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Proteste : Bürgerprotest: Keine Ölförderung in Schwedeneck

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Hände weg von Schwedeneck“ lockte zahlreiche Interessierte auf das Gut Hohenhain

Im ehemaligen Kuhstall des Gutes Hohenhain hatten sich rund 75 Bürgerinnen und Bürger aus Schwedeneck und Umgebung zusammengefunden, um den offiziellen Startschuss für die Bürgerinitiative (BI) „Hände weg von Schwedeneck“ zu geben. Lange um den heißen Brei herum geredet wurde nicht – auch Schwedenecks Bürgermeister Gustav-Otto Jonas (SPD) bezog Stellung und berichtete von einem Anruf der DEA, in dem er gebeten wurde, mäßigend auf die Bürger einzuwirken – die Gründung der Bürgerinitiative hatte bereits weite Kreise gezogen. „Wenn man einen solchen Anruf bekommt, dann sollte man sagen „Nu erst recht“, stellte Jonas fest.

Nach Ansicht der BI wurde die Genehmigung zur Erschließung von Lagerstätten durch das länderübergreifende Bergamt (LBEG) zu Unrecht erteilt, da die betroffenen Gemeinden in diese Entscheidung nicht einbezogen oder auch nur darüber informiert worden waren. Leider stünden keine Rechtsmittel gegen diese Entscheidung zur Verfügung, so die BI-Sprecherin der Initiative, Prof. Dr. Linda Maria Koldau.

Die Bürgerinitiative richte sich keinesfalls nur gegen das umstrittene Fracking, sondern gegen jegliche Art der Ölförderung in Schwedeneck, denn auch ohne Fracking könne viel passieren. Das Verantwortungsbewusstsein der Mineralölkonzerne sei gesunken, fuhr Koldau fort, es gäbe bereits 35 Altbohrstellen, die eine Gefahr für die Umwelt darstellten. Eine ungeklärte Frage sei auch der Verbleib des Lagerstättenwassers, das stark verunreinigt ist und mitgefördert würde.

Der Geologe Siegfried Selsch, der selber langjährig in der Mineralölindustrie tätig war, konnte fundierte Auskünfte geben. „Ich bin kein Whistleblower“, so der Geologe, er gebe kein Insiderwissen preis, aber qualifiziertes Wissen. Er malte ein Szenario, das die Anwesenden beeindruckte und erschreckte: Sollte es zu Ölförderungen kommen, dann müsse auch die notwendige Infrastruktur für Lagerung und Transport geschaffen werden. Eine Pipeline und Tanklager würden gebaut werden müssen, damit dann beispielsweise von Gettorf das Öl via Bahn auf die Reise gehen könne. „Und wenn die Infrastruktur erstmal da ist, dann bleibt sie, auch wenn das Öl weg ist“, konstatierte Selsch. Es würden mehrere Förderverfahren angewandt werden: Wenn die Primärförderung keine Ergebnisse mehr brächte, würde mit sekundär- und Tertiärförderung weitergemacht. Das sind Verfahren, die für mehr als 50 Jahre den Ölfluss sicherten. Welche Auswirkungen das auf Schwedeneck als Tourismusregion hätte, könne man sich ja vorstellen: „Wer macht schon gerne Urlaub in einem Industriegebiet“, fragte der Fachmann.

Vergiftung von Grund-. Oberflächen- und Trinkwasser, Luftverunreinigungen, Schäden am Naturschutzgebiet Steilküste durch Absenkungen und Beben, Wertverlust der Immobilien, ständiger Lärm und Schmutz wären, nach Selschs Ausführungen, nur einige der zu erwartenden Folgen. Im Namen der Initiative hatte Prof. Dr. Ulrich Siegele, ebenfalls in Schwedeneck ansässig, einen offenen Brief an den schleswig-holsteinischen Umweltminister Dr. Robert Habeck verfasst. Darin werden die Verwunderung über die Entscheidungsfindung des Ministers zum Ausdruck gebracht und detailliert Gesichtspunkte aufgeführt, die nach Ansicht der BI die Genehmigung zur Erschließung ausschließen. Es erging eine Aufforderung an den Minister, die bereits erteilten Genehmigungen zurückzuziehen und keine weiteren zu erteilen. Habeck war übrigens auch zu diesem Informationsabend eingeladen wo rden, sein Kommen wurde aber durch seinen Referenten abgesagt.

„Das, was die Mineralölkonzerne am meisten fürchten, ist eine negative Wirkung in der Öffentlichkeit“, bekräftigte Selsch. Die Chancen stehen gut, das geplante Vorhaben auf diese Weise zu stoppen, das sei bereits in anderen Regionen auch gelungen. Motiviert stiegen die Anwesenden in eine angeregte Diskussion ein, überlegten, was sie im Einzelnen tun können. Ein deutliches optisches Signal sollen die markanten, gelben Stühle sein – ohne Sitzfläche, aber mit der Aufschrift: „Kein Platz für Fracking“. Im März habe der Umweltminister zu einem Gespräch geladen, verkündete Prof. Koldau, selbstverständlich werde die Initiative dieser Einladung folgen.

>Weitere Informationen gibt es aktuell auf der Homepage der Bürgerinitiative: www.haendewegvonschwedeneck.wordpress.com



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