zur Navigation springen

Windkraft : Bürger: Mehr Abstand zu den Windmühlen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In Loose hat sich eine Bürgerinitiative für verträgliche Windkraft gegründet. Sie befragten die Bürger zum geplanten Windpark. 340 unterstützen die Forderung nach einem Mindestabstand von 1500 Metern von Windrad zu Wohngebäuden.

Loose | Sechs Windkraftanlagen mit Höhen um die 150 Meter sind im künftigen Windpark Loose-Waabs geplant. Bei 21 Wohngebäuden in der Außenlage von Loose mit rund 50 Bewohnern würden die Windkraftanlagen näher als 800 Meter an ihren Häusern stehen, auch wenn damit der derzeitig verbindliche Mindestabstand von 400 Metern eingehalten wird. Für die Mitglieder einer neu gegründeten „Bürgerinitiative für verträgliche Windkraft“ um Anke Detlefsen und Olaf Ratzke aus Alt-Ilewitt eine schlimme Vorstellung. In einer Aktion sammelten sie bisher 340 Unterschriften von Looser Bürgern über 18 Jahren. Diese schlossen sich den Forderungen nach einem Mindestabstand von 1500 Metern von Windkraftanlagen zu allen Wohngebäuden ebenso an, wie der Ablehnung einer „versteckten Kostenbeteiligungen der Bürger an entstehenden Straßenschäden durch Schwerlastverkehr“.

„Wir sind total begeistert, wie groß die Zustimmung war“, sagt Anke Detlefsen. Mitte April hatten sie an fast alle Haushalte in Loose ein Flugblatt mit ihren Forderungen und einer kurzen Aufklärung, was auf der Fläche nördlich der K 58 und südlich der Verlängerung der Liebesallee bis Alt-Ilewitt geplant ist, verteilt. Eine Woche später gingen sie von Tür zu Tür und trafen 390 Bürger an, von denen 340 von rund 550 Wahlbürgern in Loose ihre Zustimmung gaben. „Die Leute waren so froh, dass sich jemand darum kümmert, da es auch so wenig Informationen und viele Gerüchte zu dem Vorhaben gab“, berichtet Detlefsen. Die Unterschriften werden sie der Gemeindevertretung am 16. Juni mit dem Antrag, erneut über das Thema Windpark zureden, überreichen, so Detlefsen.

Ihr Vater Dieter Detlefsen habe seit Beginn der Planung immer betont, dass Windkraftanlagen generell 800 Meter Abstand zu allen Wohngebäuden haben müssten. Diesen Abstand sieht das aktuelle Planungsrecht des Landes aber nur für geschlossene Wohnbebauung vor. Für Einzelgebäude und Splittersiedlungen in Außenlage müssten nur 400 Meter Abstand eingehalten werden. „Doch das ist viel zu wenig und es ist nicht nachvollziehbar, warum Menschen im Außenbereich geringere Abstände hinnehmen müssten“, stellten die Initiatoren fest.

Einen aktiven Begleiter und Mitstreiter haben die Alt-Ilewitter in Eike Hebeler (72) in Tolsrüh gefunden. Er war erst durch das Flugblatt auf die geplante Errichtung von Windkraftanlagen im Blickfeld seines Hauses aufmerksam geworden. Er begann zu recherchieren und baute eine umfangreiche Sammlung im Internet unter www.recherche-links.de/loose-windpark/ auf. Und er stieß auf ein besonders auffälliges Missverhältnis im Bereich der Ortsausfahrt K 58 Richtung Osterhof. Der derzeitige rechtliche Erlass führe dazu, dass selbst eine „Bebauungslücke“ von nur rund 80 Metern zwischen dem letzten Wohngebäude in Loose und dem ersten Wohngebäude in der Außenlage Osterhof, eine andere Mindesabstandsregelung erlaube, so Hebeler. Würde der Bereich Osterhof ebenfalls zur Siedlung Loose gezählt, müsste auch von dort ein Mindestabstand zu Windkraftanlagen von 800 Metern gelten. Damit müssten, so Hebeler und die Initiatoren, die bisher ausgewählten Standorte und möglicherweise auch die Anzahl der Windkraftanlagen überprüft werden.

Doch selbst 800 Meter Abstand zu Wohngebäuden halten die Mitglieder der Bürgerinitiative für zu nah. Bei ihren Recherchen stellten sie fest, dass Deutschland, und besonders Schleswig-Holstein, im internationalen Vergleich noch sehr geringe Mindestabstände vorschreibt. In England seien sogar drei Kilometer Abstand festgelegt, so Anke Detlefsen. Die deutschen Vorgaben entsprächen nicht mehr der aktuellen Entwicklung. Im Schnitt würden rund 1500 Meter Abstand vorgeschrieben, was auch die möglichen Belastungen durch den so genannten Infraschall stark reduziere.

In ihrer Einschätzung sehen sie sich durch die Bundesratsinitiative von Bayern und Sachsen im Herbst 2013 bestätigt. Sie stellten fest, dass die derzeitigen Vorgaben in den Gesetzen für Windkraftanlagen auf der Basis von Anlagen mit vielleicht 100 Metern Höhe in den 90-Jahre basierten. Heute seien aber 150, selbst 200 Meter (wie im Windpark Rieseby geplant) die Regel. Um den Schutz der Menschen durch „erdrückend wirkende Anlagen“ gerecht zu werden, nennen die Bundesländer als Beispiel einen einzuhaltenden Abstand der zehnfachen Höhe der Windkraftanlagen. Für die Looser Anlagen würde dies einen Mindestabstand von 1500 Metern bedeuten ,so Detlefsen. „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber sie muss verträglich sein“.

Hebeler rät dazu, vor weiteren Entscheidungen die Bundesratsberatung abzuwarten. Er plant einen Brief an Umweltminister Robert Habeck, in dem er Aussagen zur Windkraft von ihm fordert.

Windpark Loose-Waabs: aktueller Stand

Die im Regionalplan ausgewiesene Windeignungsfläche Loose-Waabs wird nach Beschluss der Looser Gemeindevertretung im Dezember 2012 durch einen städtebaulichen Vertrag und nachgeschaltet eine Bauleitplanung planungsrechtlich gesichert. Nach der Trennung der Vorhabenträger, hat die Gemeinde den beiden Nachfolgern Entwürfe städtebaulicher Verträge ausgehändigt. Derzeit sei man noch in der Feinabstimmung, unterschrieben wurde nach Auskunft von Bauamtsleiter Norbert Jordan noch nichts. Sind alle Verträge unterzeichnet, können die Vorhabenträger Bauanträge stellen.

Standpunkt

Das Rad anhalten?

Schlag auf Schlag formiert sich der Protest gegen den Bau von Windkraftanlagen in Schwansen. Heute kommen Argumente auf den Tisch, von denen vor Jahren, als über die Ausweisung möglicher Windkrafteignungsflächen in den Gemeindegremien beschlossen wurde, kaum einer etwas ahnte. Gab es leise Zwischenrufe, wurden sie überhört, oder vom Wunsch, mit der Energiewende die Atomkraft los zu werden, fortgespült. Wer konnte sich auch schon vorstellen, wie hoch die Windkraftanlagen heute werden und vor allem, wie nah sie an Wohngebäuden stehen dürfen? Wäre das Wissen von heute damals bekannt gewesen, es wären vermutlich weniger Flächen für die Windkraft gemeldet worden, oder eben nur dort, wo Menschen deutlich weiter entfernt von ihnen leben, als heute. Ob das Rad noch einmal zurückgedreht werden kann, wird sich zeigen. Es zu versuchen, ist aber ein lebendiger Teil unserer Demokratie.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Mai.2014 | 06:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen