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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 06:31 Uhr

Tourismus : Brodersby sticht Amerika aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei Familien aus dem Ruhrgebiet verbringen seit 25 Jahren gemeinsam ihren Sommerurlaub in Schwansen.

shz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 07:26 Uhr

Es ist von Anfang an klar, in welche Richtung es geht. Gudrun Schulz steht mitten im extra großen Aufenthaltsraum ihrer Feriengäste, auf einem der Tische ein glänzender Pokal. „Der ist vom Karbyer Kirchenschifflauf. Dank unserer Gäste sind wir da auf dem ersten Platz gelandet.“ Jutta Kopps Widerspruch kommt prompt. „Wir sind ja eigentlich keine Gäste mehr“, sagt die Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen, „sondern Einheimische“.

Tatsächlich fällt es leicht, diesen Eindruck zu bestätigen. Jutta und Stephan Kopp aus Hattingen mit ihren Söhnen Jonas (17) und Simon (14), Regina und Dirk Padeberg aus Essen mit ihren Kindern Florian (18) und Sophie (16) sowie Claudia und Marcus Lübbe aus Oberhausen mit ihren Kindern Louisa (18) und Moritz (16) verbringen seit mittlerweile 25 Jahren ihren Urlaub auf dem Ferienhof von Gudrun und Dieter Schulz in Brodersby – das ist dem Kappelner Touristikverein eine besondere Auszeichnung und Gudrun Schulz eine XXL-Kaffeetafel wert.

„Gäste der ersten Stunde“ – so nennt die Vermieterin ihre Urlauber. Das Besondere: Die drei Familien sind seit jeher gemeinsam angereist, anfangs ohne Kinder, meistens gleich für drei Wochen. Und alle Gästen eint, was Dirk Padeberg so umschreibt: „Wir sind von Anfang an sehr liebevoll aufgenommen worden, inzwischen ist daraus fast eine verwandtschaftliche Atmosphäre geworden. Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl.“ Dass gerade diese lange Urlaubertreue nicht nur mit der Umgebung, sondern vor allem mit den Menschen zusammenhängt, weiß auch der Touristikverein. Der Vereinsvorsitzende Ingwer Hansen betont: „Der Vermieter ist im Grunde der wichtigste Teil.“ Deshalb hat er gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Ulrike Fehlberg für Gudrun Schulz einen blühende Pflanze mitgebracht, für die drei Gäste aus dem Ruhrgebiet die prall gefüllte Kappeln-Tasche inklusive Urkunden und silberner Mühlennadel. Und für die Tatsache, dass es eben gleich drei Familien bei der gleichen Vermieterin über einen identischen Zeitraum sind, hat Hansen nur ein Wort übrig: „Außergewöhnlich.“

Die Eltern von Dirk Padeberg sind schuld an dieser außergewöhnlichen Konstellation. Padeberg erzählt: „Inspiriert vom Landarzt haben sie hier oben Urlaub gemacht und uns anschließend die Region empfohlen, weil man hier so gut Fahrradfahren kann.“ Aus drei- bis viertägigen Aufenthalten in der Anfangszeit sind schnell mehrere Wochen im Sommer geworden und zum Radfahren andere Aktivitäten hinzugekommen. Laufen, Wasserski, Surfen – „wir finden immer irgendetwas“, sagt Padeberg. Die Kinder wurden älter, und der Hof wuchs quasi mit. „Inzwischen“, sagt Dirk Padeberg und lacht, „gibt es hier sogar W-Lan“. Gleichzeitig ist es die Friedlichkeit abseits vom Trubel des Alltags, die er schätzt. „Diese Region strahlt Ruhe und Bodenständigkeit aus“, sagt der Urlauber. Offenbar etwas, das auch bei den Kindern gut ankommt. Stephan Kopp sagt: „Im Grunde wird über das Urlaubsziel gar nicht diskutiert. Selbst als wir unsere Söhne vor die Wahl Amerika oder Brodersby gestellt haben, hieß es Brodersby.“

Im nächsten Jahr feiert Dirk Padeberg seinen 50. Geburtstag – dann werden Gudrun und Dieter Schulz im Ruhrgebiet ausnahmsweise das sein, was Kopps, Lübbes und Padebergs jedes Jahr für drei Wochen bei ihnen sind: zu Gast.

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