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Eckernförder Zeitung

19. September 2017 | 22:51 Uhr

Windkraft : „Bürger haben Ängste und Sorgen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Infoveranstaltung zu Windkraft in Dörphof gut besucht / Heute Abend berät die Gemeindevertretung Stellungnahmen in dem Planungsverfahren

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2017 | 06:41 Uhr

Dörphof | Die Windkraft beschäftigt die Bürger in den Gemeinden Schwansens. Freitagabend hatte Dörphofs Bürgermeister Frank Göbel daher die Bürger zu einer Infoveranstaltung ins Feuerwehrhaus Schuby eingeladen. „Der volle Saal zeigt deutlich, dass es heute viele Fragen von Bürgern gibt, die noch nicht beantwortet sind. Es fehlen Antworten von der Politik“, stellte er, erfreut über das große Interesse, fest. Der Grund liege darin, „viele Bürger haben bezüglich der Windkrafträder viele Ängste und Sorgen“, so Göbel weiter.

Um die mögliche Situation nach der Errichtung von möglicherweise sechs Windkraftanlagen auf der derzeit noch als Vorrangfläche ausgewiesenen Fläche Dörphof zu verdeutlichen, wurde ein Landschaftsmodell des Weinstädter Architekten Thomas Weinmann vorgestellt. Dabei wurde auch der denkbare Schattenwurf der Anlagen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten simuliert. Man konnte deutlich sehen, bis zu welchen Straßen und Gebäuden die rotierenden und von Geräuschen begleiteten Schatten reichen würden. „Ich finde das beeindruckend und erschreckend zugleich, wie mächtig die Schatten zu uns herüber kommen“, stellte Göbel fest.

Auch in Vorbereitung auf die heutige Sitzung der Gemeindevertretung erläuterte der Bürgermeister das Verfahren zur Beteiligung der Gemeinden. So hat jede Gemeinde (auch jeder Bürger) die Möglichkeit, bis zum 30. Juni Stellungnahmen abzugeben. „Rund elf Kilogramm Unterlagen müssen dafür durchgearbeitet werden“, machte der Bürgermeister mit Verweis auf eine hohen Stapel Unterlagen deutlich.

Nach Aussage Göbels würde das Gebiet durch mögliche Windkraftanlagen für Touristen unattraktiv werden. „Mindestens 7 Prozent der Feriengäste zeigen schon jetzt ein Meideverhalten, 30 Prozent sagen direkt, dass sie es sich überlegen, ob sie dann, wenn hier die Windkraftanlagen gebaut werden, überhaupt noch kommen würden.“ Dabei bezog er sich auf Aussagen einer Studie des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT), die die Küsten- (Tourismus-) Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee im Frühjahr in Auftrag gegeben hatten (wir berichteten). Das zeige deutlich, dass die Touristen hier Naturerlebnis haben wollen; wenn allerdings die Windräder stünden, dann kaum noch kommen würden, so Göbels Befürchtung. Es müsste hier weitere Tabukriterien gegeben, stellte er fest. „Auf der einen Seite haben wir den Schwansener See und auf der anderen Seite die Schlei. Das Danisch Golden Eagle Project zeigt, dass es hier viele besonders schützenswerte Vogelarten, viele Seeadler und auch Fledermäuse gibt – durch Errichtung von Windkraftanlagen wird das Tötungsrisiko signifikant erhöht“, erklärte Göbel. Der Bürgermeister empfand es als bedauerlich, dass weitere Untersuchungen zum „Schwansener See“ und zum „Karlsburger Holz“ nicht erfolgten. Zudem kritisierte er, dass es in sämtlichen Vorträgen des Kreises hieß, es sei nicht möglich, eine Höhenbegrenzung der Windkraftanlagen vorzunehmen.

Die Einwohnerversammlung wurde ebenfalls von Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein besucht. Auch seine Familie hätte früher mit dem Gedanken, eigene Windkraftanlagen zu errichten, gespielt. „Wir haben aber aus Verantwortungsgefühl davon abgesehen, die Windräder zu bauen.“ Die Dinge hätten sich jedoch in den letzten Jahren geändert, zum Beispiel durch den Ausstieg aus der Nuklearenergie und durch den Abstieg der Kohleenergie. „Ich persönlich finde es richtig, dass wir die Atomkraft abschalten. Dazu kommt noch der technische Fortschritt der Speichertechnik und des sogenannten `Smart Crids´ (Intelligente Energieverteilung in Europa). Daraus folgt, dass man auf andere Energiequellen, wie beispielsweise Windkraft, zurückgreift“, erklärte er. Auf diesem Weg sei er dafür, den Wandel mit Augenmaß zu betreiben und den Bürgern die Gelegenheit zu geben, an der neuen Entwicklung teilzuhaben. „Die Bürger, die wollen, könnten an dem Geschäftsmodell beteiligt werden, beispielsweise an einer Windkraftanlage“ erläuterte er.

Einige Bürger sahen die Errichtung der Windkraftanlagen dennoch kritisch. Christopher Bruns wäre nicht begeistert, wenn Dörphof die Anlagen bekommen würde. „Ich werde auf meiner Terrasse direkt auf die Windräder schauen und das gefällt mir nicht“, sagte er. „Das würde für mich den Verlust von Wohnqualität bedeuten. Die Erholungsqualität leidet, genauso der Naturschutz. Der Wert der Grundstücke wird deutlich sinken – das sind für mich Hauptargumente dagegen“, zählte er auf. Der Schubyer Landwirt Volker Starck hätte persönlich nichts gegen Windkraft. „Natürlich müsste man das mit Augenmaß betreiben“, so Starck. „Aber ich ordne meine Meinung der der Bürger unter.“ Zugleich empfand er es für wichtig, dass sowohl die Bürger wie auch die Gemeinde etwas davon hätten.

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