Gemeindesitzung : Bürgerwindpark für Loose bleibt Ziel

Beim  Bürgerwindpark  Loose  sind vier bis sechs Anlagen im Gespräch - hier ein Windpark im Kaiser-Wilhelm-Koog. Foto: dpa
Beim Bürgerwindpark Loose sind vier bis sechs Anlagen im Gespräch - hier ein Windpark im Kaiser-Wilhelm-Koog. Foto: dpa

Meinungsverschiedenheiten bei Partnern / Vorwurf, man habe Öffentlichkeit nicht genug informiert zurückgewiesen

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20. April 2013, 07:02 Uhr

loose | Was wird aus dem Bürgerwindpark Loose? Auf Antworten hatten rund 30 Bürger bei der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag in der BBS gehofft. Nachdem zuletzt Gerüchte die Runde machten, dass einer der Landeigentümer aus der Planungs GbR Bürgerenergiepark Schlei Ostsee aussteigen wolle (wir berichteten), war das Interesse groß. Daher ergänzte Bürgermeister Gerd Feige die Tagesordnung um einen Punkt, in dem der Sachstand Windpark gegeben werden konnte.

Marten Jensen, einer der beiden Energietechniker der Naturenergiekonzept GmbH (NEK) und Mitglied der Planungs GbR bestätigte, dass derzeit zwischen den Partnern einige Meinungsverschiedenheiten bestünden. Das Ziel aller sei aber weiterhin, einen Bürgerwindpark auf der Looser und Waabser Windeignungsfläche zu errichten. Mitglied der Planungs GbR sind die Landeigentümer Jürgen Kirberg, Dirk Weiland und Kurt Jürgen Carl sowie die Energietechniker Sönke Martensen und Marten Jensen von der NEK. Einzig Kurt Jürgen Carl stellte öffentlich fest, dass es intern viel Einigkeit gebe, aber eben auch einen strittigen Punkt.

Auf die Kritik aus dem Publikum, warum nicht längst der für spätestens März angekündigte Prospekt für das Vorhaben vorliege oder die Öffentlichkeit über Veränderungen informiert wurde, stellte Jensen fest, dass sich die politischen Rahmenbedingungen schneller zu ändern drohten. Es seien derzeit keine verlässlichen Angaben zu machen. Auch sei noch nicht klar, wie viele Windkraftanlagen realisiert werden, die Zahl schwankt zwischen vier und sechs. Zudem sei damit zu rechnen, dass die sogenannte Strompreisbremse von der nächsten Bundesregierung beschlossen werde. Diese könnte rückwirkend ab 1. August 2013 gelten, so Jensen. Die Anpassung sehe wohl vor, die garantierte Einspeisevergütung von zurzeit 10 Cent je Kilowattstunde (KWh) Windstrom in Norddeutschland auf 6 Cent zu senken. Die Laufzeit werde im Gegenzug von zehn auf 20 Jahre verlängert. Zusätzlich werde eventuell die Streichung der Ausfallzahlung für nicht eingespeisten Windstrom reduziert.

Auch werde die Einrichtung des Bürgerwindparks durch eine EU-Richtlinie betroffen, die als AIFM-Anlegerschutzgesetz erwartet wird, so Jensen. Diese weise massive Nachteile für Bürgerbeteiligungen auf und fördere Großinvestoren. So soll sie unter anderem vorsehen, dass die Mindesteinlage bei 20 000 Euro liegt und die Eigenkapitalquote auf 40 Prozent (bisher zehn bis 20 Prozent) steigt. Nur wenn es gelinge, das nötige Eigenkapital bis zum 22. Juli zusammen zu bekommen, sei man noch nicht an das AIFM gebunden. Bisher war man bei sechs Anlagen von rund 30 Millionen Euro Gesamtinvestition ausgegangen. All das seien keine Bedingungen, die einer verlässlichen Planung und Realisierung des Bürgerwindparks dienten.

Ob damit der Windpark für Loose gestorben sei, wollte ein Bürger wissen. Nach wie vor werde die Errichtung eines Windparks mit Bürgerbeteiligung angestrebt, hieß es. Es bestehe die Möglichkeit, dass die GbR deutlich stärker in Vorleistung geht und den Windpark selber baut. Dann sei das Anlegerschutzgesetz AIFM ohne Auswirkung und Bürger könnten wie geplant Anteile erwerben. Vorteil wäre, dass dann Kosten und Rendite bekannt seien. Zuvor aber müssten intern Lösungen gefunden werden.

Den Vorwurf, man habe die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert, wies Martensen zurück. Sie seien es gewesen, die den Bürgermeister und die Amtsverwaltung auf interne Unstimmigkeiten hingewiesen haben. Daraufhin habe es mehrere Gespräche im Amt gegeben (wir berichteten) und man habe dafür gesorgt, dass die Gemeindevertretung einberufen wurde. Bürgermeister Gerd Feige (CDU) und Hans-Jürgen Mordhorst (WVL) stellten fest, dass die Gemeinde das Vorhaben weiter begleiten werde.

Beschlossen wurde außerdem in nicht-öffentlicher Sitzung mit Mehrheit, dass die so genannte Rentnerwohnanlage mit zwei Wohneinheiten erneut zum Verkauf ausgeschrieben werden soll. Der Kaufpreis wurde von 100 000 auf 95 000 Euro gesenkt. Beschlossen wurde zudem, eine dritte Kraft für den gemeindlichen Kindergarten einzustellen.

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