Gras und Unkraut : Bürgerpark gerät erneut in den Fokus

So sah der Bürgerpark viele Wochen lang aus: Hochgeschossene Wegbegrünung und langgewachsene Gräser und Blumen auf der Wiese.
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So sah der Bürgerpark viele Wochen lang aus: Hochgeschossene Wegbegrünung und langgewachsene Gräser und Blumen auf der Wiese.

Die CDU-Fraktion kündigt einen Antrag zur Änderung des Pflegekonzepts an, SPD und Grüne dagegen mahnen zu mehr Geduld. Bislang gibt es zwei Mähtermine pro Jahr.

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17. Juli 2015, 06:37 Uhr

Eckernförde | Die Pflege des Bürgerparks nach den Prinzipien der natürlichen Artenvielfalt (Biodiversität) sorgt in der Bevölkerung und in der Politik für unterschiedliche Reaktionen. Die einen begrüßen die sich entwickelnde Wiesenkultur, die anderen wünschen sich eine intensivere Pflege und mehr gärtnerische Gestaltung.

Diese Diskussion treibt auch die CDU-Fraktion um. „Wir haben nichts gegen eine Wiese, würden es aber begrüßen, wenn man Ökologie und Optik miteinander verbindet“, sagt Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt. Die CDU wünscht sich einen stärkeren Eingriff in die sprießende Wiesenvegetation im Sinne eines etwas gepflegteren Parks. „Vielleicht könnte man Teilflächen mähen und Pflanzen einsetzen, die sowohl Raum und Nahrung für Insekten lassen, aber gleichzeitig auch eine größere Blütenpracht entfalten als es im Moment der Fall ist“, so Heldt. Der Bürgerpark solle zwar „kein englischer Park“ mit kurzgemähtem Rasen sein, aber insgesamt einen gepflegteren Eindruck machen. Das neue Pflegekonzept sei zwar beschlossen und ein Jahr im Praxistest, „aber für diese Fläche nicht angemessen. Wir bereiten daher für den nächsten Umweltausschuss einen Antrag zur Änderung des Pflegekonzepts für den Bürgerpark vor“.

Mittlerweile sieht der Bürgerpark etwas anders aus als in den vergangenen Wochen. Gestern war Mähtermin. Mit Rücksicht auf die noch nicht vollständig ausgesamten Wildblumen und -kräuter zwar um eine Woche verspätet, aber umso wirkungsvoller. Das Gras auf der Wiese ist jetzt nur noch 5 statt 50 Zentimeter lang, alles sieht einigermaßen schier aus. „Die Mähtermine in der 28. und 35. Kalenderwoche sind im Umweltausschuss vorgestellt worden und Bestandteil des neuen Pflegekonzepts, das wir im Bürgerpark und im Pflanzstreifen an der B 76 umsetzen“, sagt Stadtgärtnermeisterin Sylvia Bent. Heute sollen die noch fehlenden Begrenzungssteine des Sandweges gesetzt werden. Was noch fehlt, seien zwei Info-Tafeln, auf denen den Bürger erklärt wird, was im Bürgerpark wächst, was Biodiversität konkret bedeutet und wie die Pflanzen und Bäume im Park gepflegt werden. Nach ihrer Blüte bildeten die Krokusse neue Zwiebeln und die müssten sich im Erdreich festsetzen. Daher die späte Mahd im Juli. „Würden wir zu früh mähen, wäre der Krokusfluss unterbrochen“, sagt Bent, „und dann wäre es vorbei mit der Blütenpracht“. Am Mähzyklus im Bürgerpark habe sich im Vergleich zu früher nichts verändert. Auch in Husum, der Stadt der Krokusblüte im Land, würde genauso verfahren, dort werde der Schlosspark auch erst zwischen der 26. und 28. Kalenderwoche gemäht. Nicht Bestandteil des neuen Pflegekonzepts seien die hochgeschossenen Pflanzen am Weg. Bei der Anlage des neuen Weges sei dort nährstoffhaltige Erde mit Fremdsamen aufgetragen worden, so dass dort Raps, Ackersenf und andere Pflanzen in die Höhe geschossen seien. Das werde sich bald von selbst erledigen.

Rüdiger Ziegler, der zusammen mit Sylvia Bent und dem städtischen Naturschutzbeauftragten Michael Packschies das neue Pflegekonzept entwickelt hat, ist von der erneut einsetzenden Diskussion genervt: „Die Stadt hat für die Biodiversität unterschreiben, die Vorwürfe, die in der Stadt kursieren, sind haltlos.“ Der Bürgerpark und die Pflanzstreifen an der B 76 seien für die Umsetzung des neuen Pflegekonzepts prädestiniert und ausgesucht worden. Letztlich werde dadurch nicht nur mehr Artenvielfalt geschaffen, sondern auch der Pflegeaufwand reduziert. „Und viele Leute finden es toll, so wie es ist.“ Man könne sich nicht einerseits über die Krokusblüte freuen, und drei Tage später einen englischen Rasen erwarten. „Entweder Krokusse oder Rasen – beides geht nicht. Fahren Sie mal nach Husum und schauen Sie in den Schlosspark: Da stehen die Pflanzen einen Meter hoch, dort wird auch nur zwei Mal im Jahr gemäht, und die Husumer akzeptieren ihre Wiese.“ Im Bürgerpark wachsen das bedrohte Wiesenschaumkraut, scharfer Hahnenfuß und der Ehrenpreis mit blauen und gelben Blüten. Dazu kämen Glockenblumen, Waldlattich und der dunkelrote Storchschnabel. „Das braucht drei bis vier Jahre, dann haben wir eine schöne Wiese, man muss etwas Geduld haben und auch mal offen für Neues sein“, sagt der Landschaftsarchitekt und Künstler, der sicher ist, dass dieses Konzept funktioniert. Er verweist auf die Malven, Wegwarten und Nachtkerzen an der Strandpromenade zwischen Ruderclub und OIC. „Das blüht ohne Ende“, so Ziegler. Auch die von ihm und der Stadt bepflanzte Verkehrsinsel in der Falkestraße habe sich hervorragend entwickelt. Giersch und Quäken hätten dort keine Chance mehr.

„Ich würde mir ein bisschen mehr Geduld wünschen“, reagierte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Martin Klimach-Dreger, auf den Vorstoß der CDU zur Änderung des Pflegekonzepts. Wenn man die Biodiversität wolle, müsse man den Wiesenpflanzen auch die Zeit geben, sich zu entfalten und dürfe ihnen „nicht gleich zu Leibe rücken“. Der Bürgerpark habe als ökologische Anlage Vorbildcharakter. „Man muss warten, auch wenn’s weh tut fürs Auge“, sagt der Vorsitzende des Umweltausschusses, Edgar Meyn (Die Grünen). Man dürfe nicht „jedem Wutbürger nachgeben. Die Bürger sollten Vertrauen haben, dass das, was dort angelegt ist, auch gut sei für die Stadt.

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