der Musik.

Die ungewöhnlichste und in Eckernförde noch nie gesehene Veranstaltung fand im Wellenbad statt. Ab 19 Uhr stimmte „Sambafish“ – sechs Rhythmus-Könner unter der Anleitung von Frank Arff – im Foyer auf das „Sei mir ein großes Licht“ ein. Das ganz in blaues Licht getauchte Schwimmbad ließ bis dahin Ungehörtes erwarten.

Kay Kankowski und Holger Ceglars hatten für ihre Licht-und Musikinstallation mittendrin eine Klangpyramide und kräftige Lautsprecher aufgestellt. Was sonst für Musikwiedergabe ungünstig ist – der Hall im Hallenbad – wurde hier genutzt, um die elektronischen Klänge, von der Wasseroberfläche und den glatten Glaswänden reflektiert, im Raum zu verteilen.

Zuvor hatte der Kieler Maler, Zeichner und Grafiker Franny Petersen-Storch Einführungen zu den vier, je zwölf Minuten langen Teilen, des neuen Licht- und Akustik-Kunstwerks gegeben. Jeder Farbe (rot, grün, blau und unbunt [weiß]) wurden aus dem Computer bestimmte Farbklänge zugeordnet. Sie waren laut und deutlich hörbar.

Etwas klein wirkten dagegen die Klangprojektionen der Pyramide: Minimale Bewegungen kleiner Farbflecken im Takt der Klangänderungen, aber bei weitem nicht so bewegend wie die lauten, elektronischen Waberklänge mit ihren kräftigen Bässen. Dazu das körperliche Erlebnis im Wellenbad bei 32 Grad Raumtemperatur in Herbst-Kälte erprobter Novemberkleidung: Das bedeutete Schwitzen im Stehen mit Klängen, die man besser in Badehose auf den Kunststoffliegen genießen sollte, um die Welt draußen zu vergessen. Ein unvergessliches Hörerlebnis, eigentlich unbezahlbar.


Sinnliches Erlebnis beim Kampf der Instrumente


Waren Klänge und Wellenbad einzigartig im Zusammenhang mit „Musik“, zeichnete sich „Drei-Klang-Raum-Zeit“ in der Galerie 66 durch Abwechslung aus. Angefangen mit überwältigenden Sambarhythmen der gerade aus dem Wellenband herübergeeilten „Sambafish“- Gruppe, die auf dem Punkt Akzente setzte, stellten Maike Salzmann (Akkordeon) und Matthias Hahn-Engel (Cello) klangsinnlich, gepflegt und kultiviert, mit ihrem sensiblen Spiel wieder gewohnte Musikwelten her: Zwei Könner auf ihren Instrumenten führten zurück in traditionelle, ruhigere Musikwelten. Darin ein Walzer von Dimitri Schostakowitsch, ein Werk der französischen Akkordeon-Künstlerin Lydie Auvray, ein Tango Nuevo von Astor Piazzolla und ein finnischer Tango von Toivo Kärki: Entspannung fürs Gehör und Balsam für die Seele.

Noch leiser erklang das darauf folgende, 2012 entstandene „Ira-Arca“ des in Österreich wirkenden und vielfach prämierten Komponisten Beat Furrer. Heiko Maschmann auf dem großen 5-Saiten-Kontrabass und Beatrix Wagner mit Bass- und normaler Querflöte zeigten aus der Stille heraus den Kampf zweier Instrumente und Musikthemen um ihre Vorherrschaft. Dazu wurden Saiten zärtlich gestrichen oder mit dem Holz des Bogens angestupft; Beatrix Wagner atmete, spotzte, hauchte und sang in ihre Flöten, ließ dazu die Klappen flattern: Interessant zu hören und zu sehen, aber mit 15 Minuten doch eine Geduldsprobe.

Das gilt noch mehr für die Flötenduos von Friedrich Kuhlau (1786-1832): Gesche Clasen (Querflöte) und David Shamban (Cello) drehten innerhalb von Minuten das musikalische Zeitrad über 200 Jahre zurück: Allerdings mit Trick. Die Übungsstücke Kuhlaus als Experiment, in dem die zweite Flöte vom Cello übernommen wird. Die gewagte Kombination ist nicht gelungen. So schnell wie eine Querflöte von Tonhöhen zu -tiefen und zurück laufen kann, ist es mit dem Cello nicht möglich. Selbst David Shambam als Meister seines Instrumentes konnte bei weitem weder das geforderte Tempo noch die Tonreinheit erreichen, die Gesche Clasen gerade vorher mit Leichtigkeit auf ihrem Instrument gezeigt hatte. Kuhlaus Flötensonate entpuppte sich so wieder einmal als Übungs- und Trainigsstück, das für die Künstler an ihren Instrumenten interessanter ist als für die Zuhörer. Was Beat Furrer mit neuen Spieltechniken und Instrumentenbehandlung anregte, waren bei Friedrich Kuhlau größtenteils Geläufigkeitsübungen im Rahmen traditioneller Musiker-Handwerkskunst. Auch sie erforderten zuviel Geduld beim Zuhören. Dennoch: Der Beifall für das Experiment war verdient – schon allein wegen des Fleißes beim Einstudieren der Kuhlau-Werke, die selten aufgeführt werden. An diesem Abend konnte sich jeder selbst ein Urteil darüber bilden, ob zu Recht oder nicht.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen