Buchtipp: „Das Mädchen, das vom Himmel fiel“

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15. November 2013, 00:33 Uhr

Ich möchte auf ein Buch aufmerksam machen, das in die Jahreszeit passt und vielleicht auch den Gemütszustand mancher Menschen beschreibt. Es ist von der leider zu früh verstorbenen niederländischen Autorin Rascha Peper und heißt „Das Mädchen, das vom Himmel fiel“. Peper verwendet in ihren Büchern oft maritime Motive, so auch hier. Wir treffen Ruben, einen älteren, bärbeissigen und misanthropisch gestimmten Mann, der sich in einer misslichen Lage befindet. Er wohnt auf einem Traditionssegler, der Knurrhahn heißt und ist mit diesem auf dem Ijsselmeer unterwegs, als er von einem Wintereinbruch überrascht wird. Nun liegt er bereits seit Wochen an einer kleinen Insel, und weigert sich aus Angst vor Vandalismus und Diebstahl, sein Schiff zu verlassen. Seine Frau ist an Land. Er hat sich eingerichtet mit täglichen Rundgängen über die Insel, Zubereitung des Dosenessens und seiner Tätigkeit als Übersetzer wissenschaftlicher Werke über Meeresbiologie. Er weiß noch nicht, dass jemand auf ihn aufmerksam wurde. Bis eines Tages eine Schlittschuhläuferin schnurstracks auf ihn zuläuft und ihn in seiner weißen Welt aus Schnee und Eis mit „einem Wasserfall von roten Haaren“ überrascht. Sie besucht ihn wieder und versorgt ihn mit Zeitungen, Whisky und seinen geliebten Zigarren. Mit diesen Besuchen baut sich eine Beziehung auf. Er kennt jetzt ihren Namen (Bente) und weiß, was sie beruflich macht. Mit seiner Zuneigung, ja Liebe wächst seine Furcht, dass ihr auf dem dünner werdenden Eis etwas zustößt. Es kommt, wie es kommen muss. Ein Eisbrecher kommt in seine Nähe, er darf aber seinen Zorn darüber nicht zeigen. Er versteckt sich, es nutzt ihm nichts. Nun wird er „gerettet“ und dieser Teil seines Lebens ist vorbei. Bei seinem Versuch, Bente zu erreichen, erfährt er von ihrem Tod. Dieser lag zu seiner Überraschung vor ihrem Treffen. Eines Tages steht er vor ihrem Grab.

Erst ganz am Schluss des Buches erschließt sich ihm der Sinn, warum einem einsamen Skipper, der im Eis eingefroren lag, jemand auf ein paar Schlittschuhen in sein Leben hineinlief und danach wieder heraus.

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