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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 21:45 Uhr

Bringt Beirat Kinoprojekt ins Wanken?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kino soll am Bahnhof statt auf dem Sky-Markt entstehen

von
erstellt am 24.Feb.2017 | 06:41 Uhr

Mit einer solchen Wendung in der Kino-Frage konnte niemand rechnen (siehe gestrige Ausgabe). Coop-Geschäftsführer Dierk Berner und Architekt Stefan Rimpf hatten sich kurzfristig bereit erklärt, ihre noch in der Entwicklung befindliche Planung dem Gestaltungsbeirat vorzustellen: ein neuer Sky-Markt, der direkt an die vier Coop gehörenden Wohnhäuser an der Reeperbahn heranreicht, darunter eine Tiefgarage mit 56 Plätzen, darüber sechs Kinosäle mit einmal 250, dreimal 100 und zweimal 50 Plätzen, erläuterte Rimpf. Ein Markt mit Café sowie Aufzügen und Treppen nach unten und oben. Man sei den Anregungen der Bauverwaltung gefolgt und habe die verkehrliche Anbindung an die Reeperbahn verlegt, dafür müsste das Gebäude Nr. 43 abgerissen werden, auch das sei mit dem Bauamt abgesprochen gewesen.


„Denkmalverdachtsfälle“


Wie sich erst gestern auf EZ-Anfrage bei der Denkmalpflege des Kreises herausstellte, seien dieses Gebäude ebenso wie die drei bauartgleichen Nachbargebäude in die Liste der „Denkmalverdachtsfälle“ aufgenommen worden und stünden zur Begutachtung durch das Landesamt für Denkmalpflege an, ein Ergebnis liege noch nicht vor. Das war bis dato weder Coop noch dem Architekten bekannt. Die Auswirkungen einer im Sinne des Denkmalschutzes positiven Entscheidung hätte wohl Planungsänderungen zur Folge.

Die vier Beiratsmitglieder aus Lübeck, Flensburg und Hamburg hörten sich die Ausführungen in aller Ruhe an, um dann das Projekt zu beerdigen: das Kino sei „leider an der falschen Stelle“, und man könne sich nicht vorstellen, dass Architekt Rimpf seiner Heimatstadt eine solche Fassade gegenüber dem Rathaus „antun“ würde, sagte Beiratsvorsitzender Helmut Riemann. Der Architekt aus Lübeck blieb deutlich: Im Grunde müsste man die vier Häuser an der Reeperbahn freistellen, dürfe sie nicht zubauen und eines der Häuser abreißen. „Wir können dem ganzen Projekt nicht folgen.“ Riemann empfahl, den Kinostandort an den Bahnhof zu verlegen und das Areal Gartenstraße einschließlich des Parkplatzes durch ein städtebauliches Gutachterverfahren langfristig neu zu ordnen.

Ein Markt mit Kino an dieser Stelle zu bauen, sei genau die richtige Entscheidung, konterte Rimpf. „Das ist wichtig für die Nahversorgung der Innenstadt.“ „Wir wollen Sky nicht vertreiben“, entgegnete Riemann, man wolle aber den „städtebaulichen Missstand“ verbessern. Statt eines Kinos sei eine Wohnbebauung auf dem Sky-Markt vorstellbar. Nachdem Dierk Berner sich kritisch zu der Parallelplanung am Bahnhof geäußert hatte, erklärte Bauamtsleiter Roy Köppen, dass Architekt Rimpf wisse, dass es parallele Untersuchungen für ein Kino am Bahnhof gibt. „Die Ausgangslage war klar. Wenn einer meint, ein Kino aufs Dach des Sky-Markts zu bauen, kann man das nicht verhindern“, so Köppen lapidar.

Aus der Politik war es Georg Bicker (CDU), der hart mit dem Gestaltungsbeirat ins Gericht ging. Man habe weder einen Investor für ein Kino am Bahnhof, noch einen Betreiber für den Markt. Die Planungslage sei zu komplex und nebulös, als dass schnelle Beschlüsse, geschweige denn Realisierungen zu erwarten wären. „Sie liegen völlig falsch und arbeiten gegen die Interessen der Bürger!“, warf Bicker dem Beirat vor.

>Erste Reaktionen der Politik, Verwaltung und Coop auf Seite 10

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