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Windkraft in der Eckernförder Bucht : Bürger sorgen sich um ihren „Schatz“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gründungsversammlung der Bürgerinitiative Lebensraum Eckernförder Bucht / Erweiterung des Windparks bedroht Mensch und Tier

Holtsee | Dorte Dushe war die erste, die sich in die Liste der neuen Bürgerinitiative (BI) Lebensraum Eckernförder Bucht eingetragen hat. Die Eckernförderin wohnt in der Wilhelm-Lehmann-Straße nur 1200 Meter von den Windkraftanlagen in Holtsee-Altenhof entfernt, dass sie sich als direkt Betroffene bei der BI einbringen möchte. „Ich bin enttäuscht über den designierten Ministerpräsidenten Daniel Günther“, sagte sie unserer Zeitung. Die Wind-Regionalpäne zu korrigieren, das sei eines seiner obersten Ziele gewesen, doch davon sei jetzt nichts mehr zu merken, kritisierte sie. Dorte Dushe war eine von gut 20 Bürgern aus der Region um Eckernförde, Holtsee, Haby, Altenhof und Goosefeld, die ihre Bereitschaft erklärten sich auch weiterhin für die BI einzubringen. Denn auch für viele andere scheinen sich die Hoffnungen, dass die neue Landesregierung einen moderateren Weg einschlägt, nicht zu erfüllen, so Olaf Sass, der zu der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative in die Gaststätte Lehmsiek eingeladen hatte. Ziel der Gruppe ist es, die Lebensqualität in der Region wiederherzustellen und zu erhalten. Sass bezeichnete die Eckernförder Bucht und speziell das Goosseebecken als einen „Schatz“, den es zu schützen gelte. „Industriebauten, wie Windkraftanlagen, sind hier fehl am Platz, betonte Sass. Der BI-Sprecher wies auf die Bedeutung des Lebensraumes für viele Tiere hin. Vor allem Rotmilan, Sing- und Zwergschwäne sowie Kraniche gebe es hier.

„Die Eckernförder Bucht ist ein Hotspot für Artenvielfalt“, zitierte Sass einen Berichts des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Die Anwohner würden unter einer enormen Lärmbelästigung, dem Schattenschlag und roten Blinklichtern leiden, Immobilienpreise seien rapide gesunken, auch Touristen würden sich durch die Anlagen gestört fühlen. Die Bedeutung des Goosseebeckens hob auch Frank Metasch hervor. Der Eckernförder Landschaftsplaner und Nabu-Mitglied wies auf die Entstehungsgeschichte des Goossees hin. Wittensee und Goossee wurden in der Weichseleiszeit von derselben Eiszunge als Becken geformt und wie dem Wittensee als Endmoränen die Duvenstedter Berge vorgelagert sind, so sind es beim Goossee die Habyer Endmoränen. „Ein Juwel“, sagte Metasch. In mehreren Stellungnahmen an die Landesplanung hätte der Nabu auf die Bedeutung aufmerksam gemacht. Anhand von Fotomontagen präsentiere Metasch den Besuchern, wie sich das Gebiet entwickeln würde, sollten die Windpläne umgesetzt werden. Zehn Anlagen stehen schon jetzt in Holtsee-Altenhof, durch eine Ausdehnung nach Westen und Osten könnten jeweils bis zu drei weitere Anlagen hinzukommen. „Das wäre dann eine Totalbarriere für den Vogelzug“, betonte Metasch. Die trichterförmige Eckernförder Bucht sei der „Einflugskorridor für ziehende Wasservögel. Genau in diesen Zugrouten liegt die mögliche Erweiterung des Windparks Holtsee-Altenhof in der Goosseeniederung. Wie man mit der Energiewende einen ökologischen Ansatz verfolgen kann, aber keine Rücksicht auf das Ökosystem nehme, zeigte auch der Holtseer Holger Lucassen Unverständnis über die Pläne aus Kiel.

Der Landschaftsraum Goosseebecken würde optisch durchschnitten werden durch diese Windkraftanlagen, beschrieb Metasch das Szenario. „Sogar am Eckernförder Strand werde man sich bedrängt fühlen, da die Anlagen noch dichter an die Stadt herankommen“, sagte er. Die Landschaftsästhetik in der Niederungsform wäre zerstört. „In Schwansen werden wir die Windkraft nicht mehr aufhalten können“, so Metasch gegenüber der Eckernförder Zeitung, „dann soll aber zumindest die südliche Eckernförder Bucht nicht so belastet werden.“ Der Naturschützer will sich nicht gänzlich gegen Windkraft stellen: „Es gibt durchaus naturverträgliche Standorte“, sagte er. Beispielsweise die Region um Bollingstedt, die Vorgeest, oder Ostholstein /Oldenburg. Da gebe es bereits eine hohe Anzahl an Windrädern und die seien auch von der Bevölkerung akzeptiert.

Die Treffen der Bürgerinitiative sollen fortgesetzt werden. Geplant ist ein Stammtisch jeden ersten Mittwoch im Monat (5. Juli) um 20 Uhr in der Gaststätte Lehmsiek. Ideen für die Zukunft gibt es viele: Fachvorträge, Schulprojekte, Schaukästen könnten errichtet und ein Logo sowie Internetseite erstellt werden.  


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erstellt am 24.Jun.2017 | 06:52 Uhr

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