anliegerprotest : Brodersbyer fürchten um ihren Dorfmittelpunkt

Christian Schlömer
Christian Schlömer

Aufgrund der Bedenken vieler Anwohner stellt die Gemeindevertretung den Aufstellungsbeschluss B-Plan 14 zurück. Im September soll auf einem Ortstermin am Birkenhof die Sachlage unter Beteiligung auch der Bürger erörtert werden.

shz.de von
22. Juli 2015, 04:57 Uhr

Bis auf den letzten Platz war der Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Schönhagen-Höxmark am Montagabend besetzt. Über 20 Bürger des Dorfes Brodersby waren zu der Gemeindevertretersitzung gekommen, zu der Bürgermeister Christian Schlömer (CDU) die Gäste begrüßte.

Gegenstand des großen Bürgerinteresses war der Tagesordnungspunkt sieben „Aufstellungsbeschluss für den B-Plan Nr. 14 für den Bereich „Haus Birkenhof – Am Schulwald“ im vereinfachten Verfahren nach Paragraf 13  a Baugesetzbuch“. Wurde dieser vor Eintritt in die Tagesordnung von derselben abgesetzt, wurde er umso heftiger in der Einwohnerfragestunde diskutiert. Zur Erläuterung des Vorhabens nahmen die Hausleiterin vom Birkenhof, Kerstin Schirrmeister, und der Geschäftsführer des St. Nicolaiheims, Stefan Lenz, als Träger des Hauses am Ende der Sitzung teil. Der Birkenhof ist Wohnstätte für Menschen mit vorwiegend geistigen, aber auch körperlichen-seelischen Behinderungen.

Hintergrund ist eine offizielle Beschlussvorlage des Bauausschusses vom 30. März, einer Bauvoranfrage des St. Nicolaiheims zuzustimmen. Geplant ist ein ebenerdiger Anbau an den Birkenhof, um den derzeitigen Bewohnern ein Leben im Alter dort zu ermöglichen. „Diese Menschen haben immer in Brodersby gelebt“, begründete Lenz die Bauabsicht. Er widersprach dem Gerücht, dass zusätzliche Wohnplätze geschaffen werden sollten. „Es bleibt bei zehn Plätzen, so wie es heute ist“, bekräftigte der Geschäftsführer. Das alte Schulgebäude lasse einen entsprechenden Umbau nicht zu. Für den Anbau benötige man aber mehr Grundstück. Es bestehe eine „lose Bauvoranfrage“: „Ist die Gemeinde bereit, dafür Grund und Boden zur Verfügung zu stellen?“, machte Lenz deutlich. Nach bisheriger Rücksprache mit dem Kreis bevorzuge man einen Teil des benachbarten Sportplatzes als Bauland. Sehr zum Unmut der zahlreichen Anlieger im Raum. Dr. Otto Kloppenburg brachte es für alle auf den Punkt: „Warum will die Gemeinde das zulassen? Dieser Platz ist wertvoll. Wir haben sonst nichts anderes“, sagte Dr. Kloppenburg. Ihm gehe es um die „Grundsätzlichkeit des Platzes“ und nicht um die Frage, ob das St. Nicolaiheim dort bauen wolle. Aufgrund jeglicher fehlender Infrastruktur im Dorf stelle dieser Platz „den zentralen Mittelpunkt in Brodersby dar“, der unbedingt in „seiner gewachsenen Form“ erhalten werden müsse, betonte der Brodersbyer und erntete große Zustimmung der Anlieger. Die Aussage von Bürgermeister Schlömer, „wir sind ganz am Anfang. Der Kaufpreis wurde per Handschlag verhandelt, mehr nicht“ beruhigte die Gemüter nicht wirklich. Auch die Tatsache, dass noch Unklarheit hinsichtlich der benötigten Grundfläche, ob 900 oder 1200 Quadratmeter, herrscht, stellt für die Anlieger ein Unsicherheitsfaktor dar.

Ungeachtet der Frage, ob der Birkenhof ebenerdig oder zweigeschossig baut, besteht die Gewissheit, dass die Versorgung über die Straße Am Schulwald erfolgen muss. Das sei eine Auflage des Kreises, bestätigten sowohl Schlömer als auch Lenz. Eine einvernehmliche Lösung wurde am Montag nicht gefunden. Zur Klärung des Sachverhalts lädt der Bürgermeister Gemeindevertreter und Anlieger im September zu einem Ortstermin ein.

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