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Nach der Wehrpflicht : Bundeswehr auf Nachwuchssuche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit der Abschaffung der Wehrpflicht kämpft die Bundeswehr mit Nachwuchssorgen – auch in Eckernförde. Doch neue Werbekampagnen zeigen erste Erfolge und bestätigen die Streitkräfte darin, neue Wege in der Nachwuchsrekrutierung zu gehen.

Eckernförde | Die Bundeswehr braucht Verstärkung: Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 ist es schwieriger geworden, junge Menschen für den Dienst am Vaterland zu begeistern. Das macht sich auch in Eckernförde bemerkbar: Bei den U-Boot-Fahrern sind nach EZ-Informationen rund 30 Prozent der Dienstposten nicht besetzt, und bei den Spezialisierten Einsatzkräften der Marine (SEK M) – dem Bataillon, in dem die Kampfschwimmer, Minentaucher und Boardingsicherungssoldaten zu Hause sind – sind 36 Prozent der Dienstposten frei.

Allerdings sind das keine Einzelfälle, auch in anderen Bereichen fehlen die Soldaten. Bundesweit haben laut Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) im Jahr 2005 noch 22 600 Frauen und Männer freiwilligen Wehrdienst geleistet, im Jahr 2012 waren es nur noch 11.100 – weniger als die Hälfte. Zwar wurde auch die Bundeswehr personell reduziert, aber nicht in diesem Ausmaß. Die Wehrpflicht war auch Werbung für die Truppe: Es kamen unter anderem junge Menschen, die sich eine Karriere bei den Streitkräften anfangs nicht vorstellen konnten, dann aber die Bundeswehr als interessanten Arbeitgeber kennen lernten und blieben. So wie Kapitänleutnant Klaus-Uwe Haber (49), Leiter des Truppenbesuchszentrums in Kiel: „Ohne die Wehrpflicht wäre ich nicht zur Bundeswehr gekommen.“

Hinzu kommt der demografische Wandel: Während im Jahr 1990 laut Statistischem Bundesamt noch 906.000 Geburten verzeichnet wurden, waren es 2012 nur noch 67.400. Weitere Gründe gibt es bei körperlich anstrengenden Verwendungen wie denen der Kampfschwimmer und Minentaucher, weiß Wilfried Hoffmann: „Die Leistungsfähigkeit der jungen Menschen hat abgenommen.“ Der Stabsbootsmann (50) aus dem Personalwerbetrupp der SEK M hat jahrelang Minentaucher ausgebildet. „Während die Kinder früher im Wald auf Bäume kletterten und damit eine Art Krafttraining betrieben, sitzen die Kinder heute lieber vor dem Computer.“ In einzelnen Bereichen wurde darauf reagiert und Vorbereitungslehrgänge angeboten, die junge Soldaten körperlich für die Ausbildung fit machen sollten.

Die Bundeswehr ist also nicht untätig. Die Kosten für die Nachwuchswerbung sind laut Verteidigungsministerium im Jahre 2012 von zuvor 16 auf 29 Millionen Euro gestiegen. Von diesen Geldern werden unter anderem Informationsstände auf Messen und Werbekampagnen in Radio und Fernsehen finanziert. Auch das Engagement im Internet mit aktuellen Berichten und Videos ist verstärkt worden.

Erfolge haben sich schon eingestellt, zum Beispiel mit der Personaloffensive „Marine live“ im August und September. 800 Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren haben in Kiel ein dreitägiges Praktikum inklusive Seefahrt absolviert. Erste Einstellungen von Teilnehmern aufgrund dieser Werbung hat es schon gegeben. Weitere Aktionen sind für nächstes Jahr geplant.

Die SEK M in Eckernförde bieten potenziellem Nachwuchs ein einwöchiges Berufsorientierungspraktikum an. Auf großen Tafeln an der Preußerkaserne und vor der WDT 71 am Südstrand wird um Nachwuchs für die U-Boot-Fahrer und Marineschutzkräfte geworben. Denn auch wenn es personell bei den Marineschutzkräften in der Preußerkaserne besser aussieht – im Bereich der Mannschaftdienstgrade sind auch hier Stellen unbesetzt.

Die Bundeswehr hat erkannt, dass sie bei dem Wettkampf um Nachwuchs neue Wege gehen muss und entsprechend reagiert. Ob die Werbemaßnahmen ausreichen, wird zurzeit evaluiert. Mit konkreten Ergebnissen ist wohl erst im kommenden Jahr zu rechnen.

> www.bundeswehr-karriere.de >Karriere-Hotline: 0800/9 80 08 80


 

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erstellt am 12.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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